Kritik an Experten

13. März 2019 08:04; Akt: 13.03.2019 09:08 Print

"Jetzt": Cannabis-Bericht der Ministerin "einseitig"

Das Ministerium lehnt den Verkauf von Cannabis-Blüten auf Rezept ab. Klar, kritisiert die Liste "Jetzt", weil man nur einseitige Experten befragt hat.

Symbolbild (Bild: picturedesk.com)

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Das Sozialministerium habe sich nicht "neutral" mit dem Thema befasst, seine Experten "einseitig ausgewählt" und später "fadenscheinige Begründungen" dafür vorgeschoben. Das kritisiert die Liste "Jetzt" und insbesondere deren Gesundheitssprecherin Daniela Holzinger-Vogtenhuber in Richtung Gesundheitsministerium.

Schon im Jänner hatte sie in einer parlamentarischen Anfrage an Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) nachgefragt, wie die Wahl der Experten zustande gekommen sei.

Worum geht's?

Im Sommer 2018 beauftragte das Parlament einstimmig das Gesundheitsministerium: Es sollte ein Bericht über den "zukünftigen medizinischen, rechtlichen, organisatorischen Einsatz von cannabishaltigen Arzneimitteln" verfasst werden. Darin sollte erforscht werden, ob es Sinn macht, neben cannabishaltigen Medikamenten auch Cannabisblüten und andere Pflanzenteile auf Rezept zu erlauben.

Der Bericht lehnte das ab. "Jetzt" kritisierte daran aber, dass die befragten Experten selbst für Cannabis-Produzenten arbeiten würden und deshalb der Verdacht naheliege, dass sie befangen seien.

An diesem Status Quo hätte unter anderem der Pharmakonzern Bionorica ein wirtschaftliches Interesse - und diesem Konzern würden mehrere vom Ministerium befragte Experten nahestehen.

"Parlamentsauftrag nicht erfüllt"

Im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage sollte die zuständige Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) dazu Stellung nehmen. Die Beantwortung liegt seit kurzem vor, stellt "Jetzt" aber alles andere als zufrieden.

Die Experten seien "aufgrund ihrer ausgewiesenen Expertisen zu Fragen der Liberalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken" befasst worden, schreibt das Gesundheitsministerium - wie es im Auftrag des Parlaments vorgesehen war.

Apothekerkammer nicht befragt

Da ist Holzinger-Vogtenhuber (JETZT) aber anderer Meinung. Der Auftrag des Parlaments sei eben nicht erfüllt worden: "Die Qualität von ministeriellen Berichten sollte darin liegen, dass Expertisen zu Themenbereichen offen und NEUTRAL erfolgen. (...) Stattdessen wurden einseitige Expertisen eingeholt", so Holzinger-Vogtenhuber.

Sie kritisiert weiter, dass Experten, die der Liberalisierung positiv gegenüberstehen, erst gar nicht befragt wurden. Wie etwa Vertreter der Apothekerkammer: "Diese hätten berücksichtigt werden sollen. Das ist nicht geschehen."

Auch die Erfahrungen aus Deutschland hätten laut Auftrag des Parlaments in den Bericht des Ministeriums einfließen sollen. Taten sie aber nicht: Weil man erst die Analysen abwarten will - und die gibt es noch nicht, antwortet das Ministerium. Seit Deutschland am 10.03.2017 erlaubt hat, auch Cannabisblüten zu verkaufen, laufe dort nun eine Begleiterhebung, die 60 Monate dauern wird. Diese Frist und das Ergebnis der Analyse liegen noch nicht vor.

Am 19. März will JETZT den kritisierten Bericht im Gesundheitsausschuss besprechen. Danach soll es eine Pressekonferenz geben, wo eine Frauenärztin und ein Allgemeinmediziner über ihre Erfahrungen mit Cannabis berichten.

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(csc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Befürworter am 13.03.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hilft wirklich!!!

    Immer das gleiche. Bin großer BEFÜRWORTER, hab selbst viel gekifft zum Spaß früher, hab dann aufgehört. Dann fingen die Probleme an. Hatte schon immer schweres Asthma, musste seit ich denken kann Medikamente nehmen die meine Zähne komplett ruinierten. War 2x im Krankenhaus wegen schweren Magenproblemen meine verdauung funktioniert nicht einwandfrei. Einmal im Monat sehr starke PMS ZUDTÄNDE anders kann man dass nicht ausdrücken. CBD hilft da nicht THC ist der Wirkstoff denn ich brauche, besonders beim Asthma große HILFE. Brauch keine Medikamente mehr. Jetzt schon Führerschein weg, war positiv.

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  • Reefer Madness CSC am 13.03.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt den Hanf frei!

    Warum muss man als Patient auf teilsynthetisches THC (Dronbinol, Sativex...) zurückgreifen der im Monat 700.- und mehr kostet und in denen der Wirkstoff in der Menge eines 50.- guten Weeds enthalten ist! Die AGES zieht Hanf (mehrere hundert Kilo), verkauft diesen an ein deutsches Pharmaunternehmen, deise strecken dann den Wirkstoff mit synthetischen Ramsch um das dann sauteuer an die Patienten zu vrkaufen (die KK zahlen NIX!).

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  • Sepp Berghofer am 13.03.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steira

    Schmeißt nicht immer Cannabis in den gleichen Topf wie diese miesen Synthetischen Drogen. Aufklärung und a bissl was lernen. G an alle.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Walter Serro am 14.03.2019 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Experten???

