Protest

29. Mai 2018 17:33; Akt: 29.05.2018 17:35 Print

ORF-Redakteure wettern gegen ihre neuen Chefs

Nach der Vorstellung der neue "Channelmanager" im ORF wird auch Protest der Redakteure laut. Auf sie sei nicht gehört worden.

Die neuen Channelmanager des ORF: Links Matthias Schrom für ORF2, rechts Wolfgang Geier für ORF eins. (Bild: picturedesk.com)

Die neuen Channelmanager des ORF: Links Matthias Schrom für ORF2, rechts Wolfgang Geier für ORF eins. (Bild: picturedesk.com)

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Seit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Freitag die neuen Channelmanager für ORF eins und ORF 2 vorstellte, gehen intern die Wogen hoch. Die betroffenen Redakteure sind ganz und gar nicht einverstanden mit der Wahl.

Wolfgang Geier soll in Zukunft Chef von ORF eins sein, Matthias Schrom wird ORF 2 übernehmen. Lesen Sie hier mehr dazu.

Schrom und Geier lösen damit den bisherigen ORF-Chefredakteur Fritz Dittlbacher ab, der bis jetzt für die Informationssendungen beider Sender verantwortlich war. Wäre es nach dem Wunsch der Redakteure gegangen, wäre er auch weiter im Amt geblieben. Warum er bei der neuen Postenbesetzung übergangen wurde, hat Wrabetz nie begründet.

Schriftliche Resolution an Wrabetz
Nachdem sich der neue ORF2-Channelmanager Matthias Schrom am Dienstag der Redakteursversammlung stellte, verfassten diese einen Brief an Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Die Redakteure üben lautstarke Kritik an der Postenbesetzung und beklagen, dass ihr Votum nicht berücksichtigt wurde - obwohl Wrabetz bei seiner Wiederwahl als Generaldirektor mehr Mitspracherecht versprochen hatte.

Der Text im Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Generaldirektor Dr. Wrabetz, am Freitag Abend wurde die ZiB-Redaktion von Ihnen via OTS über die Auflösung der bisherigen Struktur und die Bestellung neuer Führungskräfte offiziell informiert. Die Redakteursversammlung des Aktuellen Dienstes hat heute dazu folgende Resolution beschlossen: Die Einführung von Channel-Managern für ORF eins und ORF 2 halten wir nach wie vor für sinnvoll. Bei den weiteren Strukturänderungen haben sich allerdings unsere Befürchtungen erfüllt: Es werden neue Management-Ebenen eingezogen, die höhere Kosten verursachen. Reibungsverluste und Konfliktpotential durch die organisatorische Trennung unserer Redaktion in zwei Info-Teams für ORF eins und ORF 2 sind zu erwarten. Generaldirektor Wrabetz hat bisher nicht begründet, warum eine Wiederbestellung von ORF2-Chefredakteur Fritz Dittlbacher in der neuen Struktur nicht in Frage gekommen ist. Seine Ablöse ist nach den vergangenen Jahren, in der unsere Informations-Sendungen deutlich steigende Zuschauerzahlen und eine hohe Publikums-Zufriedenheit ausweisen, besonders unverständlich. Zahlreiche neue Sendungen wurden in den vergangenen Jahren produziert, die Zahl der Informations-Sendungen ist deutlich gestiegen. Bei der Bestellung von Dittlbacher zum Chefredakteur im Jahr 2010 hat sich GD Wrabetz noch auf das eindeutige Votum der Redakteursversammlung berufen und es öffentlich als klares Signal "für die Unabhängigkeit und Professionalität des Journalismus im ORF-Fernsehen" bewertet. Bei der Besetzung der neuen ZIB Chefredakteure hat GD Wrabetz die Voten der Redaktion hingegen völlig ignoriert. Vor seiner Wiederwahl als GD hat Wrabetz noch angekündigt, die Mitwirkungsrechte der Redaktionen zu stärken, sein Handeln zeigt genau das Gegenteil. Echte Mitwirkungsrechte der Redaktionen würde auch die Unabhängigkeit stärken, weil sie dem Anschein von Bestellungen nach politischen Wünschen entgegenwirken können. Denn allein der Anschein einer politischen Besetzung von Führungsfunktionen schadet dem Ruf und der Glaubwürdigkeit des ORF. Wir fordern daher von GD Wrabetz die Einhaltung seines Wahlversprechens, die Mitwirkungsrechte der Redaktionen bei der Bestellung von Führungskräften zu stärken, wie das bei anderen österreichischen und internationalen Qualitätsmedien üblich ist. Wir als Redaktion werden jedenfalls auch in Zukunft für Glaubwürdigkeit und politische Unabhängigkeit stehen, um dem ORF-Publikum weiterhin die bestmöglichen Informations-Sendungen bieten zu können.

Die Redakteurinnen und Redakteure des Aktuellen Dienstes Fernsehen

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helmut am 29.05.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ORF

    Egal, welcher Redakteur, der ORF ist durch und durch ein Polithaufen wo die eine Farbe gegen die andere wettert. Die Qualität ist langsam letztklassig, gerade im Bereich der Politikberichterstattung und der Nachrichten.

