Kommentar von "Heute" Chefredakteur Christian Nusser

26. Januar 2015 21:45; Akt: 26.01.2015 21:49 Print

Tsipras, EU und der Tsatsiki-Strache

Jeder Vierte arbeitslos, wer einen Job hat, verdient 30 Prozent weniger als 2009, über 40 Prozent haben keine Krankenversicherung mehr, das Geld der Reichen - tja - längst im Ausland. Dass die Griechen nach jedem politischen Strohhalm greifen, überrascht wenig.

 (Bild: keine Quellenangabe)

(Bild: keine Quellenangabe)

Fehler gesehen?

Jeder Vierte arbeitslos, wer einen Job hat, verdient 30 Prozent weniger als 2009, über 40 Prozent haben keine Krankenversicherung mehr, das Geld der Reichen – tja – längst im Ausland. Dass die Griechen nach jedem politischen Strohhalm greifen, überrascht wenig.

Erwischt haben sie nun nicht allein Alexis Tsipras. Der neue linke Wunderwuzzi holte sich am Tag 1 nach dem Wahlsieg den Rechtspopulisten Panos Kammenos ins Boot. Die beiden eint allein die Wut über die EU (spendierte bisher 240 Milliarden Euro Kredit) und deren Sparpolitik. Kammenos ist so eine Art Tsatsiki-Ausgabe von Strache, ein sprachlicher Polterer.

Für Griechenland (das er wegen der EU-Auflagen "besetzt" nennt) wünscht er sich "ein nationales Erwachen", die Deutschen will er "wie im Krieg auch im Vierten Reich wieder schlagen", Migranten möchte er aus dem Land jagen, über Juden sagte er, die würden keine Steuern zahlen (blanker Unsinn). Peter Pilz nannte ihn gestern auf Twitter nur ein paar Minuten lang "liberal".

Was nun passiert? Die EU wird den Griechen mehr Zeit geben, ihre Kredite abzustottern (wirklich zurückzahlen werden sie das Geld nie). In vielen Ländern werden laute Rufe nach einem Ende des Sparens erschallen, vor allem in Ländern, die heuer wählen – neben Finnland oder Dänemark auch die krisengeschüttelten Spanien und Portugal. Wunder können wir aus Athen unter neuer Führung keine erwarten, wundern werden wir uns noch öfter.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen: