Gesetzesentwurf

07. Mai 2019 10:50; Akt: 08.05.2019 16:42 Print

Lehrlinge sollen künftig weniger arbeiten müssen

Um die Lehre attraktiver zu machen, beschloss der Ministerrat am Mittwoch eine Novelle zum Berufsausbildungsgesetz.

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Die Lehre soll attraktiver werden - dazu überarbeitet Wirtschaftsministerin Gabriele Schramböck (ÖVP) das Berufsausbildungsgesetz. Diese Tage ging ein Entwurf in Begutachtung, der unter anderem vorsieht, dass jede Lehrausbildung künftig mindestens alle fünf Jahre aktualisiert und an neue wirtschaftliche Gegebenheiten angepasst wird. Am Mittwoch wurde die Novelle im Ministerrat beschlossen.

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Arbeitszeit und Entlohnung

Für Lehrlinge mit Kindern und Betreuungspflichten dürfte sich hier eine willkommene Änderung einstellen: Eine reduzierte Arbeitszeit soll künftig - bei verlängerter Lehre - möglich sein. Nach einer berufsbildenden Schule eine artverwandte Lehre abzuschließen, soll ebenfalls leichter werden.

Was die Entlohnung betrifft, sind bisher nur sprachliche Erneuerungen bekannt. Statt der "Lehrlingsentschädigung" gibt es künftig ein "Lehrlingseinkommen", statt einer "Verwendung" von Lehrlingen eine "Beschäftigung". Laut Schramböck würden "Begriffe wie 'Lehrlingsentschädigung' oder 'Verwendung von Lehrlingen'" der Lehre nicht den Stellenwert beimessen, "den sie haben sollte. Lehrlinge sind wertvolle Fachkräfte".

Überbetriebliche Lehrausbildung

Die überbetriebliche Lehrausbildung soll inhaltlich mit der Ausbildung in Betrieben verzahnt werden. Das soll Jugendlichen, die in keiner Firma einen Platz fanden, zu Gute kommen. Das bedeutet, dass Unternehmen so weit wie möglich einbezogen werden sollen. Ziel ist der Wechsel in eine normale betriebliche Lehre.

Die Wirtschaftsministerin erinnert daran, dass über 100 Unternehmen im Rahmen der Aktion "Wir geben Zukunft" eine Charta unterzeichnet haben, innerhalb derer sie Praktikumsplätze für Lehrlinge aus der überbetrieblichen Ausbildung zur Verfügung stellen.

Erst, wenn die betriebliche Lehre nicht klappt, soll eine überbetriebliche Lehre angeboten werden. Gegebenenfalls würde dies auch zu einer Entlastung der öffentlichen Hand führen. Im Schnitt kostet eine überbetriebliche Lehre nämlich 18.000 Euro, eine betriebliche hingegen nur knapp 6.500 Euro. Ende November 2018 sollen von 108.400 Lehrlingen im Land 8.300 in der überbetrieblichen Lehre gewesen sein.

"Türschildreform"

Kritik kommt indessen vom Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband Österreich (SWV). "Wenn wir den Fachkräftemangel bekämpfen und die Lehre attraktiveren wollen, müssen wir mehr tun, als Begriffe zu ändern. Sonst haben wir eine bloße Türschildreform", warnt Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Österreich.

Es sollten nicht nur Begriffe ausgetauscht, sondern "zumindest moderne Herausforderungen berücksichtigt werden". Dazu zählt der SWV vor allem Flexibilisierung, Durchlässigkeit und eine attraktivere Entlohnung. Vor allem letztere würde in der Diskussion oft ausgeblendet. Sie spiele aber "gerade für junge Menschen eine große Rolle", so der Verband.

Nicht begrüßt wird weiters die Abschiebung von Lehrlingen im Asylverfahren. Die dadurch resultierenden täglichen Härtefälle wären "leicht vermeidbar". Von seinen drei aktuell laufenden parlamentarischen Anfragen erwarte sich Margreiter "fundierte Antworten". Die Bundesregierung mache es sich "zu einfach, das werde ich nicht zulassen!"

Lob von Wirtschaftskammer

Indessen bekräftigen die Wirtschaftskammer (WKÖ) und die Freiheitliche Wirtschaft, dass die Novelle willkommen sei. Mit ihr könne "dem Fachkräftemangel wirksam entgegengewirkt werden", lobt WKÖ-Vizepräsident Matthias Krenn.

"Trotz der Fachkräfteoffensive der Bundesregierung bleiben viele offene Stellen noch immer unbesetzt und daher bedurfte es einer Evaluierung und Reform des Berufsausbildungsgesetzes, welche zu begrüßen ist."

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Habakuk am 07.05.2019 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Klar, weniger arbeiten - so sieht also die Zukunft unserer Leistungsträger aus. Und wer zahlt dann in das Steuer- und Sozialversicherungsbudget ein? Die "zugewanderten" Fachkräfte?

  • schurkraid am 07.05.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    die jobs sind unnattraktiv weils als ausgelernter kaum geld gibt.. was bringt mir sas als lehrling 900 euro zu verdienen weniger hackln und am ende steht man mit 1300 netto mit ner mietwohnung die 500 eurokostet da

    einklappen einklappen
  • Geld am 07.05.2019 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Bis der jenige ausgelernt is kosten 30 Quadratmeter Wohnungen dann schon 650 Euro aufwärts kalt ... ob das einem glücklich macht... heutzutage ist manfroh wenn meinen am Monatsende noch bisschen bleibt um zu überleben !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Isabella am 08.05.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Weniger arbeiten und vielleicht noch mehr Geld dafür bekommen darauf kann ich verzichten bin froh das ich schon seit 20jahren keinen Lehrling mehr habe und mir sicher auch keinen mehr nehmen werde

  • Kainz am 07.05.2019 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    Also ich habs in ein paar Stunden

    begriffen, wie man Kebab grillt. Aber manche können es nach 3 Jahren Lehrzeit immer noch nicht.

  • Geld am 07.05.2019 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Bis der jenige ausgelernt is kosten 30 Quadratmeter Wohnungen dann schon 650 Euro aufwärts kalt ... ob das einem glücklich macht... heutzutage ist manfroh wenn meinen am Monatsende noch bisschen bleibt um zu überleben !

  • Trinchen am 07.05.2019 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was nützt es, wenn es auf einem

    Blatt Papier steht, solange nicht besser kontrolliert wird. Wendet sich jemand ans Arbeitsinspektorrat, finden die Gespräche im Beisein der Juniorchefin statt. Was soll das? 46 Stunden die Woche ab dem ersten Lehrjahr. Ohne Abgeltung- weder finanziell, noch im Zeitausgleich. Diese Zustände gehören einmal beseitigt bevor über etwas Anderes nachgedacht wird. Hilfe hat meine Tochter damals nicht bekommen- auch nicht von der vielgepriesenen AK. Immerhin weiß sie jetzt, was Arbeit ist, auch wenn die Gesundheit dadurch Schaden genommen hat.

  • Wastl am 07.05.2019 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Enderfolg wird sein

    das keine Lehrlinge mehr ausgebildet werden weniger Arbeit mehr Lohn und alle Rechte bei den Lehrlingen mit Berufsschule Urlaub und Krankenstand fehlt ein Lehrling sowieso 4. Monate im Jahr das tut sich doch kein Arbeitgeber mehr an