    Hätte man nach Ansicht von "Jetzt" auch Experten wie Dealer, Junkies oder gar Drogenbosse dazu befragen sollen.

    • Bo Beu am 14.03.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Widdewiddewitt... Ich mach mir die Welt so wie sie

      Guten Tag Walter, Bestreiten sie, dass Befangenheit besteht, wenn größtenteils diejenigen befragt werden, die fürchten müssen, dass ihre Umsätze einbrechen, wenn das natürliche Mittel freigeben wird? Hätte man nicht vielleicht auch Betroffene befragen sollen? Sind austherapierte Menschen, denen Cannabis die einzige Linderung bei unvorstellbaren Schmerzen verschafft, Junkies? Hätte man nicht auch Befürworter befragen sollen? Besten Gruß.

    • ludomir altmann am 16.03.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

      gleiche interessen

      drogenbosse und dealer sind sicher der gleichen meinung wie die pharmaunternehmen; auch sie verdienen millionen mit einer pflanze, die ohne probleme im schrebergarten zu ziehen wäre - wenn man dürfte. das dürfen aber schmerzpatienten nicht: sie müssen das cannabis entweder in der apotheke um mehrere hundert euro im monat erwerben - oder vom illegalen dealer an der strassenecke. das kann doch nicht der weiheit letzer schluss sein?

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  • hatti am 14.03.2019 05:03 Report Diesen Beitrag melden

    die österr. Drogenseuche

    generell verursachen die illegalen Drogen in Österreich den Bürgern einen volkswirtschaftl. Milliardenschaden im Jahr bei 0,00 Einnahmen (Verfahren/Gefängnis/Therapien/Drogenambulanzen/Arbeitsunfähigkeit.....), wenn er alleine schon bei den Zigaretten laut präsentierter Studie um die 665 Millionen im Jahr ausmachen soll und das trotz Einnahmen von ca. 2 MILLIARDEN im Jahr. Die Kinder/Jugendliche müssen geschützt werden, der Fahndungsdruck sollte massiv erhöht und der Verkauf streng bestraft werden - Geldstrafen ab 5.000. Kann doch nicht sein, dass das Land komplett mit Drogen überschwemmt wird

    • Bertl Kral am 14.03.2019 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      die österr. Drogenseuche

      verorte Ich an anderer, weit gefährlicher Stelle als das wirklich harmlose Cannabis. Heroin, Kokain sowie sämtliche synthesischen Drogen sind extrem gefährlich und MÜSSEN gnadenlos aus dem Verkehr gezogen werden ! Eine Freigabe für diese "weiche Droge" würde wie (weit gefährlichere) Alkohol sehr viel Geld in die Staatskasse spülen und zudem für eine gute Qualität sorgen. Zudem wären all die Dealer brotlos, und die Polizei könnte sich auf die gefährlicheren Drogen konzentrieren !

    • Bo Beu am 14.03.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Guten Tag, Könnten sie bitte differenzieren, inwiefern sich der volkswirtschaftliche Schaden auf Cannabis-Konsumenten zurückführen lässt und wie dieser den Kosten für repressive Verfolgung gegenüber steht? Würde mich wirklich interessieren, inwiefern diese Kosten das eigentliche, hier im Artikel behandelte Thema betreffen. Sie werfen verallgemeinernd alle Drogen in einen Topf. Dies ist vollkommen unangebracht, da die Auswirkungen in Sachen gesundheitlicher Schäden, Suchtpotential uvm vollkommen unterschiedlicher Natur sind. Wir reden hier immerhin von medizinischer Anwendung. Beste Grüße

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  • Sepp Berghofer am 13.03.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steira

    Schmeißt nicht immer Cannabis in den gleichen Topf wie diese miesen Synthetischen Drogen. Aufklärung und a bissl was lernen. G an alle.

    • Alles Legal am 17.03.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Legales Suchtmittel Alkohol

      Sachliche Diskussion wollen wir nicht. 8.000 Tote pro Jahr Die illegalen Drogen sind bei weitem nicht das größte Suchtproblem der Österreicher. Das zeigt ein Zahlenvergleich. 8.000 Menschen sterben pro Jahr in Österreich an den Folgen von Alkoholmissbrauch, 200 an den Folgen illegalen Drogenkonsums. Rund 100 Personen sterben unmittelbar nach einer reinen Alkoholvergiftung, 50 an einer reinen Opiatvergiftung. Edith Bachkönig, Ö1-Wissenschaft

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  • Rückschluss am 13.03.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Und man sieht es wieder...

    Rechts = Rückschritt, und das wird noch der Tod von Österreich, Links = Vortschritt, oder das Leben! ... merkts euch das Endlich!

  • Reefer Madness CSC am 13.03.2019 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt den Hanf frei!

    Warum muss man als Patient auf teilsynthetisches THC (Dronbinol, Sativex...) zurückgreifen der im Monat 700.- und mehr kostet und in denen der Wirkstoff in der Menge eines 50.- guten Weeds enthalten ist! Die AGES zieht Hanf (mehrere hundert Kilo), verkauft diesen an ein deutsches Pharmaunternehmen, deise strecken dann den Wirkstoff mit synthetischen Ramsch um das dann sauteuer an die Patienten zu vrkaufen (die KK zahlen NIX!).

    • Steffi am 14.03.2019 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Darum

      Weil bei synthetisierten Hanf die Regierungslieblinge(Pharmakonzerne) kassieren. Und somit auch unsere Regierungspolitiker(Parteispenden).

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