Bub im Bad missbraucht: Drama um neuen Prozess

Bild: Andre Wanne
Ein schlampig begründeter Schuldspruch hat schaurige Folgen: Im Juni wurde Amir A. (20) zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er die Kindheit des kleinen Goran (10) zerstört hat. Im Wiener Theresienbad fiel der Iraker über den Buben her und verletzte ihn bei der Sex-Attacke schwer.
Ende Oktober bestätigte der OGH den Missbrauch. Die Verurteilung wegen Vergewaltigung aber hoben die Höchstrichter aus formellen Gründen ("Feststellungsmängel") auf. Resultat: ein neuer Prozess darüber – und ein aberwitziges Missverständnis. Sogar Wladimir Putin tobte: "In einem europäischen Staat wird ein Kind von einem Migranten vergewaltigt – und das Gericht sprach ihn frei." Falsch: Natürlich ist Amir A. in Haft – und im zweiten Verfahren drohen ihm sogar bis zu 15 Jahre Gefängnis, weil sein Opfer unter einer Belastungsstörung leidet.

Aber auch eine höhere Bestrafung des Täters nimmt Gorans Mama Dunja R. (43) nicht die Angst, erneut durch die Hölle zu gehen: "Ich wollte mit dem Verbrechen abschließen", sagt die alleinerziehende Mutter (fünf Kinder), "und nur noch nach vorne schauen." Die Chancen standen gut. Die Heim-Familie bekam eine Gemeindewohnung. Mit Spenden von "Heute"-Lesern konnte Dunja ihrem gepeinigten Sohn Wünsche erfüllen. Und langsam greift auch Gorans Therapie. "Er ist nicht mehr derselbe wie früher", so die Mama, "aber auf gutem Weg." Der neue Prozess reißt alte Wunden auf – ein schlechter Wegweiser für das Kind.


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