Karfreitag gestrichen

26. Februar 2019 18:52; Akt: 01.03.2019 08:33 Print

Und schon wird über einen neuen Feiertag diskutiert

Heftige Reaktionen hat die wieder neue Karfreitags-Regelung hervorgerufen. Und dafür gesorgt, dass über einen neuen Feiertag diskutiert wird.

Die beiden Regierungskoordinatoren Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) zum Thema

Die beiden Regierungskoordinatoren Gernot Blümel (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) zum Thema "Karfreitag" im Bundeskanzleramt in Wien. (Bild: picturedesk.com)

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"Wir haben uns nun gemeinsam dazu entschlossen einen Schritt weiter zu gehen und eine bessere Lösung zu schaffen: Einen 'persönlichen Feiertag', mit dem die Religionsausübung ermöglicht wird. Diese Lösung schafft Klarheit und Rechtssicherheit für alle und Gerechtigkeit und Gleichbehandlung im Sinne des EUGH-Urteils", sagen die beiden Regierungskoordinatoren Bundesminister Gernot Blümel (ÖVP) und Bundesminister Norbert Hofer (FPÖ).

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"Persönlicher Feiertag" statt Karfreitag. Was sagen Sie zur neuen Regelung?

"Beste Lösung im Sinne aller"

Konkret wurde der Karfreitag zu keinem Feiertag, man hat aber einen Anspruch auf einen Urlaubstag, bekommt aber keinen zusätzlichen Urlaub dafür (was das konkret für Sie bedeutet, lesen Sie hier). Die Reaktionen darauf sind gemischt. Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker sieht positiv, dass "nun Evangelische die Möglichkeit haben, den ganzen Karfreitag als ihren Feiertag zu begehen". "Wermutstropfen" sei aber, dass der Feiertag aus dem bestehenden Urlaubskontingent zu nehmen ist. Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf sieht die Regelung als "vernünftigen Kompromiss und salomonische Lösung eines sehr komplexen Sachproblems".

Die Österreichische Bischofskonferenz begrüßt die Regelung: "Es ist erfreulich, dass eine Lösung gefunden wurde, die für Evangelische und Altkatholiken akzeptabel ist und ihnen ermöglicht, den Karfreitag als Feiertag in gewohnter Weise zu begehen", so der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka im Interview mit "Kathpress". "Dies ist die beste Lösung im Sinne aller österreichischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber", lobt auch Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Dass kein zusätzlicher Feiertag kommt sei positiv, die Neuregelung müsse betriebliche Gegebenheiten praxisgerecht berücksichtigen, heißt es von Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung.

"Fauler Kompromiss", "für dumm verkauft"

Kritische Stimmen finden sich aber auch genug. "Mit ihrem faulen Kompromiss zum Karfreitag verkauft die Regierung die Beschäftigten für dumm", so Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp). Der EuGH habe entschieden, dass Arbeitnehmern am Karfreitag ein zusätzlicher Feiertag zustehe, doch die Regierung mache es nötig, dass man sich dazu einen Urlaubstag nehmen müsse.

"Der EuGH gibt uns einen Feiertag, die Regierung nimmt ihn uns", bilanziert auch Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl: "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer". "Unterm Strich bedeutet die Idee eines 'persönlichen Feiertages' nichts anderes als das Recht der Arbeitnehmer ihren eigenen Urlaub zu verbrauchen. Bestenfalls ist das Urlaubsraub", so die Arbeits- und Sozialsprecherin von JETZT, Daniela Holzinger.

"Wer Feiertag will, muss Urlaubstag nehmen"

"Die Beschäftigten haben bereits den 12-Stunden-Tag hinnehmen müssen. Als Dank dafür wird jetzt einem Teil der Bevölkerung auch noch der Karfreitag gestrichen. Wer jetzt den Karfreitag als Feiertag begehen will, muss einen Urlaubstag nehmen", sagt der Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen, Rainer Wimmer. Es drohe eine "Hüftschuss-Regelung" mit "neuen Rechtsunsicherheiten rund um Feiertagszuschläge", so NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker. Der Opposition liege bis heute kein Gesetzestext vor.

Die Regierung streiche den Karfreitag gänzlich und "verhöhnt" die Arbeitnehmer mit einem persönlichen Feiertag, "für den Urlaub genommen werden muss", so SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sie weist darauf hin, dass Kanzler Sebastian Kurz, Minister Gernot Blümel, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Minister Hofer "gelogen" hätten, als sie sagten, dass niemandem etwas weggenommen würde. "ÖVP und FPÖ haben gelogen: Denn mit der jetzigen Regelung nimmt die schwarz-blaue Regierung den ArbeitnehmerInnen einen freien Tag weg." Rendi-Wagner wolle einen eigenen Antrag für eine Karfreitagsregelung einbringen.

Diskussion um neuen Feiertag

Heftig reagieren auch die Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen (AUGE/UG). "Sagen wir, wie es ist: Schwarz-Blau stiehlt den ArbeiternehmerInnen einen ihnen zustehenden freien Tag", so Klaudia Paiha, Bundessprecherin und Wiener AK Wahl-Spitzenkandidatin der AUGE/UG. Sie bringt aber auch gleich einen neuen Feiertag ins Spiel: "Gerade eine Regierung unter angeblich christdemokratischer Führung sollte eigentlich wissen: Geben ist seliger als Nehmen! Das gilt auch für Feiertage. Ein Schritt dorthin wäre, endlich den 8. Mai zum Feiertag zu machen."

