Dennoch 4.000 gekommen

09. Mai 2018 10:19; Akt: 09.05.2018 12:03 Print

"Fest der Freude": Kritik an Regierung fiel ins Wasser

Trotz Gewitters sind 4.000 Menschen zum "Fest der Freude" auf den Heldenplatz gekommen. Demonstranten wollten die Regierung kritisieren. Daraus wurde aber nichts.

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Früher protestierten am 8. Mai Linke gegen Burschenschaften, die an diesem Datum ein Totengedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs abhielten. Seit fünf Jahren hält die Bundesregierung am Heldenplatz Gedenkfeierlichkeiten ab. Dieses Jahr hat die Offensive gegen Rechts gemeinsam mit der Österreichischen Hochschülerschaft unter dem Motto „Erinnern heißt kämpfen“ gegen die Regierung protestiert. Man wollte zum Heldenplatz ziehen, um die Feierlichkeit dort zu stören und gegen Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka zu protestieren.

Doch es kam anders: Ein Gewitter zerschlug die Demo. Und: Nationalratspräsident Sobotka eröffnete den Abend mit einer Rede, in dem er den Kritikern den Wind aus den Segeln blies: Österreich hätte zu lange einen Opfermythos aufrechterhalten. "Wir alle sind aufgerufen, dagegen unsere Stimme zu erheben. Österreich ist ein Land, das in Europa geachtet ist, ein Brückenbauer. Österreich ist ein Land, das verbinden soll. Gegen Rassismus und Antisemitismus", rief der Nationalratspräsident.

Danach erzählte der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard (87) von seinen Erinnerungen an das KZ Theresienstadt und über seinen Widerstandskampf nach dem Krieg: "Nach der Rückkehr aus dem KZ musste ich die entsetzliche Wahrheit erkennen. 19 Mitglieder meiner großen Familie waren tot, meine Eltern sind nach der Haft jung gestorben." Gelbard, der sich stets gegen Burschenschaften und rechte Studenten engagiert hatte, sprach sich in seiner Rede auch gegendie FPÖ-nahe Zeitschrift Aula aus: Immer noch würden dort antisemitische Stereotype dargestellt: "Was mich so erschüttert, ist, dass viele Burschenschafter nichts gelernt haben. Wir mussten nach dem Krieg diesen Kampf gegen Antisemitismus führen. Ich war damals der Jüngste, darum bin ich jetzt der Letzte, der seit 1946 bei allen Auseinandersetzungen dabei war. Es musste sein, glauben Sie mir", sagte der KZ-Überlebende. Standing Ovations.

Symphoniker unter Julian Rachlin
Die Wiener Symphoniker spielten unter dem israelischen Dirigenten Lahav Shani. Das Programm war von jüdischen Komponisten dominiert. Mit Violinist Julian Rachlin gaben die Symphoniker Tschaikowski zum Besten. Auch Werke von Leonard Bernstein und Ernest Bloch waren zu hören.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SockenRambo am 09.05.2018 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    göttlich

    Göttliche Fügung... die Demonstranten wurden von einer himmlischen Flut hinfort gespült.. gefällt mir :)

    einklappen einklappen
  • Raphael am 09.05.2018 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kampf der Ausgrenzung

    Es ist mir völlig unverständlich, warum man an diesem Tag die Ermordeten des Krieges in 2 Gruppen teilt. Einerseits die Ermordeten in den Lagern. Andererseits die rund 65 Millionen Gefallenen. Sind die einen mehr, die anderen weniger Wert? Meine Grosseltern sind nicht freiwillig in den Krieg gezogen. Sie wurden gezwungen. Sie sind genauso Opfer. Wann sieht man endlich ein, dass man an solch einem Tag zusammenstehen muss und aller Opfer gedenken sollte, und mahnen sollte zum Miteinander, denn nur das kann Krieg verhindern. Hetzreden sind immer nur kontraproduktiv.

  • Experte am 09.05.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser reinigt

    Mit Wasser in Berührung zu kommen, empfinden die meisten Linken als unangenehm, wie man an gewissen Gerüchen bei ihnen feststellen kann...

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Seitenblick am 11.05.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mitte Links

    Der Kommunist steht diesmal Mitte Links

  • Franz Absberg am 10.05.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Für ein friedliches Miteinander

    Viktor Frankl und A. Brauer stehen für Versöhnung und ein Miteinander. V.Frankl der selbst im KZ war und dort seine Familie ermordet wurde sagte in seiner berührenden Rede am Heldenplatz, es gebe unabhängig von Rasse und Religion "Anständige" und "Unanständige" aber keine Kollektivschuld. Auf diese großartigen Persönlichkeiten sollte man hören und die parteipolitischen Taktierer die mit Hetze nur Zwietracht säen, ignorieren.

  • Salomon am 09.05.2018 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unart

    Warum muss man bei solchen Veranstaltungen immer und immer wieder hervorheben, dass Österreich auch TÄTER war und nicht nur Opfer. Vielleicht gab es 1% Täter. Meine Eltern, Grosseltern und alle, die mir bekannt sind, sind Opfer, denen diese Diktatur aufgezwungen wurde. Es ist ein Hohn und eine Beleidigung solche Worte zu hören für wahrscheinlich alle die 99 % Anständigen Opfer, die diese schwere Zeit miterleben mussten.

  • kfir am 09.05.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    @ Raphael

    Man hatte den Eindruck, der 2. Weltkrieg fand nur in den Vernichtungslagern statt. Die übrigen Toten scheinen egal zu sein

  • Sochal am 09.05.2018 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hobbylose demonstranten

    Interessant dass ein paar Regentropfen ausreichen um nicht mehr für seine demonstrative Meinung einzustehen. Für mich zumindest ist es ein Beweis dass die Leute nicht für die sache sondern des demonstrierens wegen demonstrieren.