"Hilft niemandem"

10. Januar 2019 11:11; Akt: 10.01.2019 13:38 Print

Bootcamps für Schüler? Experte zerreißt FPÖ-Plan

Wiens Vize Dominik Nepp (FPÖ) fordert Erziehungscamps für gewalttätige Schüler. Laut einem Bildungsexperten haben andere Länder schlechte Erfahrungen damit gemacht.

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Geht es nach Vizebürgermeister Dominik Nepp (FPÖ), soll an den Wiener Schulen bald ein anderer Wind wehen. Er fordert "Erziehungscamps für gewalttätige Problemschüler". Bei Polizeivorträgen und Gefängnisbesuchen soll den Jugendlichen aufgezeigt werden, welche Konsequenzen ihr Fehlverhalten haben kann.

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Weiter will Nepp für auffällige Schüler verpflichtende Sozialdienste in den Ferien, etwa in Spitälern oder Obdachlosenheimen.

Vernichtendes Urteil von Bildungs-Professor

Kein gutes Haar an diesen Vorschlägen lässt Stefan Hopmann, Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Auf Anfrage von "Heute.at" sagt er: "Es gibt solche Bootcamps in einigen Ländern." Dort, wo es schon länger Erfahrung und unabhängige Forschung dazu gebe – etwa in den USA, Kanada oder Australien – sei das Ergebnis jedoch deutlich.

"Bootcamps helfen weder den betroffenen Jugendlichen noch sonst jemandem""

Die Erziehungscamps trügen "wenig bis gar nichts" zur Resozialisierung bei, "sie helfen weder den betroffenen Jugendlichen noch sonst jemandem". Deswegen seien inzwischen viele dieser Einrichtungen zurecht wieder verschwunden.

Wesentlich effektiver und kostengünstiger sind laut dem Experten frühzeitige und nachhaltige Interventionen im Umfeld der gefährdeten Jugendlichen. "Dazu gehört insbesondere die Verhinderung von Kinder- und Jugendarmut sowie die Sicherung eines erfolgreichen Schulbesuchs durch zusätzliche Förderung."

Hopmann: Gewalt nimmt insgesamt ab

Hopmann verweist darauf, dass die Möglichkeit, Schüler zu sozialen Diensten zu verpflichten, im Jugendstrafrecht bereits besteht. "Aber auch das macht nur Sinn, wenn es Teil einer umfassenden, professionell betreuten Resozialisierungsstrategie ist." Außerdem entstünden dadurch Kosten, weil den Spitälern, Obdachlosenheimen oder anderen Trägern die Betreuungskosten für die "Hilfskräfte" ersetzt werden müssten. "Also auch hier gilt: Es gibt effektivere und kostengünstigere Maßnahmen im Lebensumfeld der Betreffenden selbst."

Der Experte hält fest: "Jeder Fall von Gewalt ist einer zuviel." Allerdings sieht er "jenseits medialer Aufgeregtheiten" keinen Hinweis darauf, dass es Österreich mit einem massiven Anstieg von Gewaltproblemen zu tun hätte. Im Gegenteil: Gesamtgesellschaftlich sei in den letzten Jahren eine deutliche Abnahme von Gewaltvergehen zu beobachten.

"Die geballten Probleme, die es gleichwohl an einigen Schulstandorten beziehungsweise Wohnumgebungen gibt, wären besser durch entsprechende Investitionen in diesen Schulen und Lebensumfeldern der Jugendlichen aufzufangen", so Hoppmann.

FPÖ-Gudenus prüft Sozialhilfe-Stopp

FPÖ-Mann Nepp begründete seine Forderungen mit den Übergriffen an Wiener Schulen, "wie sie in dieser Form der Brutalität traurige Neuheit" seien. "Messerstechereien, schwere Körperverletzungen, sexuelle Belästigungen – die angezeigten Delikte legen vor allem dar, dass wir es längst nicht mehr mit 'harmlosen' Fällen zu tun haben."

Neben den Schülern will er auch die Eltern in die Pflicht nehmen: Nepp schweben Erziehungskurse für Mütter und Väter, finanzielle Sanktionen oder gar der Entzug der Erziehungsberichtigung vor.

