Wählerstrom-Analyse

24. Juni 2019 17:18; Akt: 25.06.2019 09:33 Print

Wen Österreichs NSDAP-Mitglieder 1949 wählten

So spannend können Wählerstrom-Analysen sein: In einem interaktiven Tool kann man sich nun durchklicken.

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Das Institut SORA hat in Zusammenarbeit mit dem Haus der Geschichte Österreich und dem Parlament alle bisherigen Nationalratswahlen seit dem Ende der Monarchie analysiert.

Erstmals gibt es zu allen 26 Wahlen eine Wählerstrom-Analyse. Anhand der Daten kann man nun erstmals sehen, ob die ehemaligen NSDAP-Mitglieder Österreichs tatsächlich alle bei der FPÖ-Vorgängerpartei VdU (Verband der Unabhängigen) landeten, wie oft vermutet.

Die besondere Wahl 1949

Dazu müssen wir ins Jahr 1949 reisen. Erstmals trat damals der Verband der Unabhängigen (VdU, oder WdU - Wahlpartei der Unabhängigen) an.

Weitere Besonderheit: Es durften 940.000 Menschen mehr wählen als noch 1945. Diese Gruppe der ehemaligen Nicht-Wahlberechtigten bestand zur Hälfte aus Ex-NSDAP-Mitgliedern und zur anderen Hälfte aus Kriegsgefangenen und Flüchtlingen, die seit 1945 eingebürgert wurden.

Wohin gingen die ehemaligen Nicht-Wahlberechtigten also bei ihrer ersten Wahl? Die Wählerstrom-Analyse zeigt, dass sie sich zu jeweils einem Drittel auf VdU (24 Prozent), ÖVP (31 Prozent) und SPÖ (31 Prozent) aufteilten.

Man sieht, eine sehr inhomogene Wählergruppe. Also fragen wir umgekehrt: Wer wählte 1949 den erstmals antretenden Verband der Unabhängigen (VdU)? Bestanden deren Wähler nur aus früheren Nicht-Wahlberechtigten, womöglich NSDAPlern? Mitnichten. Nur knapp die Hälfte (47 Prozent) der VdU-Wähler waren ehemalige Nicht-Wahlberechtigte. Der Rest kam zu etwa gleichen Teilen (18, 17 und 16 Prozent) von SPÖ, ÖVP und Menschen, die 1949 nicht zur Wahl gegangen waren.

Woher kamen die ersten FPÖ-Wähler?

Zeitsprung ins Jahr 1956. Da trat statt dem VdU erstmals die FPÖ an. Und die Grafik zeigt: Die Stimmen der FPÖ kommen zum Großteil von den ehemaligen VdU-Wählern. 82 Prozent der FPÖ-Stimmen kamen damals vom VdU.

Was aber nicht heißt, dass alle VdU-Wähler geschlossen zur FPÖ wanderten. Vielmehr entschied sich nur die Hälfte weiterhin, für das "dritte Lager" zu stimmen. Ein Drittel (30 Prozent) ging auch zur ÖVP, sieben Prozent zur SPÖ.

Das ist mit der damaligen Wahlkampagne zu erklären: Sowohl ÖVP als auch SPÖ warben damals um die ehemaligen NSDAP-Mitglieder in Österreich. Die ÖVP war dabei offenbar erfolgreicher.

Größter Wählerstrom

In der jüngeren Vergangenheit haben die Daten-Massen einen Rekord zu bieten. Den größten Wählerstrom den es jemals gab. Diesen gab es von 1999 auf 2002. Nach der Parteispaltung der FPÖ in Knittelfeld und dem Ende der ersten schwarz-blauen Koalition verlor die FPÖ zwei Drittel ihrer Wähler.

Die Hälfte aller FPÖ-Wähler ging geschlossen zur ÖVP. Unglaubliche 630.000 Stimmen: ein Rekord mit großem Abstand.

Noch dazu ging jeder achte FPÖ-Wähler von 1999 drei Jahre später zur SPÖ. Insgesamt bekam die FPÖ 753.000 Stimmen weniger als 1999.

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(csc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Statistiker am 24.06.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wählerstromanalyse

    Und nicht vergessen, die meisten SS-ler fanden in der SPÖ eine neue Heimat, die auch Sozialisten waren, da sie sich dort den größten Schutz erhofften und auch erhielten.

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  • man am 24.06.2019 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Maß?

    Wieso darf "heute" den Führer abbilden? Wenn das ein Normalbürger macht, wird er angezeigt...

