War Papst-Bruder ein "notorischer Schläger"?

Die Domspatzen sangen auch im Vatikan für Papst Benedikt XVI., sein Bruder Georg Ratzinger (vorne 1.v.li.) muss sich jetzt  Missbrauchsvorwürfen stellen. Die minderjährigen Sänger sollen jahrelang misshandelt worden sein.
Die Domspatzen sangen auch im Vatikan für Papst Benedikt XVI., sein Bruder Georg Ratzinger (vorne 1.v.li.) muss sich jetzt Missbrauchsvorwürfen stellen. Die minderjährigen Sänger sollen jahrelang misshandelt worden sein.Bild: picturedesk.com
In der Missbrauchs-Affäre um die Regensburger Domspatzen werden Vorwürfe gegen Ex-Chorleiter Georg Ratzinger laut.
Jetzt wird es eng für den Bruder des Ex-Papstes!

Im Zuge der Enthüllungen um Misshandlungen im weltberühmten Chor der Regensburger Domspatzen wurden jetzt auch schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Chorleiter Georg Ratzinger (93) erhoben. Opfer beschreiben ihn als "jähzornig" und "notorischen Schläger". Zwischen 1945 und 2015 sollen laut einem aktuellen, 440 Seiten langen Untersuchungsbericht 547 Kinder misshandelt worden sein – 67 von ihnen auch sexuell.

Am Dienstag hatte der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber (46), der sogar von einer Dunkelziffer von bis zu 700 Opfern ausgeht, den brisanten Bericht vorgestellt.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Von den Tätern – 49 Lehrer und Aufsichtspersonen – kann keiner mehr belangt werden "Sämtliche Taten sind vor den ordentlichen Gerichten verjährt und nicht mehr verfolgbar", so Weber.

"Georg Ratzinger war nicht der gute Opa, er war ein Schläger"



30 Jahre lang leitete der Bruder von Ex-Papst Benedikt XVI. (90) den weltberühmten Chor: Domkapellmeister Georg Ratzinger (93) wird offiziell "Wegschauen und fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis der Missbrauchsfälle" vorgeworfen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Missbrauchsopfer wie Alexander Probst (57), der den Skandal 2010 öffentlich gemacht hatte, sagen über Ratzinger aus: "Er war ein notorischer Schläger, nicht der gute Opa. Das ist mein Ratzinger-Bild."

Insgesamt hatten sich 124 Opfer und Zeugen zu Georg Ratzinger geäußert, die meisten werfen dem Papst-Bruder Gewaltexzesse vor. So soll Ratzinger "streng, perfektionistisch und jähzornig" gewesen sein, einen Buben öffentlich geschlagen haben, weil er ein Eis gegessen hatte, störende Chorknaben an den Koteletten hin- und her gezerrt haben und die Sänger als "Stimmmaterial" bezeichnet und erniedrigt haben. Laut Bericht hatten die Buben teilweise so große Angst vor Ratzinger, dass sie sich während des Singens durch Ritzen mit einem Messer an Unterarm und Oberschenkel selbst verletzten: "Ich dachte, Gott würde die Chorstunde verkürzen, wenn ich ein Opfer brächte. Ich war elf Jahre alt", so ein Opfer.

Der Papst-Bruder will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, die Ermittlungen nennt er "Irrsinn"

Zu den schweren Vorwürfen wollte sich Ratzinger aktuell nicht äußern, laut Generalvikar Michael Fuchs nehme er aber "großen Anteil an der Aufarbeitung". Vom sexuellen Missbrauch will er außer in einem Fall nichts gewusst haben. Der Ex-Chorleiter hatte bereits 2010 eingestanden, Schüler geschlagen zu haben, er hatte das allerdings mit dem damals üblichen Erziehungsstil begründet – tatsächlich wären jedoch laut Bericht alle Vorfälle zu allen Zeiten strafbar gewesen. Die Ermittlungen, die jetzt zu dem Enthüllungsbericht geführt haben, hatte der Papst-Bruder als "Irrsinn" bezeichnet ...

300 Betroffene haben bisher beim Bistum Regensburg Ansprüche angemeldet – sie sollen mit bis zu 20.000 Euro entschädigt werden. (tas)

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