Antisemitismus-Studie

10. Dezember 2018 13:03; Akt: 10.12.2018 14:00 Print

Jeder dritte Jude hat überlegt, auszuwandern

Auch mehr als 70 Jahre nach dem Holocaust sind europäische Juden in ihrem Alltag mit Antisemitismus konfrontiert.

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Vandalismus, Beleidigungen, Drohungen und Gewaltverbrechen machten ein sorgenfreies jüdisches Leben in der EU unmöglich, so das Fazit des zweiten Antisemitismus-Berichts der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA), der am Montag in Brüssel vorgestellt wurde.

Umfrage
Wird Antisemitismus als Problem ernst genug genommen?
15 %
32 %
43 %
10 %
Insgesamt 653 Teilnehmer

Im Jahr 2012 war die erste Antisemitismus-Erhebung der Grundrechteagentur durchgeführt worden, allerdings noch ohne Daten aus Österreich. Seit damals habe der Judenhass für 89 Prozent der Befragten zugenommen – eines der markantesten Ergebnisse der Studie.

Normalisierung

Besonders traurig: Laut Studienautoren gebe es insgesamt "starke Anzeichen für eine Normalisierung des Antisemitismus". Das bedeute, dass manche Vorfälle gar nicht mehr als judenfeindlich wahrgenommen würden, weil sie so oft zu beobachten seien. "Die Studienergebnisse legen nahe, dass Antisemitismus die öffentliche Sphäre durchdringt, wodurch negative Stereotype gegenüber Juden reproduziert und verfestigt werden. Jüdisch zu sein allein erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit, mit einer Reihe von negativen Erlebnissen konfrontiert zu sein", heißt es in dem Bericht.

Weitere Ergebnisse:

  • 85% der Befragten (aus Österreich: 69%) sind der Ansicht, dass Antisemitismus das dringendste Problem in den befragten Mitgliedstaaten sei.

  • 89% der Befragten (aus Österreich: rund 80%) sind der Ansicht, dass der Antisemitismus in den letzten fünf Jahren zugenommen habe.

  • 72% der Befragten (aus Österreich: 69%) ist besorgt darüber, dass die Intoleranz gegenüber Moslems zugenommen habe.

  • Die meisten der Befragten gaben an, dass sie regelmäßig ablehnenden Äußerungen gegenüber Juden/Jüdinnen ausgesetzt seien.

  • 47% der Befragten sorgten sich, Opfer von antisemitischer Beleidigung oder Bedrohung zu werden.

  • über 34% der Befragten (aus Österreich: 25%) vermeiden jüdische Veranstaltungen oder Orte v, weil sie sich nicht sicher fühlten.

  • Mehr als 1/3 der Befragten habe in Erwägung gezogen zu emigrieren.

  • 70% der Befragten erachteten die Bemühungen ihrer Regierungen zur Bekämpfung des Antisemitismus nicht als effektiv , allerdings 54% der Befragten beurteilten die Sicherheitsvorkehrungen für die jüdische Bevölkerung positiv.

  • Mehr als 1/3 der Befragten gaben an, innerhalb der letzten fünf Jahre vor ihrer Befragung antisemitischer Bedrohung, meist verbaler Natur (aus Österreich: mehr als 61%), ausgesetzt gewesen zu sein.

  • 79% dieser Bedrohten hätten die Vorfälle jedoch nicht der Polizei gemeldet.

  • 3% der Befragten seien innerhalb der letzten fünf Jahre vor ihrer Befragung persönlich physisch attackiert worden, 2% innerhalb der letzten 12 Monate.

  • 4% der Befragten seien innerhalb der letzten fünf Jahre vor ihrer Befragung Vandalismusopfer geworden, 2% innerhalb der letzten 12 Monate.

  • 11% der Befragten gaben an, innerhalb der letzten 12 Monate wegen ihres Judentums diskriminiert worden zu sein,
  • 77% dieser Diskriminierungsopfer hätten die Vorfälle jedoch nicht rechtlich weiterverfolgt.

  • Die Mehrheit der Befragten (aus Österreich: 78% bzw. 89% bzw. 79% - je nach Bereich der Diskriminierung) gaben an, über die Anti-Diskriminierungs-Gesetze Bescheid zu wissen, bzw dass ihnen Opferschutz-Organisationen bekannt seien.
  • Der Bericht beruht auf Befragungen von Menschen über 16 Jahren, die sich selbst als Juden/Jüdinnen betrachten, in 12 EU-Mitgliedstaaten im Mai und im Juni 2018, darunter Österreich.