  • Benni am 25.06.2019 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    und jetzt

    werden alle untreuen, der fpö den rücken kehren und den konzernkanzler kurz wählen, na prost mahlzeit das kann was werden

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Hari am 25.06.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Volksabstimmung

    Deshalb nie mehr Kriegswaffen wie Panzer Kanonen u. ABFANGjäger um Milliarden mit dem Steuergeld d. Bürger für das neutrale Minild.Ö kaufen, da diese Waffen nur Unheil anrichten u. auch keine Teilnahme bei der Euroarmee; Volksabst. dazu sollte gemacht werden

  • Benni am 25.06.2019 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    und jetzt

    werden alle untreuen, der fpö den rücken kehren und den konzernkanzler kurz wählen, na prost mahlzeit das kann was werden

    • Censorship am 26.06.2019 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Benni

      ALLES, wirklich ALLES ist besser, als eine AKP 2.0 (SPÖ), Grüninnen, oder NEOs Regierungsbeteiligung.... Die AKP 2.0 interessiert sich nur mehr für ihre Neuwähler, die Grüninnen einerseits für ihre Hardcore Feministinnen, auf der anderen Seite für Steinzeitkulturen und die NEOs wollen den Mieter-, Arbeitnehmerschutz aufweichen und haben als weiteres Ziel die Zerschlagung des Staates Österreich (kein Scherz, wer die Aufhebung der Neutralität verlangt, fordert die Zerschlagung Österreichs)...

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  • Hans Hanf am 25.06.2019 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Frsgen gibts...

    Wo wollen Sie den Führer denn gerne "abbilden"?

    • Wk am 25.06.2019 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hans Hanf

      Was ist das für eine verfehlte Frage?

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  • Eh ein Wunder, dass die FPÖ noch 22% hat am 24.06.2019 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Es blitzt! Der Geistesblitz blitzt

    Ein besonders markanter Geistesblitz ist die "Analyse" des FPÖ-Zusammenbruchs bei der Wahl 2002 ### Man versucht zu suggerieren, Haiders Knittelfeld-Pauseneinlage sei die Ursache des Verlustes von 2/3 der FPÖ-Stimmen gewesen. Sonderschülerhaft werden Ursache und Wirkung verwechselt. ### Der Fehler passierte 2 Jahre vorher, als Haider mit einer unzurechnungsfähigen Muppet-Truppe die Wahnsinnskoalition mit Schüssel einging. Doch 2017 erfolgte dann die Steigerung ins vollends Groteske: der heillos intellektuell überforderte Zahnschleifer machte den gleichen Kardinalfehler noch einmal.

    • Anti Links am 24.06.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eh ein Wunder, dass die FPÖ noch 22% hat

      Ein Land in dem es tatsächlich möglich war, dass sich ein Taxler wie Faygmann unglaubliche 8 Jahre als Kanzler und ein Alkoholiker wie Häupl noch länger als Bürgermeister seiner Hauptstadt bezeichnen konnte, hat wahrlich größere Probleme als Haider oder Straches Personalauswahl.

    • Tom am 24.06.2019 23:11 Report Diesen Beitrag melden

      Lustig...,.

      Ist das eine "Belangsendung" rot/grüner Fieberträume?

    • realisthoch3 am 25.06.2019 06:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Anti Links

      Endlich mal ein perfektes Posting mit Fakten!

    • LupoVino am 25.06.2019 11:08 Report Diesen Beitrag melden

      Im Gegensatz

      zum Bumsti-Schulabbrecher, der weiter auf Parteikosten vulgo Steuerzahlerkoster sauft und blöd redet, geht der Faymann einer Arbeit nach und verdient sich seine Brötchen selber. Übrigens hat der Häupl im Gegensatz zu den besoffenen Blaunen sein Leben lang nicht soviel Blödsinn geredet ( hat wohl nicht so viel gesoffen, wie die Ibizadoddeln ). Und wenns schon auf die Bildung ansprechen - der kurze Ohrwaschlkaktus hat auch nicht mehr Bildung als der Faymann ! Der Unterschied besteht nur darin, daß Basti sich von der Wirtschaft kaufen läßt.

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  • Statistiker am 24.06.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wählerstromanalyse

    Und nicht vergessen, die meisten SS-ler fanden in der SPÖ eine neue Heimat, die auch Sozialisten waren, da sie sich dort den größten Schutz erhofften und auch erhielten.

    • Thomas E. am 25.06.2019 02:13 Report Diesen Beitrag melden

      @ Statistiker

      Die VdU und danach die FPÖ war und ist die Zentrale der Rechtsrechten, steht sogar so in dem Artikel.

    • Korbi am 25.06.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Statistiker

      falsch, die FPÖ ist nachweislich aus diesen Personen gegründet worden

    • Kritischer Geist am 25.06.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas E., @Korbi

      Wer vor 70 Jahren wen gewählt hat, ist heutzutage völlig belanglos und sagt nicht das geringste über die politische Verortung der Parteien aus. Kritisieren Sie beide überigens auch, dass mit der Linken immer noch jene Partei im deutschen Bundesrat sitzt, die als SED über 50 Jahre eine kommunistische Diktatur dominierte? Oder wird die mit anderen Maßstäben gemessen, ganz nach dem Motto: links ist gut, rechts ist schlecht?

    • Statistiker am 25.06.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas E.

      Ich sprach nicht von Angehörigen der NSD.., sondern der SS.

    • Leo King am 25.06.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Korbi

      Kreiski hat nachweislich die meisten in sein Kabinett aufgenommen, was hier wieder geflissentlich verschwiegen wird. Die heutigen internationalen "Sozialisten" stehen verwandtschaftlich am nächsten zu den damaligen National-"Sozialisten".

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