OECD-Bericht

23. Oktober 2018 14:25; Akt: 31.10.2018 16:01 Print

Bildungschancen bei uns besonders ungleich

In Österreich sind die Bildungschancen weniger gleich verteilt als in den meisten anderen Industriestaaten. Das hat die OECD festgestellt.

Symbolbild (Bild: iStock)

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Laut dem "Equity in Education" ("Chancengleichheit in der Bildung")-Bericht der OECD hat Österreich Nachholbedarf.

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Insgesamt 3002 Teilnehmer

Was heißt "Gleichheit der Bildungschancen"?

Die OECD stellt fest, wieviele Möglichkeiten Kinder und Erwachsene im Bildungssystem haben - je nachdem, aus welcher sozialen Schicht sie kommen.

Menschen mit weniger persönlichen, sozialen, finanziellen und kulturellen Ressourcen tun sich schwerer beim Erwerb von Bildung. Da spricht man auch viel von "bildungsfernen Schichten" und Eltern, die Kindern aufgrund von Geldknappheit nicht alles ermöglichen können.

Man kann sich das ganz banal so vorstellen: Kinder von Akademikern gehen eher auf die Uni als Kinder von Eltern mit Lehrabschluss oder Hilfsarbeitern.

Ergebnisse des Berichts

Die OECD hat die Bildungschancen in allen Industrienationen der Erde untersucht. Wirklich gleich sind die Chancen nirgendwo, überall entscheidet der soziale Hintergrund über den Bildungserfolg.

Zu welchem Grad das der Fall ist, ist aber unterschiedlich. Im Vergleich mit den anderen Ländern sind die Hürden für Kinder aus "bildungsfernen Schichten" hoch.

Sozialstatus

Wie definiert die OECD den "Sozialstatus" in diesem Bericht? Man schaute sich den höchsten Bildungsabschluss und den Beruf der Eltern an, fragte ob es einen Computer bzw. Breitbandanschluss im Haushalt gibt, wie viele Bücher es daheim gibt und ob eine Zeitung abonniert wird.

Schlechter in der Schule

Bei der PISA-Studie 2015 wurden hauptsächlich Naturwissenschaften abgefragt. Österreichische Schüler erreichten im Schnitt 495 Punkte. Kinder aus dem laut Sozialstatus untersten Viertel erreichten diese Punktzahl nicht, sie kamen auf 448 Punkte. Kinder aus dem obersten sozialen Viertel erreichten viel mehr, nämlich 545 Punkte.

Auch stellte die OECD fest, dass 16 Prozent der Leistungsunterschiede bei der PISA-Studie in Österreich allein durch den unterschiedlichen sozialen Status bedingt waren. Der Wert ist ähnlich wie in Deutschland, aber liegt drei Prozent über dem OECD-Schnitt von 13 Prozent. In Norwegen und Estland beträgt er nur 8 Prozent.

Das sagt die Politik

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sieht sich bestätigt. Er habe Schwerpunkte gesetzt, Benachteiligungen soll möglichst früh entgegengewirkt werden - eben bereits beim Übergang von Kindergarten in die Volksschule, wie er in einer Aussendung schreibt.

Die Opposition - in Gestalt von SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid - schlägt vor, einen "Chancenindex" für Schulen umzusetzen. 5.000 zusätzliche Lehrer in Brennpunktschulen wären hilfreich, sowie kostenlose Nachhilfeangebote in ganz Österreich.

Die Ungleichheit bei den Bildungschancen lasse sich auch durch einen raschen Ausbau der Ganztagsschulen vermindern, glaubt die SPÖ. Die NEOS sind ebenfalls dieser Meinung, der dortige Bildungssprecher Douglas Hoyos will mehr Geld in die Hand nehmen.

"Dass der soziale Status der Eltern immer noch eine wesentliche Rolle beim Bildungsweg der Kinder spielt, ist in einem Land wie Österreich nicht hinzunehmen", findet Liste-Pilz-Bildungssprecherin Stephanie Cox.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • onlinekiebitz am 23.10.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bildungschancen ? dazu ....

    .... gehört auch die lesefähigkeit - dem schlüssel für alle weitere bildung ! und da kann man nicht sagen es gäbe kein angbot ! man muß es nur nützen ! in unzähligen orten gibt`s eine leihbücherei ! lesen ist aller anfang vom aufstieg !

  • Gerlinde M am 23.10.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber faul

    Die meisten Lehrer in der NMS sind sehr motiviert, aber vielen Eltern der bildungsfernen Schichten ist es egal, wenn ihr Kind ein Leistungsverweigerer ist. Warum wohl?

  • Edith am 23.10.2018 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprache lernen

    Wenn von 100 Prozent der Schüler nur 1 Prozent deutsch sprechen, kann die Bildung nicht besser sein.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Ehklar am 24.10.2018 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Ich sehe da kein großes Problem. Bildung nur der Bildung wegen, war immer schon ein Luxus der im Leben nur gekostet hat und kaum belohnt wurde. Wichtiger ist eine ordentliche Ausbildung um im Leben vorwärts zu kommen. Je nach "Herkunft" und Umfeld kann ein Lehrberuf etwas hervorragendes sein. Kann eben nicht Jeder ein Arzt werden. Die Schulen sollten den Kindern lieber das Rüstzeug fürs Leben mitgeben. Eine ordentliche Mindestbildung auf die man aufbauen kann (man lernt sein ganzes Leben). Die Eltern sollten die persönlichen Fähigkeiten fördern und den Kindern Fleiß lehren.

  • Susanne am 24.10.2018 05:39 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss auch wollen

    Ich bin selbst Akademiker aus einer Arbeiterfamilie, meine Brüder haben einen Beruf erlernt. Niemand weiß besser, nur mit Fleiß kommt man weiter! Schulen und Uni sind gratis, fürs Leben bezog ich Studienbeihilfe. Die habe ich mittlerweile zig fach zurückbezahlt! Bildung muss man auch erwerben WOLLEN! Eltern müssen ihren Kindern zeigen, dass sie durch Bildung ein besseres Leben haben werden. Wenn die Schule und Bildung im Elternhaus nur schlecht gemacht wird, wird aus dem Sprössling nichts werden! Dort muss umgedacht werden, sonst ändert sich nichts.

  • Patriot5611 am 24.10.2018 02:40 Report Diesen Beitrag melden

    Heute glaubt ja jeder Schulabgänger, der

    den Satz: "Hey Alter, was geht ab" so halbwegs aussprechen kann, er sei ein "Deutsch-Genie". Und wenn 3 weniger 1 auch noch 1 ist (ohne dass zu viel Rest bleibt) ist er zudem auch noch ein "Mathematik - Genie"......

  • David Palmer am 23.10.2018 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Man vergisst dass Intelligenz auch vererbt wird. Der Sohn zweier Akademiker ist einfach intelligenter als der eines Ziegenhirten.

  • Suse am 23.10.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Manchmal..

    Manchmal frag man sich, wie wir, Kinder der 70er und 80er Jahre, einen Beruf erlernt haben. Meine Mutter war geschieden, wir waren zu dritt und trotz alldem haben wir alle einen höheren Abschluss. Die Devise war, Lerne, damit es dir später besser geht. Heute heisst es, Brauchst eh nix lernen, der Staat sorgt eh für dich.