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    (red)

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    • MIRI am 10.12.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Lächeln

      72% der österreichischen jüdischen bevölkerung sind besorgt weil die intoleranz gegenüber muslimen zugenommen hat? also wenn ich alles glaube(n muss), aber diese aussage kostet mir nur ein lächeln. das kann ich nicht glauben.

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    • Martin am 10.12.2018 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Irgendwie,

      fehlen mir hier die Fallbeispiele für Bevölkerungsgruppen, gibt es für mehrere Bevölkerungsgruppen Umfragen? Ist das nur eine Befragung? Wenn ja ist das doch nur einseitig...

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    • Jazzi Mario am 10.12.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Die sollten mal überlegen was alleine seit 2015 illegal an Muslimen die ja nicht gerade Freunde der Juden sind nach Österreich gekommen sind.Aber schimpfen über die FPÖ Könnens bestens also liebe Freunde des jüdischen Glaubens bedankt euch bei eurer ach so lieben nicht mehr Wählbaren roten Partei die und nur die sind der Grund warum es euch nicht mehr so gut geht in Österreich, denn der richtige Österreicher selbst hat mit euch kein Problem (und ja es gibt auch sicher ein paar Ausnahmen)

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    Die neuesten Leser-Kommentare

    • Eberhard Ultra am 12.12.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      Wie viele tatsächliche Auswanderer ?

      "Jeder dritte Jude hat überlegt, auszuwandern." Wie viele sind dann tatsächlich ausgewandert? Und aus welchem Grund? Nur diese Zahl könnte Aufschluss geben.

    • helmar am 10.12.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

      Bin ich Antisemit und "Judenhasser"

      Wenn ich der Meinung bin dass das österreichische Bundestierschutzgesetz auch für Juden und Muslime zu gelten hat. Und Schächtung erst nach der Betäubung des Tieres erlaubt sein soll?...Ansonsten ist mir ziemlich egal an was Menschen glauben. Aber ich habe was dagegen dass Tiere unnötig gequält werden.

      • Censorship am 11.12.2018 09:25 Report Diesen Beitrag melden

        @helmar, ja sind sie....

        Nein, sie sind nur blind. Sie werfen eine Religion, welche 1700 auf österreichischen Gebiet nachgewiesen ist, mit einer aggressiven Religion in einen Topf, welche seit 30 Jahren versucht archaische Riten zu etablieren und dies in den eigenen Ländern, anderen Religionen verbietet... Und so tarnt sich der Antisemitismus mit "Aufklärung" und "Demokratie"....

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    • Merowinger am 10.12.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Shalom

      Mehr Frieden praktizieren, weil Kritik an der Außenpolitik auch künftig nicht mit Anti-Semitismus gleich gesetzt werden kann. Schade, dass Leute wie Broder zu dem Thema keine Meinung haben. Dabei hat er in "Der ewige Antisemit" schon alles gesagt.

    • Kannitverstan am 10.12.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Auswanderungsgedanken?

      Wenn da als Grund der Antisemitismus angegeben wird, sollte man auch überlegen ein Wort zu finden das die Ablehnung der einheimischen Bevölkerung durch Migranten bezeichnet. Diese Form der Ablehnung macht sich nämlich schon dort bemerkbar, wo der Österreicher fast in der Minderheit ist. Auch ist ein gewaltiger Unterschied in den Bundesländern zwischen den Bezirken. Eklatant bemerkbar, würde man den Bezirk Gmunden und den Bezirk Brigittenau vergleichen.

    • Wiener am 10.12.2018 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist nimmer schön

      Bedauerlicherweise ist bereits Kritik an der Politik Israels antismetisch. Die jüdische Kippa wird von der Frage in Hinblick auf Kopfbedeckungen - wohl aus Rücksicht - ausgenommen. Und viele jüdische Mitbürger fühlen sich durch "Islamkritik" bedroht? Da bin ich wirklich etwas verwirrt und muss in mich gehen ... Im übrigen gilt auch hier - trauen sie keiner Umfrage, die sich nicht gefälscht haben.