Gedenken an Novembepogrome

09. November 2018 13:01; Akt: 09.11.2018 13:12 Print

Sobotka entschuldigt sich bei Shoah-Überlebenden

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung an die Novembepogrome betonte der Nationalratspräsident, dass man niemals wieder "Verhetzung und Hass" zulassen dürfe.

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2018 jähren sich die Novemberpogrome zum 80. Mal. In der "Reichskristallnacht" auf den 10. November 1938 kam es zu Gewaltakten gegen Juden im ganzen deutschen Reich. Die Eskalierung mündete drei Jahre später in den Holocaust. Am Freitag fand im Parlament ein Empfang für Empfangs für österreichische Shoah-Überlebende aus Israel statt.

In der "Heute"-Serie "Niemals vergessen" kommen Zeitzeugen zu Wort >>>

"Österreich hat sich lange im Selbstverständnis, ein 'Opfer' des Dritten Reichs gewesen zu sein, seiner Verantwortung gegenüber den wirklichen Opfern entschlagen – in Fragen der Restitution und der Wiedergutmachung genauso wie im Verhältnis zum Staat Israel", so Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP). Erst spät und zögerlich seien relevante Schritte gesetzt worden.

Entschuldigung

Viele Österreicherinnen und Österreicher hätten Schuld auf sich geladen. Der Nationalratspräsident drückte in diesem Zusammenhang sein tiefes Bedauern darüber aus, dass man sich zu keinem Zeitpunkt dazu durchgerungen hat, jene, die vertrieben wurden, zur Rückkehr in die alte Heimat, zur Rückkehr in ihr altes Eigentum einzuladen.

"Als oberster Repräsentant der österreichischen Volksvertretung Ihrer Geburtsheimat", so Sobotka an die anwesenden Überlebenden der Shoah persönlich gerichtet, "empfinde ich vor diesem Hintergrund die moralische Verantwortung, mich in aller Demut und mit allem Respekt vor Ihnen zu verneigen und Sie für Österreich um Verzeihung zu bitten."

Dennoch habe sich Österreich verändert, unterstrich Sobotka, auch wenn niemand ersetzen könne, was den Betroffenen damals angetan und geraubt wurde.

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Zeichen der Änderung

Als ein markantes, sichtbares und berührendes Zeichen dieser Änderung wies der Nationalratspräsident auf die Lichtinstallation auf der Fassade des Büroturms einer Versicherung in Wien hin, mit der dieser Tage an die Opfer der Shoah gedacht wird. An der Stelle, wo der Büroturm heute steht, lebten im Jahr 1928 Bürgerinnen und Bürger, die allein aus dem Grund, weil sie Jüdinnen und Juden waren, deportiert, gedemütigt, gefoltert und ermordet wurden.

"Niemals wieder dürfen Verhetzung und Hass unser Land und unsere Gesellschaft derart bestimmen und zu Taten verleiten, die gegen alles gehen, was uns als Menschen ausmacht", so Sobotka.

Hochrangiger Besuch

Die Botschafterin Israels, Talya Lador-Fresher unterstrich in ihren Grußworten die guten Beziehungen zwischen Israel und Österreich. Die heute anwesenden Überlebenden der Shoah sind für sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Lador-Fresher erinnerte an die November-Pogrome und schloss mit einem Gedicht des jüdischen Poeten Jehuda Amichai.

Die Rede zum Gedenken hielt der aus Wien stammende US-amerikanische Rabbiner Arthur Schneier. Architekt Kurt Y. Tutter gab Einblicke in die geplante Shoah Namensmauern Gedenkstätte in Wien, die im Ostarrichipark vor der Nationalbank geplant ist. Auf dem Mahnmal sollen die Namen aller 66.000 jüdischen Holocaust-Opfer aus Österreich eingraviert werden.

Abschließend sprach Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Worte zum Gedenken.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erich Menon am 09.11.2018 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso schon wieder

    Wieso entschuldigt er sich? Hat er sich gar am jüdischen Volk versündigt??? Wieso muss eigentlich jede Regierung den Kotau machen. werter Herr Sobotka: Bitte nicht in meinem Namen Entschuldigen, ich hab, allein vom Alter her aber auch schon GAR NICHTS mit alldem zu tun.

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  • Denker am 09.11.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Fauxpas ?

    "Für ganz Österreich um Verzeihung bitten......." . Kann man das nicht als Beleidigung auffassen gegenüber allen anständigen Österreichern, die sich niemals etwas zu Schulden kommen ließen? Selbst auch für alle jene Millionen nicht freiwillige Soldaten, die zwangsverpflichtet zu Tode gekommen sind?

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  • Rampfer am 09.11.2018 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Sauer

    Glauben die wirklich, das interessiert jemanden???

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Tim Braverman am 10.11.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen bitte !!!

    "Wenn man immer nur zurückblickt, dann verpasst man, was vor einem liegt"

    • Korbi am 11.11.2018 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tim Braverman

      nicht vergessen. alle die von dieser tat direkt oder indirekt (durch den schließenden Reichtum der Familie) profitiert haben, haben sich zu Entschuldigen.

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  • Silvia K am 10.11.2018 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht jetzt!

    Fast alle Verursacher sind tot. Und allen nachfolgenden Generationen hier eine Erbschuld aufzudrücken Ist das Letzte! Es war furchtbar keine Frage, deswegen wird es aber niemals ein Mea Culpa geben. Genug ist genug!!

  • Franz Otto am 10.11.2018 04:08 Report Diesen Beitrag melden

    An all

    die Heuchler und in Demut in den Boden versinkenden Politiker, ich hoffe Sie entschuldigen sich und gedenken auch meinem Grossvater, zu seinem 75. Todestag, der zwangsrekrutiert, in Russland gefallen und dort verscharrt wurde.

  • Denker am 09.11.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Fauxpas ?

    "Für ganz Österreich um Verzeihung bitten......." . Kann man das nicht als Beleidigung auffassen gegenüber allen anständigen Österreichern, die sich niemals etwas zu Schulden kommen ließen? Selbst auch für alle jene Millionen nicht freiwillige Soldaten, die zwangsverpflichtet zu Tode gekommen sind?

    • Korbi am 09.11.2018 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Denker

      aber viele Österreicher haben aus dieser Nacht profitiert

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  • Quisiquasi am 09.11.2018 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wundere mich

    Habe gar nicht gewusst, dass sich Sobotka als Kriegsverbrecher schuldig gemacht hat. Er ist nicht jung, aber so alt hätte ich ihn nicht eingeschätzt. Das zerstört sein bisher relativ positives Image, das er bei mir hatte.