Maria Vassilakou

02. September 2018 12:13; Akt: 02.09.2018 12:16 Print

Wie sie das Vertrauen ihrer Grünen verspielte

Peter Pilz holte sie 1995 zu den Grünen, ab da ging es für Maria Vassilakou politisch rasant aufwärts. Bis zu einem angekündigten Rücktritt, der nie stattfand.

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Maria Vassilakou, geboren 1969 in Athen, kam nach ihrer Matura 1986 nach Wien. Sie studierte Dolmetscherin für Deutsch, Englisch und Französisch sowie Sprachwissenschaft, galt als Vorzeige-Studentin und schloss die Uni bis 1994 schnell ab. Erst zwei Jahre später bekam sie neben der griechischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft, ein Jahr zuvor hatte sie den Kommunikationsberater Bernd Matouschek geheiratet.

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An der Universität zeichnete sich bereits das politische Engagement von Vassilakou ab. Von der Mitarbeiterin im Sozialreferat der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) stieg sie zur Ausländerreferentin des Zentralausschusses und zur Generalsekretärin auf. Das fiel dem damaligen Klubobmann der Grünen Fraktion im Wiener Rathaus auf: Peter Pilz holte Vassilakou 1995 zu den Wiener Grünen.

Von der Studentin zur Fast-Grünen-Chefin

Bereits ein Jahr später saß Vassilakou im Wiener Gemeinderat, wurde Integrationssprecherin. Doch der Aufstieg ging weiter: 2001 kandidierte sie auf Platz 2 der Liste und wurde Wiener Stadträtin sowie Integrations-, Sicherheits-, Menschenrechts- und Behindertensprecherin ihrer Partei. 2004 und 2005 war Vassilakou fast ganz oben angelangt, im Bundesvorstand der Grünen sowie als Spitzenkandidatin bei der Gemeinderatswahl 2005.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: die Grünen legte vier Mandate zu und erreichten mit 14,6 Prozent das das beste Ergebnis der Wiener Grünen überhaupt. Nachdem sich Madeleine Petrovic zurückgezogen hatte, folgte ihr Vassilakou 2008 nach und wurde stellvertretenden Bundessprecherin neben Eva Glawischnig. Wie politisch Vassilakou für österreich brannte, zeigte sie 2009, als sie das Angebot, stellvertretende griechische Umweltministerin zu werden, ablehnte.

Jahresticket und Radwege als Herzensprojekte

Wahlverluste der Grünen und der SPÖ zeigten sich 2010 in Wien als kleiner "Glücksfall". Die SPÖ war ohne absolute Mehrheit auf einen Koalitionspartner angewiesen. Die FPÖ unter Heinz-Christian Strache kam für die Roten nicht in Frage, mit der ÖVP stimmte man in vielen Punkten nicht überein. Die grünen wurden zum roten Partner, Vassilakou neben Renate Brauner zur Vizebürgermeisterin Wiens und für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und Bürgerbeteiligung zuständig.

Federführend war Vassilakou bei Projekten wie der Vergünstigung der Jahreskarte der Wiener Linien auf 365 Euro, der Neugestaltung der Mariahilfer Straße, einer Forcierung der Radwege der Bundeshauptstadt sowie der Ausweitung des Parkpickerls. Projekte, für die sie teils heftig kritisiert wurde und bei denen manchmal auch Gegenstimmen aus der eigenen Partei laut wurden.

Empörung auch bei den Grünen

2015 führte Vassilakou die Grünen in die Wiener Gemeinderatswahl. Dass sie zuvor angekündigt hatte, bei Verlusten zurückzutreten, sehen viele Beobachter als den entscheidenden Fehler der Politikerin an. Die Partei verlor rund ein Prozent der Stimmen, doch Vassilakou machte einen Rücktritt vom Rücktritt, was quer durch alle Parteien, auch den Grünen, für Empörung sorgte.

Ein politischer Vertrauensverlust, den Vassilakou nie wieder richtig kitten konnte. Vielmehr verschlimmerte sich die Stimmung, als die Grüne Parteibasis das umstrittene Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt in einer bindenden Abstimmung ablehnte – Vassilakou es aber mit der SPÖ umsetzte. Folge war nicht nur parteiinterne Empörung, die UNESCO setzte Wien auch auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zur Aberkennung des Weltkulturerbe-Status.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe heute am 02.09.2018 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist...

    bestimmt nicht Schade das sie zurück getreten ist. ab 2020 gibt es die Grünen sowieso nicht mehr.

  • Hotvienna am 02.09.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt ...

    Warten wir es ab: wie oft hat sie schon Rücktritte angekündigt und nicht gehalten! Vielleicht greift sie diesmal auf eine andere beliebte Ausrede zurück:...ich will ja zurück treten, aber die Partei bittet mich zu bleiben. Sie ist neben der Whesely einer jener Politikerinnen, die für Wien enormen Schaden angerichtet haben und leider von ihrem Metier keine Ahnung haben - zusätzlich zu dem kompletten Mangel an Empathie und Beliebtheit, was für einen Politiker aber selbstverständlich sein sollte.

  • stealth71 am 02.09.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel mehr Uraschen,

    als nur der Rücktritt vom Rücktritt. Das hab ich ja nur so gesagt, ist damit das Hauptprogramm der Grünen geworden. Politische Verantwortung wird nur lautstark von anderen eingefordert. Alleine die nicht Abschaffung des Proporzsystems, dass die Grünen sogar notariell beglaubigt unterschrieben haben, zeigt, dass diese Partei nicht glaubwürdig ist.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Erlkönigin am 03.09.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo neue Regierung!

    ...Das Vertrauen der Bevölkerung in grüne Politiker ist schon lange dahin! Ebenso das Vertrauen in das sozialistische Pack, das Österreich seit 45Jahren im Würgegriff hatte! Ich hatte schon die ersten Hoffnung auf eine gute Regierung für Österreich aufgegeben, bis endlich eine aktive sehr gut arbeitende Regierung das Ruder übernommen hat! Ein dreifach HOCH auf türkis-blau! Eine Regierung die beschließt und schnell umsetzt, besonders KICKL, der beste Innenminister den Österreich je hatte!

  • Rainer am 03.09.2018 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Piero

    Jetzt noch auf Vassilakou hinzutreten ist nicht fair aber sie hat sich das selbst zuzuschreiben da das Wort von Vassilakou in der Politik nicht galt heute so morgen wieder anders Vassilakou war eine Politikerin von vielen negativen Gegensätze auch hatte sie sehr großen Anteil daran dass die Grünen aus der Bundes Politik keine Rolle mehr spielen Wien ist war die Hochburg und Aushänge Bundesland der Grünen und von dort aus durch schlechte und diktatorische Arbeit von Vassilakou begann der Niedergang der Grünen Bundes Bewegung da konnte auch der grüne Bundespräsident nichts machen und retten

  • Thomas am 02.09.2018 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Neuwahlen

    Neuwahlen ! Mehr kann man dazu nicht sagen

  • E. E. am 02.09.2018 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch gut

    Ich fürchte nur es folgt nichts besseres nach.

  • Martin am 02.09.2018 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind...

    .... Doppelstaatsbürgerschaften nicht verboten. Oder gilt das nur für's gemeine Volk...

    • Da da am 04.09.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

      Da da da

      Nach zwei Jahren bekam sie die Staatsbürgerschaft schon nachgeschmissen?

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