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23. Mai 2019 05:30; Akt: 23.05.2019 13:38 Print

Respektlos

von Christian Nusser - "Heute"-Chefredakteur Christian Nusser erklärt, warum manchmal auch das Weglassen bestimmter Inhalte im Journalismus wichtig ist.

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"Schreiben, was ist" betitelte Rudolf Augstein 1989 einen Leitartikel im "Spiegel". Das wurde im Journalismus schnell zur Richtschnur. Schreiben, was ist. Zeigen, was ist. Sagen, was ist. Klingt cool, aber ist es auch immer richtig, klug und zeitgemäß?

Es gibt ein zweites Video von Johann Gudenus aus Ibiza. Es zeigt ihn in kompromittierenden Situationen, "Heute" kennt den Inhalt. Fakt ist: Das Video verletzt den höchstpersönlichen Lebensbereich und ist politisch irrelevant.

"Wir gehen das Risiko leichten Herzens ein"

Fakt ist auch: Wer Bilder und/oder Inhalte veröffentlicht, macht Quote, generiert Klicks, verbreitet Zeitungen. Es ist ein Wesenszug unseres Berufs geworden, dass das Übergriffige belohnt wird. Wer schmuddelt, verdient. Muss man?

Wir haben uns entschlossen, nicht näher auf das Gudenus-Video einzugehen. Natürlich zirkulieren online alle Details, und natürlich kann man argumentieren: Wozu etwas nicht thematisieren, was es ohnehin überall zu lesen gibt? Klarerweise ist es ein Geschäftsrisiko, wenn man anderen die Brocken überlässt, die Klicks und Aufregung bringen.

Wir gehen das Risiko leichten Herzens ein. Weil wir wissen, dass "Heute"-LeserInnen an unserer Zeitung auch schätzen, dass wir vieles bewusst eben NICHT machen. Wer den Respekt vor den Lesern verliert, verliert den Respekt vor sich und seinem Beruf. Der Anfang vom Ende.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erich Menon am 23.05.2019 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ethik

    Da habt ihr von der Heute ja noch einen Funken Anstand. "Österreich" schlachtet alles aus und verlost sogar eine Reise in die ominöse Villa auf Ibiza. DAS ist tief!

    einklappen einklappen
  • derherrkarl am 23.05.2019 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    BRAVO

    Für die Entscheidung nur das politisch relevante zu bringen!

  • Fortitudo am 23.05.2019 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!

    Sehr geehrter Herr Nusser, Danke! Nicht weil Gudenus "geschützt" wird, sondern weil Journalisten heute wirklich keine Grenzen mehr kennen! Da wird unter dem Deckmantel journalistischer Aufklärung jede persönliche und für die Leserschaft irrelevante Kleinigkeit ausgeschlachtet. Man erinnere sich an die verletzte Prinzessin Diana oder das Entführungsopfer Erich Rebasso. Gudenus - den ich nie mochte - ist so tief gefallen, da ist kein Nachtreten mehr nötig!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Unter der Würde jeder Gesellschaft am 24.05.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Im Netz geht es hasserfüllt weiter

    Wir kämpfen seit Jahren gegen Hass im Netz, gegen Mobbing - bereits in Volksschulen. Bewahren der Privatsphäre. Man überlegt wie man gesetzlich dagegen vorgehen kann. Die Politiker zeigen auf grauenhafte Art und Weise wie korrupt sie sein können. Dass ihnen Menschen und ein ganzes Land völlig egal sind. Und dann wollen sie das Ganze noch herunterspielen, weil unter Alkoholeinfluss ja alles passieren darf! Man muss jetzt hören, dass noch kein juridischer Tatbestand nachgewiesen werden kann?

  • Idiocracy am 23.05.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum manchmal auch das Weglassen

    bestimmter Inhalte im Journalismus wichtig ist. Zum Beispiel um Beihilfe zu leisten in dem man die Quelle schützt ;)

  • Metatron am 23.05.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Video

    Warum in Deutschland die Russin Lera K. genannt wird ist auch komisch !

  • Metatron am 23.05.2019 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grimms Märchen

    Der Name der Frau soll längst bekannt sein ! Welche Komödie wird uns da vorgegaukelt ?

  • gerechtsein am 23.05.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Alle oder keiner

    Ich will alle 7 Stunden sehen, wer was gefragt hat, dann kann man die Antworten des Strache besser einordnen. Auch möchte ich wissen, was der Strache genau über andere geredet hat. Das Video belastet schließlich nicht nur den Strache und den Gudenus.