"Männer, Macht und Mensuren"

11. Juli 2019 06:00; Akt: 12.07.2019 07:35 Print

Jörg Haider singt in ORF-Doku das SS-Treuelied

von Lukas Urban - Nach langer Wartezeit hat der ORF endlich die Burschenschafter-Dokumentation ausgestrahlt. Die FPÖ hat eine prominente Rolle.

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Am Mittwoch zeigte der ORF die Burschenschafter-Doku "Männer, Macht und Mensuren" – endlich. Denn sie war bereits Anfang 2019 fertig, ein Sendetermin fehlte aber lange. Der Sender dementierte Berichte, wonach die Ausstrahlung bereits im Jänner vorgesehen war, aber verschoben wurde.

Zwischenzeitlich ist einiges passiert. Neben dem Ende der türkis-blauen Koalition werden in der finalen Fassung auch die Verflechtungen der FPÖ mit den rechtsextremen Identitären beleuchtet.

Die Macher des Films, Robert Wiesner und Gregor Stuhlpfarrer, haben ihn um relevante Passagen erweitert. Der Anlassfall – die Liederbuch-Affäre um den niederösterreichischen FPÖ-Chef Udo Landbauer – kommt dafür etwas kürzer.

Treuelied und Gedenken

Im Film lassen die Macher gleichermaßen Burschenschafter selbst als auch Historiker zu Wort kommen. Dazu gibt es unter anderem alte Aufnahmen von FPÖ-Politikern. Jörg Haider sang etwa im Jahr 1980 das Treuelied der SS – und das vor laufender Kamera.

Der damals neue FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache meinte 2005 im Burschenschafter-Couleur, man müsse ausnahmslos allen Opfern der zwei Weltkriege gedenken. Damit meinte er wohl auch Soldaten der Wehrmacht.

Die Doku spart nicht mit Interviews. Neben schlagenden Burschenschaftern, die über Mensuren und ihre Weltanschauung sprechen, schildern Historiker wie Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv die Ursprünge der Verbindungen. Eine Psychologin beleuchtet die psychoanalytische Ebene, ein Schönheitschirurg erzählt, dass er auch Mensurwunden behandelt.

"House of Cards"

All das wird umrahmt von Blicken in die Gegenwart – etwa auf den Akademikerball der FPÖ, bei dem im Jahr 2019 Identitären-Chef Martin Sellner zu Gast war.

Zuletzt erlangten "Kameraden" dank FPÖ-Regierungsbeteiligung hohe Staatsämter. In Anspielung darauf ertönt im Abspann die Titelmelodie der intrigenreichen Polit-Serie "House of Cards".

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dagobert. M am 11.07.2019 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben

    Ich versteh es einfach nicht, warum man tote nicht einfach in Ruhe lässt... Ständig werden danach irgend welche Geschichterl erzählt um sie in den schmutz zu ziehen... Sei es Haider oder jackso egal wo... Was ist los mit dieser Menschheit? Werdet endlich wieder normal und denkt vorher nach bevor ihr irgend was macht!

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  • Fakten am 11.07.2019 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die

    Das Lied ist aus dem Jahre 1820 - also weit über 100 Jahre älter als die SS. Demnach kann nicht von einem SS-Treuelied gesprochen werden.

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  • Heute-19 am 11.07.2019 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage am Rande

    Warum sollte man nicht aller Toten des 2.Weltkrieges gedenken?

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Margarethe am 12.07.2019 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben

    Haider war ein Mesch der Öffentlichkeit,da wird immer wieder was kommen.

  • paul licht am 12.07.2019 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    1814 gab es keine ss

    Das Lied "Wen alle untreu werden" hat Max von Schenkendord 1814 gedichtet, angestosssen vom gleichnamigen geistlichen Lied Novalis (gedruckt 1802). Auch die SS hat es gesungen, allerdings wohl nicht alle Strophen und den Hintergrund des Liedes bewußt mißverstehend. Insgesamt ist Ihr Kommentar eben so mäßig wie dieser Film, der die üblichen Klischees bedient.

  • manola am 12.07.2019 00:25 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch ORF

    Wieder einmal typisch ORF , nicht einmal Tote können die in Ruhe lassen weil sie unbedingt vor der Wahl hetzen müssen. Sollten sich einmal um ein ordentliches Programm kümmern , schließlich zahlen wir genug.

    • Heinz am 12.07.2019 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      @manola

      Aber Hr. Strache hat doch versprochen die GIS abzuschaffen.

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  • PeterKarl am 11.07.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts können, aber was schreiben ...

    Anstatt Lösungen für die Gegenwart und für die Zukunft zu präsentieren, wird uraltes Zeug ausgegraben. Richtest Du Dich auch nach Deiner Grossmutter ?

  • Schorsch M am 11.07.2019 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelalterliche Rituale

    für Menschen mit selbiger Einstellung. Solche Vereine gehören verboten da sie nur eine Struktur für Abzocke und Vernebelung darstellen.

    • Censorship am 12.07.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Schorsch M, aber so was von recht...

      Sie haben so was von recht!! Deshalb muss man auch den Aufmarsch am ersten Mai beenden, der unter den Insignien einer mordenden Ideologie stattfindet. BESONDERS das KPÖ Fest und das spätere Volksstimmefest, welches von einer Partei inszeniert wird, welche AKTIV, eine mordende Ideologie vertritt! Welche die 100 Millionen Opfer verhöhnen und Milliarden an deutschem Volkseigentum stehlen wollte...

    • österreicher am 14.07.2019 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      Rituale

      Da würden sich die Religionen aber bedanken, denn deren Rituale sind noch wesentlich älter!

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