Sekundiert wird er von FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus. Dieser will prüfen lassen, ob Familien die Sozialhilfe gekürzt oder gestrichen wird, wenn ein Kind in der Schule wiederholt negativ auffällt.

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(mat/jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mitdenker 2.0 am 10.01.2019 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antiautritär

    Diese so genannten Experten argumentieren parteipolitisch zum Schaden der Kinder und zum Schaden der Bevölkerung!! Bestes Beispiel und das können sie her viele viele bestätigen.. Beim Bundesheer hatten wir anno dazumal auch solche Problemfälle.. nach 9 Monaten hatten sie begriffen was Verantwortung, Kameradschaft, Respekt und ein strukturierter Alltag bedeutet!! Antiautritär ist jämmerlich gescheitert! Gut zureden hilft nichts!

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  • Grantscherben am 10.01.2019 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Was soll man d NN wirklich machen? Es gibt junge Menschen, die haben null Respekt, lassen sich nichts sagen, sind unglaublich aggressiv! Man fühlt sich richtig machtlos ausgeliefert

  • PeterKarl am 10.01.2019 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe gerade im TV gesehen

    in China werden die Moslems umerzogen und die sind sogar glücklich dabei.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Bär am 11.01.2019 03:07 Report Diesen Beitrag melden

    Hopmann hopeless

    Der Bericht betont viel zu wenig dass Hopmann ein Genie ist. Man höre und staune: er ist Experte! Ein Experte ist fehlerlos;allerdings mit einer Ausnahme: Hopmann widerspricht sich selbst. Die diversen Camp-Staaten haben zwar negative Erfahrungen gemacht. Da meint man sie Haben sie Fragen haben dem Unsinn abgeschworen . . . aber hoppla, Hopmann, es GIBT diese Camps dort nach wie vor. Unbelehrbare rechte Dodeln www!

  • Skyrider am 10.01.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch!

    Wieder so ein "Experte"!!! ALLES ist schlecht - aber BESSERES hat dieser Experten-Professor auch nicht zu bieten! Es ist leicht und hirnlos, Vorschläge zu "zerreißen", wenn man selbst keine Alternative vorweisen muß!

  • Suse am 10.01.2019 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Manchmal frage ich mich ob diese rot grünen Experten schon mal auf einer Sozialabteilung gearbeitet haben. Sozialhilfen für Gebrauchsgenstände wie Kühlkombinationen um 900 Euro, Mobelix Mitarbeiter rufen an um Überweisung des Geldes für eingebaute Küchen, teure Böden usw in den Sozialwohnungen. Als Sozialarbeiter kommst zu gewisse Familien in die Wohnungen, Computer in jedem Zimmer, Flachbildfernseher, überall Bier, Schnaps, Redbull, drei versch Smartphones. Und das ganze eingehüllt in einer dichten Wolke aus Zigaretrenrauch, dazwischen im Nebel drei bis vier Kinder, vor dem Tv oder Computer sitzend. Und vor dem Wohnhaus meistens parken ein BMW, Audi etc

  • Sax am 10.01.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wie sollen diese Elternkurse aussehen. Mehrsprachig mit Dolmetscher. Ich Frage mich wirklich, wie solche Psychologen in Österreich das Wort führen dürfen. Die Jugendcamps beim Bundesheer zeigten gute Wirkung. Körperliche Betätigungen ist immer gut gegen Aggressivität. Ich habe viele Jahre schwererziehbare Jugendliche betreut. Konsequenz und ihnen eine Sicherheit geben, ist das Wichtigste. Jugendliche benötigen diese Orientierungshilfen bzw Vorgaben, Grenzen zu setzen und ein fester Rahmen. Diese Vorgaben und Rahmen bekommen sie nicht zu Hause, da könnens noch so viele Gespräche führen. Jugendarbeit am Lande, Feuerwehr usw. Die Zusammenarbeit wird gefördert. Warum ist die türkische Commnity in Wien so stark. Treffen in den Koranschulen usw.

  • Kodi am 10.01.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Als ich finds gut

    Sonst werden es die anderen Länder nicht schön Jahrzehntelang machen. Mir gehen übrigens auch diese selbsternannten Experten auf die Nerven.