80. Jahrestag

02. April 2018 13:54; Akt: 02.04.2018 14:08 Print

Katholiken erinnern an Transporte ins KZ Dachau

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände Österreichs (AKV) erinnerte anlässlich des 80. Jahrestages des ersten Österreicher-Transportes in das KZ Dachau, der sich an diesem Oster-Wochenende jährte, der Opfer dieses schrecklichen Geschehens.

Der Stracheldrahtzaun des ehemaligen NS-Vernichtungslagers Auschwitz in Polen. (Bild: picturedesk.com)

Der Stracheldrahtzaun des ehemaligen NS-Vernichtungslagers Auschwitz in Polen. (Bild: picturedesk.com)

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"Viele Mitglieder aus den katholisch-korporierten österreichischen Studentenverbänden (CV, KV, MKV, Katholische Landsmannschaften) gehörten zu den ersten Gefangenen des NS-Terrorregimes.“, stellte dazu AKV-Präsident Staatssekretär Helmut Kukacka fest.

„Prominententransport“
Von den Nationalsozialisten wurde dafür der verhöhnende Begriff „Prominententransport“ geprägt, als am 1. April 1938 österreichische Gefangene, meist Prominente, von Wien in das KZ Dachau gebracht wurden.

Diese erste Gruppe von 151 Personen bestand aus bekannten Politikern und Gegnern des nationalsozialistischen Regimes. Von diesen waren weit über ein Drittel, nämlich 63 Personen, Juden, ca. ein Drittel waren Anhänger des „Ständestaates“, wobei sich diese ungefähr je zur Hälfte auf politische Funktionäre und auf Polizei- und Justizfunktionäre aufteilten; etwa jeweils zehn Prozent entfielen auf Sozialisten und Kommunisten.

Unter den Politikern der bürgerlichen Seite waren die Mitglieder katholischer Verbände überdurchschnittlich vertreten. Zu den prominentesten gehörte Leopold Figl, vor 1938 niederösterreichischer Bauernbunddirektor, und Alfons Gorbach, vor 1938 steirischer Landesführer der Vaterländischen Front, sowie deren Propagandaleiter Fritz Bock, nachmaliger Handelsminister und Vizekanzler, der Landeshauptmann von Niederösterreich Josef Reither und der Bürgermeister von Wien Richard Schmitz.

Auch Landeshauptleute kamen ins Lager
Dem ersten Dachau-Transport folgten bald weitere: am 24. Mai kam ein aus Juden, „Vaterländischen“ und Linken zusammengesetzter Transport mit 170 Personen, darunter die Landeshauptmänner von Oberösterreich und Burgenland, Heinrich Gleißner und Hans Sylvester (am 19. Jänner 1939 im KZ Dachau verstorben), oder der spätere ÖVP-Nationalratspräsident Felix Hurdes. Am 17. Juni 1938 wurde der spätere ÖVP-Nationalratspräsident Alfred Maleta, am 22. April 1939 Karl Maria Stepan, vormaliger Landeshauptmann der Steiermark, eingeliefert.

Zu den ersten österreichischen Häftlingen im KZ Dachau gehörten auch die Söhne des 1914 erschossenen Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand, (Herzog) Max und Ernst (von) Hohenberg, beide entschiedene NS-Gegner.

Obwohl politische Diskussionen im KZ strengstens verboten waren, kam es bald zu Gesprächen zwischen den inhaftierten Österreichern der verschiedenen politischen Lager. Die Zusammenarbeit der einst bis zum Bürgerkrieg verfeindeten Sozialdemokraten und Bürgerlichen hatte im „Geist der Lagerstraße“ und im gemeinsam erfahrenen Leid ihre Wurzeln.

Figl entkam Hinrichtung
Aus diesem Geist heraus war es für viele dieser KZ-Insassen – an der Spitze Leopold Figl, der nur ganz knapp vor Kriegsende der Hinrichtung entkam – eine patriotische Selbstverständlichkeit am Wiederaufbau eines demokratischen Österreichs mitzuwirken.

„Die hohe Anzahl an katholisch-korporierten Gefangenen des „Dachauer-Prominententransportes“ zeigt mit aller Deutlichkeit, dass auch Katholisch-Korporierte und andere Vertreter des katholischen Lagers zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus gehörten“, stellt der AKV-Präsident fest.

Insgesamt kamen 26 Mitglieder katholisch-korporierter Verbände gewaltsam in den Lagern und Gefängnissen des NS-Regimes zu Tode. Mindestens 415 Mitglieder (die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen) wurden im Dritten Reich verfolgt und mehrere Hundert verloren ihre Berufsstellung nach der NS-Machtübernahme und standen mittellos da.

„Dieser Widerstand gegen die unmenschliche NS-Diktatur und ihr Kampf für ein freies und demokratisches Österreich darf nicht vergessen werden. Das Andenken daran muss uns bleibender Auftrag und Verpflichtung für die Zukunft sein. Wir haben aus der Geschichte gelernt“, schloss Kukacka.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salomon am 02.04.2018 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt und heute geschieht Geschichte

    Hört auf mit den pseudomoralischen Gedenkveranstaltungen der Vergangenheit. Ihr nehmt die Gegenwart dadurch nicht wahr, redet sie schön und seht gar nicht welche realen Katastrophen in Europa auf uns zukommen! Wir müssen jetzt für ein freies, demokratisches Europa alles tun. Denn sonst werden in 80 Jahren unsere Kindeskinder an den Gedenkveranstaltungen der Jetztzeit Kerzerln anzünden müssen.

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  • Leo King am 02.04.2018 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrechen der Röm. Kirche

    Wann erinnern wir uns endlich an die 200 Millionen Toten, die in den letzten Jahrhunderten durch Katholiken ermordet wurden? Waldenser, Husseiten, Calvinisten, Protestanten usw., die auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder anders umgebracht worden sind?

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  • Pferdedieb Banusch am 02.04.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grausame Vergangenheit

    Warum so wenig Kommentare?Wo sind falschen Patrioten?Ich hoffe es soll sich nie wiederholen egal welche ethnische oder religiöse Volk. Ich wünsche keinem schrecklichen Tod.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Pferdedieb Banusch am 02.04.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grausame Vergangenheit

    Warum so wenig Kommentare?Wo sind falschen Patrioten?Ich hoffe es soll sich nie wiederholen egal welche ethnische oder religiöse Volk. Ich wünsche keinem schrecklichen Tod.

    • ehklar am 03.04.2018 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pferdedieb Banusch

      Die ganze Menschheitsgeschichte ist grausam. Die Völker der Welt sollten daraus lernen. Diese Saat soll nicht aufgehen! UND es sollten auch keine künftigen Probleme geschaffen werden! Wie zB der Migrationsirrsinn.

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  • Leo King am 02.04.2018 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrechen der Röm. Kirche

    Wann erinnern wir uns endlich an die 200 Millionen Toten, die in den letzten Jahrhunderten durch Katholiken ermordet wurden? Waldenser, Husseiten, Calvinisten, Protestanten usw., die auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder anders umgebracht worden sind?

    • Bimbo am 03.04.2018 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Verschwiegen wird das

      Dagegen ist der andere Holocaust ein Lercherl der Geschichte. Nur ein geliebter Vorspann der Politik, eine Argumentationsprothese für gewisse Kreise.

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  • Salomon am 02.04.2018 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt und heute geschieht Geschichte

    Hört auf mit den pseudomoralischen Gedenkveranstaltungen der Vergangenheit. Ihr nehmt die Gegenwart dadurch nicht wahr, redet sie schön und seht gar nicht welche realen Katastrophen in Europa auf uns zukommen! Wir müssen jetzt für ein freies, demokratisches Europa alles tun. Denn sonst werden in 80 Jahren unsere Kindeskinder an den Gedenkveranstaltungen der Jetztzeit Kerzerln anzünden müssen.

    • murksi am 02.04.2018 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      Unglaublich

      Kann das Bitte endlich mal aufhören? Das ewige mahnen und gedenken,was in der Vergangenheit war,das darf ja nicht mehr wahr sein,die Generation von heute hat überhaupt nichts mehr damit zu tun,das ist vorbei...was soll der mahnende Finger andauernd?Die ewigen Mahner sollen mal eine Ruhe geben!

    • Penelope am 03.04.2018 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Murksi

      Besonders wo es den Personen mit erhobenem Zeigefinger gar nicht um die Sache geht sondern lediglich darum von den eigenen Missetaten abzulenken... interessanter Weise gibt es ja bei der dubiosen Familiengeschichte eines gewissen Ex-Grünlings laut ORF "keine Sippenhaftung", die gibt es scheinbar nur für den einfachen Bürger in Form der ewigen Erbschuld... aber wir sind ja alle gleich ;)

    • murksi am 03.04.2018 18:03 Report Diesen Beitrag melden

      Penelope

      Genauso ist es ! Ja....wir sind alle gleich,nur manche sind ein bisschen gleicher...und vor denen müssen wir uns in Acht nehmen!

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