In Kärnten

11. Februar 2019 09:13; Akt: 11.02.2019 09:13 Print

Aufregung um Arabisch in Volksschul-Malheften

"Bildungspolitischer Nonsens" – Weil die Texte neben Deutsch und Slowenisch auch in Arabisch verfasst sind, schießen in Kärnten ÖVP und FPÖ scharf gegen ein Malheft für Kinder.

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In Österreichs südlichstem Bundesland erhitzen sich die (politischen) Gemüter. Grund der Aufregung: ein Malheft für Volksschulkinder über das Klima, dessen Texte in drei Sprachen verfasst sind – Deutsch, Slowenisch und Arabisch. Das berichtet der "Kurier" am Montag.

Während Slowenisch als Sprache der einheimischen Minderheit akzeptiert ist, laufe die Freiheitlichen jetzt gegen die Einbindung des Arabischen Sturm. "Kärntens Integrationspolitik befindet sich am Irrweg", wettert etwa FPÖ-Landesparteiobmann Gernot Darmann in einer Aussendung und nennt das eine "Geldverschwendung", "Zwangsbeglückung" und "bildungspolitischen Nonsens", der "Parallelgesellschaften" entstehen lasse.

"... dann sollen sie zuerst Deutsch lernen!"

"Wiederholt zeigt die SPÖ ihre Unwissenheit in Sachen Integration", echauffiert sich auch Obmann Roman Linder des Rings Freiheitlicher Jugend Kärntens über das "Unsinns-Heft" und fragt: "Wo soll der Anreiz für ein arabischsprachiges Kind zum Erlernen der deutschen Sprache liegen, wenn man ihm alles in seiner Muttersprache vorlegt?" Kinder, die etwas über den Klimaschutz wissen wollen, sollen zuerst Deutsch lernen, so Linder abschließend.

Ähnlich sieht das die ÖVP Kärnten: "Die Volksschule ist dafür da, dass alle Kinder Deutsch lernen, auch jene mit Migrationshintergrund", so Bildungssprecher Herbert Gaggl. Sprache sei ein wesentlicher Teil der Integration und "in Kärnten ist dies die deutsche Sprache".

Warum Arabisch?

Initiatorin und Umwelt-Landesrätin Sara Schaar (SPÖ) kann die türkis-blaue Erregung über die Heftchen, die sich um Abfallvermeidung, Einkauf gesunder, saisonaler Lebensmittel und Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil drehen, nicht nachvollziehen.

Die Aktion laufe – in textloser Form – zudem bereits seit sechs Jahren und werde von Schulen und Kindern gut angenommen. Auch von einer "Zwangsbeglückung" kann keine Rede sein, denn die Malhefte sind nur auf Bestellung kostenlos erhältlich, erklärt Schaar. Und: Konkret gehe es um eine Auflage von 1.500 Stück, die das Kärntner Budget nur mit rund 300 Euro belastet hätten.

Hinter dem günstigen Preis versteckt sich auch der Grund für die Aufregung. Denn 90 Prozent der Summe, also etwa 2.700 Euro, wurden durch das Projekt "Change the Power – (Em)power to change" kofinanziert. Die Teilnahmebedingung dafür seien mehrsprachige Text gewesen. Auch hätte eine "kulturell untypische Sprache" inkludiert werden müssen, erklärt Schaar laut "Kurier". Da in Folge der Migration viele Kinder mit arabischer Muttersprache ins Land gekommen seien, habe man sich eben, neben Deutsch und Slowenisch, dafür entschieden.

"Bereits in früher Kindheit wird späteres Verhalten geprägt. Deshalb kann nicht früh genug damit begonnen werden, Kinder für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu sensibilisieren", führt die Umwelt-Landesrätin aus.. Mit der dreisprachigen Ausgabe wolle man die "Völkerverständigung fördern" und auch "Familien mit Migrationshintergrund über deren Kinder unsere Werte im Umwelt- und Klimaschutz" vermitteln.

"Gesamte Gesellschaft profitiert"

Auf türkis-blauer Bundesebene bzw. im ÖVP-geführten Unterrichtsministerium stößt man sich, im Gegensatz zu den Landesparteien, nicht an den Sprachen der Malheftchen. Muttersprachlicher Unterricht stelle "ein wichtiges pädagogisches Angebot für mehrsprachige Schüler dar", heißt es aus dem Büro von Bildungsminister Heinz Faßmann laut "Kurier". Es sei durchaus "sinnvoll, die in der Familie erworbene(n) Sprache(n) auch in der Schule weiterzuentwickeln". Profitieren würden davon nicht nur die einzelnen Kinder, "sondern die gesamte Gesellschaft".

Während im Kärntner Landtag noch hitzig über die Umwelt-Malhefte diskutiert wird, freut man sich an den Schulen offensichtlich darüber. Während die 1.500 Stück in der Vergangenheit fast für das gesamte Jahr reichte, war die aktuelle Auflage bereits nach drei Tagen vergriffen.

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(rcp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EUsebius am 11.02.2019 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    irgendwas stimmt nicht

    das endet in anarchie, wenn das so weiter geht. jeden tag solche anbiederungsversuche. rückgrat bitte !

  • Emil S. am 11.02.2019 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder u Eltern

    Die sollen alle zuerst Deutsch lernen,plus den Eltern und Großeltern. Die wollen ja integriert werden, dann müssen Sie auch was dazu beitragen.

    einklappen einklappen
  • D. Benz am 11.02.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Heimat auf dem Prüfstand.

    Willkommen in der neuen (europäischen) Welt. Schritt für Schritt wird unsere Sprache und unsere Kultur demontiert und als nützlich deklariert...

Die neuesten Leser-Kommentare

  • 1002Himmelszelt am 12.02.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Entweder - oder

    Was wollen diese Leute? Wenn sie in Ö. bleiben wollen, sollen sie sich gefälligst in allem europäisieren und deutsch lernen. Wenn nicht, und sie wieder ausreisen wollen - bitte gleich.

    • Demokrat am 12.02.2019 22:51 Report Diesen Beitrag melden

      Umschauen hilft

      Irgendwie scheinen Leute wie sie noch nicht begriffen zu haben das wir in einer vernetzten Globalisierten Welt leben?

    einklappen einklappen
  • zimbo am 12.02.2019 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder erdenkliche Möglichkeit wird genut

    Den Linken muss man genau auf die Finger schauen.Man wird viele auch an der Krätze erkennen.

  • Warum am 11.02.2019 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    versteht man das dann als gelungene Integration? Die Idee dazu kann nur im benebelten Zustand entstanden sein.

  • Nebbichklopfer am 11.02.2019 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aupladdlt

    Ich nehme einmal frank und frei an, daß diese Bedingung eh sehr recht gekommen ist.

  • Como am 11.02.2019 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Stellungnahmen bitte!

    Herr LH Kaiser, Fr. Rendi-Wagner - bitte um Stellungnahme. Übernimmt Kärnten die Politik der Wiener SPÖ?