Kika/Leiner: "Fünf bis sechs Filialen" wackeln

Boss Gunnar George: Fortbestand von Kika/Leiner ist für die nächsten ein bis zwei Jahre gesichert.
Boss Gunnar George: Fortbestand von Kika/Leiner ist für die nächsten ein bis zwei Jahre gesichert.Bild: Sabine Hertel
Dank Geldspritze in "mehrstelliger Millionen-Höhe" ist laut Firmenboss George die Zukunft von Kika/Leiner gesichert. Doch: Es muss gespart werden.
Die finanzielle Schieflage des Mutter-Konzerns Steinhoff stürzte im Dezember Österreich-Tochter Kika/Leiner kurzfristig in Zahlungsschwierigkeiten. Der Notverkauf des Flagship-Stores in der Wiener Mariahilfer Straße an Immo-Tycoon René Benko verhinderte das Schlimmste. Kolportierter Preis: 50 bis 70 Millionen Euro. Nun scheint auch die Zukunft für die nächsten "zwölf bis 24 Monate gesichert". Das erklärte am Montag Firmenchef Gunnar George in Wien.

Kika/Leiner nabelt sich von Steinhoff ab

Gesichert wird der Fortbestand durch eine Geldspritze in "mehrstelliger Millionen-Höhe" seitens Steinhoff, die ab sofort in mehreren Raten überwiesen wird. Noch in dieser Woche soll begonnen werden, alle offenen Rechnungen zu begleichen.

Gleichzeitig wurde die Teilnahme an der Gemeinschaftskasse ("Cash Pool") gekündigt und damit die Zugriffsmöglichkeit der Mutter auf Österreich (Kika/Leiner, Lipo) und Osteuropa (21 x Kika in Ungarn, Rumänien, Tschechien und der Slowakei) unterbunden. "Aus Eigenschutz", wie George betont. Und: Es muss auch gespart werden. George spricht von einer Kostenreduktion um fünf Prozent über alle Bereiche "in den nächsten zwölf bis 18 Monaten".

50 Filialen auf dem Prüfstand

In den kommenden sechs bis acht Wochen werden alle 50 Filialen von Kika (29), Leiner (19) und Lipo (2) auf Rentabilität geprüft. Laut George gibt es "fünf bis sechs Standorte, die wirklich problematisch sind", durchwegs in ländlichen Gebieten.

CommentCreated with Sketch.7 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch Lipo droht das Aus

Möglich sind Umfärbungen (aus Leiner wird Kika bzw. umgekehrt) bis hin zu Schließungen, Kündigungen inklusive. Wobei Letzteres laut George "die schlechteste Alternative ist". Gleichzeitig wird in Osteuropa vorsichtig expandiert. Ebenfalls fix: Der Ausbau der Diskont-Marke Lipo wird auf Eis gelegt - und womöglich verabschiedet man sich ganz davon.

Online-Geschäft wird kräftig ausgebaut

Ein weiterer Punkt ist der Ausbau der EDV sowie jener des Online-Geschäfts. Erklärtes Ziel ist es, "Kika/Leiner als einen der führenden Anbieter im Bereich Multi-/Omnichannel für den Möbelhandel in Europa zu etablieren". Konkret soll der Online-Umsatzanteil in drei bis fünf Jahren von derzeit 0,4 Prozent auf fünf Prozent steigen. Dazu wurden bereits zwei regionale Logistik-Center in Wien und Graz eröffnet. Im Sommer soll eines in Linz-Leonding an den Start gehen, um eine schnellere Waren-Verfügbarkeit zu garantieren.

Zahl der Lieferanten soll auf 800 sinken

Eine zusätzliche Maßnahme betrifft die Lieferanten. Um bessere Preise zu erreichen und den Aufwand zu reduzieren wird es hier zu einer Reduktion kommen. Bereits in den vergangenen zwöf Monaten wurden rund 600 von 1.700 Verträgen gekündigt, weitere 300 sollen folgen.

"Schwarze Null" im jüngsten Geschäftsjahr

Finanziell macht Kika/Leiner derzeit ganz passable Figur - zumindest gab es in den vergangenen Jahren keine Verluste. Auch im jüngste Geschäftsjahr 2016/17 (endete am 30. September 2017) wurde laut George "eine schwarzen Null" geschrieben. Heuer sollen dank Steinhoff-Geldspritze 50 bis 60 Millionen Euro investiert werden. Aktuell beschäftigt Kika/Leiner in Österreich rund 5.600 Mitarbeiter, in Osteuropa sind es 1.600.

Kunden-Anzahlungen sind sicher

Was George derzeit noch zu schaffen macht: Die Krise von Steinhoff samt Angst um die Zukunft von Kika/Leiner schlug sich in den vergangenen Wochen deutlich im Umsatz nieder. Vor allem bei der Anschaffung von teuren Küchen sowie bei den Themen Schlafen und Wohnen hielten sich Kunden aus Sorge um den Verlust ihrer Anzahlungen zurück. Hier besteht laut George keine Gefahr, da das Geld auf ein Treuhandkonto überwiesen wird. Heißt: Im Falle einer Insolvenz wird es zurückbezahlt.

(bart)

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