"Dieser Tag sollte ohnehin schon längst Nationalfeiertag sein, kapitulierte doch am 8. Mai das nationalsozialistische Deutschland vor den Truppen der Alliierten", so Paiha. Die Österreicherinnen und Österreicher hätten es sich verdient, "den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus als wahren Feiertag zu begehen".

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  • Klaus am 26.02.2019 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft gegen Arbeitnehmer 10:0

    Ich würde gerne wissen, wo bei der Karfreitagsregelung der Kompromiss ist. Alles für die Wirtschaft nichts für die Arbeitnehmer ist mit Sicherheit kein Kompromiss, mit dem alle zufrieden sein können. Ich finde es schon etwas frech, wie hier die Arbeitnehmer für dumm verkauft werden. Die Wirtschaft hat ja einen Ausgleich gefordert, als es die Lösung mit dem halben Feiertag gab. Ist sie jetzt bereit, wo die Regelung in die andere Richtung geht (kein freier Tag mehr für evangelische, Altkatholiken, daher Kosteneinsparung), einen Ausgleich zu leisten?

  • Robert am 26.02.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Beschiss hoch 3

    Anstatt etwas "RICHTIGES" zu machen wurde wieder nur herumgepfuscht. Uns dieses noch als Gewinn zu verkaufen, schlägt den Fass den Boden aus. Evangelischen einen Tag zu stehlen und den restlichen das als Gewinn zu verkaufen, lässt nichts gutes für dieses Land hoffen. Lasst es so wie es ist. Warum müßt ihr an allem und jeden herumdoktern bis es kaputt ist (Gendern, Mathematik in den Schulen, Unisex....). Wenn euch fad ist, oder ihr zuviel Geld habt, VERRINGERT DIE SCHULDEN DES LANDES, damit wäre nicht nur uns, sondern besonders unseren Kindern, weit mehr geholfen.

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  • Anna am 26.02.2019 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht begeistert

    Wieder so eine Augenauswischerei von der Regierung. Bin sehr enttäuscht. Aber es kommen ja bald Wahlen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Jürgen am 27.02.2019 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Regierung

    Wahlen werden kommen und die FPÖ/ÖVP wird gehen das ist sicher!

  • Heinz am 27.02.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wahltag ist Zahltag

    Dass die Kurz ÖVP nur im Interesse der IV und der Grossunternehmer handelt und somit gegen die Arbeitnehmer handelt ist verständlich, schließlich wird er von denen bezahlt. Warum die FPÖ Führung da mitspielt ist äusserst bedenklich.

    • Arbeitnehmer am 27.02.2019 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      Schleierhaft

      Weil die FPÖ genauso eine reine Wirtschafts und Industriellenpartei ist, und auch immer war. Woher der Glaube kommt das die FPÖ irgendwas mit Arbeitnehmer am Hut hat, ausser deren Steuern zu verschwenden, ist mir schleierhaft.

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  • Spaltung der Gesellschaft am 27.02.2019 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    ich glaube nicht an unsere Regierung

    In Österreich hat die kirchliche Feiertagsregelung nichts mehr mit dem Glauben zu tun. In Betrieben, wo rund um die Uhr, 365 Tage gearbeitet werden muss, ist die Karwoche sowieso mit Urlaub ausgebucht. Und wer bekommt diesen Urlaub? Menschen mit vielen Kindern, die eine weite Strecke nach Hause fahren. Aus Erfahrung kann ich nur sagen, dass diese Menschen mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben. Als Krankenschwester hatte ich die letzten 10 Jahre weder Weihnachten noch Ostern und auch nicht Juli und August Urlaub. Aber ich habe auch nicht so viele Kinder.

  • FPÖ-Best am 27.02.2019 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Alle Feiertage ersatzlos streichen, genauso wie Urlaubs und Weihnachtsgeld. Auch bestehende und zukünftige Pensionen gehören halbiert. Ich sehe nicht ein, warum ich 14 Monatslöhne für 10 Monate Arbeit bezahlen muss. Nur nicht beirren lassen liebe Regierung.

    • Schiele am 27.02.2019 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      @FPÖ-Best

      Meinen sie das sarkastisch oder sind sie Arbeitgeber und meinen das sogar ernst? Wenn Letzteres hätte ich gerne ihren Namen und die Bekanntgabe ihrer Firma, denn solche Ansichten gehören boykottiert!

    • So ist es am 28.02.2019 12:23 Report Diesen Beitrag melden

      FPÖ-Best

      Sie haben schon weitergedacht. In zwei Jahren spätestens wird dies Realität sein!

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  • Steffi am 27.02.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Nur noch ein Grund mehr mein Geld ins Ausland zu tragen. Ich kaufe nur mehr bei Amazon, und hier explizit bei ausländischen Firmen. Österreichs Politik&Wirtschaft hat nichts für Arbeitnehmer übrig? Gut, ich habe nichts für Österreichs Politik&Wirtschaft übrig.