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  • Günther am 29.05.2018 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Publikums-Zufriedenheit

    "unsere Informations-Sendungen deutlich steigende Zuschauerzahlen und eine hohe Publikums-Zufriedenheit". Das kann ich mit Sicherheit nicht bestätigen! 

  • GJK am 29.05.2018 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Cleverle...

    Höchst ungeschickt, dieser offene Brief. Alexander Wrabetz ist offensichtlich cleverer als viele seiner tief Rot-Grün gefärbten RedakteurInnen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Vorstadtmama am 30.05.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kein Fernsehgerät besitzt,

    sollte auch weiterhin keine Gebühren zahlen müssen. Der ORF ist das Werbeorgan der jeweiligen Regierung und der Opposition und wer die Propaganda nicht konsumiert, sollte sie auch nicht finanzieren müssen. So viel zu dem Vorschlag, dass auch Computerbesitzer Gebühren zahlen sollten....

  • Kritischer Geist am 30.05.2018 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    war zu erwarten ...

    Es war zu erwarten, dass die eingeschworene linke Belegschaft des ORF es nicht kritiklos zulassen werden, wenn man den alten marxistischen Mief am Künigelberg durchlüftet. Der Protest dieser Redakteure ist der beste Beweis dafür, dass die Stoßrichtung die richtige ist. Wir brauchen keinen milliardenteuren linkssozialistischen Propagandafunk, der der Bevölkerung den alten Totalitarismus einredet.

    • j.l. am 30.05.2018 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      kritischer

      nun wird er zum rechtspopolistischen propagandafunk. is der selbe oder sogar ein noch größerer mist. die versprochene beendigung der zwangsgebühren haben die blauen auch nicht erfüllt, also alles beim alten mit neuer farbe

    • Kritischer Geist am 30.05.2018 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      @j.l.

      Naja, die FPÖ führt nunmal keine Alleinregierung. Man kann ihr nicht gut vorwerfen, dass sie sich auf Kompromisse mit ihrem Koalitionspartner einlässt. Das ist immer noch vernünftiger als seine Zeit mit Streiten zu verbringen, wie das die Vorgängerregierung gemacht hat. Und nur weil man irgendwo linke Sozialisten in die Schranken weist, heißt das nicht, dass das ganze durch Rechtspopulismus ersetzt wird. Die Welt lässt sich nunmal nicht in schwarz (= rechts, = böse) und weiß (= links, = gut) einteilen.

    • j.l. am 30.05.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      wenn ich mir so die

      leut anhöre kritischer ist das gerade der fall. die einen sind "schwarz die anderen weiss" und blauschwarz ist das größte übel das uns passieren konnte. ok links ist auch oft nicht gut... die welt ist eben ein zirkus sie draht sie im kras und jeder hupft wega an jedn schas

    • Kritischer Geist am 30.05.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      @j.l.

      Parolen wie "Blauschwarz ist das größte Übel ..." müssten zunächst einmal argumentatorisch untermauert werden. Andernfalls sind es nur inhaltsleere Satzhülsen, die zwar leicht ausgesprochen werden und den Undifferenzierten überzeugen können, aber zu seriöser Politik nichts beitragen. Da man in der Vergangenheit alles Nicht-Linke mit solchen Parolen vom Tisch wischen konnte, wird einfach versucht, diese Taktik beizubehalten. Selbst dann, wenn längst klar ist, dass der weit überwiegende Teil der Bevölkerung die Nase voll hat von linker Politik.

    einklappen einklappen
  • Hans am 30.05.2018 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    Notwendige Reform

    In einem ÖR-Sender geht es vor allem um eines: AUSGEWOGENHEIT. Ich mag keine einseitig gefärbte Propaganda zu den Reizthemen, die sich durch das komplette Programm zieht. Im Moment ist das ausschließlich Rot-Grüne Propaganda. Als Türkis-Blaue Propaganda würde ich es genauso nicht mögen. Ich mag es nicht, wenn ein "EU-Bauer" wegen seiner Politsatire geschasst wird, nur weil er die Roten aufs Korn genommen hat - pfui! Sowas gehört geändert und zwar tiefgreifend. Und ja, dazu gehört auch ein Personalwechsel, denn mit den alten Gesichtern ist das nicht glaubwürdig.

  • Edith am 30.05.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwundert

    Seit wann haben Angestellte zu bestimmen, wer ihr Chef wird. Diesen hochtrabenden Irrglauben können auch nur die Mitarbeiter vom ORF haben.

  • myopinion am 30.05.2018 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    Protest von Mitarbeitern

    GD Wrabetz hat sich doch noch nie darum gekümmert, was andere wollen. Hauptsache er ist weiter Direktor... Da gab es doch schon vorher immer wieder Protestaktionen von Mitarbeitern. Ansonsten bin ich sowieso enttäuscht, dass die Diskussion, über die Abschaffung der GIS, einfach untergangen ist.