"Ich tue alles, damit er mich nicht nackt sieht!"

Bild: Kein Anbieter/Pixabay
Nach einer perfekten Zeit am Anfang wurde Ellens Beziehung zur Katastrophe. Trotzdem kann sie sich nicht davon lösen. Was tun?
Frage von Ellen (32) an Doktor Sex: Ich bin seit fünf Jahren mit meinem Freund zusammen. Die ersten zwei Jahre waren perfekt. Danach sagte er mir, dass ich ihn ekle. Wir hatten danach immer weniger Sex und mein Selbstvertrauen sank total in den Keller. Seither streiten wir uns auch dauernd. Eigentlich möchte ich mich trennen, aber ich schaffe es nicht. Ich drängte ihn sogar, mit mir zusammenzuziehen. Die tolle Wohnung macht alles erträglich. Aber im Haushalt und finanziell fühle ich mich ausgenutzt.

Das Schlimmste ist für mich, dass wir fast keinen Sex mehr haben. Ich schließe sogar die Badezimmertür ab, damit er mich nicht nackt sehen muss. Es gibt keine Geschenke mehr – und wenn wir auswärts essen, muss ich die Hälfte bezahlen. Im Herbst machen wir eine große Reise. Da er sonst finanziell schlecht dastehen würde, will er sich jetzt nicht trennen. Ich hasse mich jeden Tag mehr, da ich mir Hoffnungen mache und glaube, es könnte wieder wie früher werden. Wie kann ich aus all dem herauskommen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Ellen

Beziehungen sind fragile Gefüge, in denen sich zwei Menschen in ihrer Eigenart begegnen und dabei fortlaufend gegenseitig mit ihren individuellen Wünschen und Bedürfnissen konfrontieren. Auch wenn sie diese Bindung freiwillig eingehen, spielen dabei Machtansprüche und Abhängigkeiten eine zentrale Rolle. Was nach außen harmonisch und friedlich aussieht, ist daher in Tat und Wahrheit manchmal ein emotionales Schlachtfeld.

CommentCreated with Sketch.5 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Auch bei euch scheint dies der Fall zu sein. Obwohl dein Freund vor drei Jahren offen ausgesprochen hat, dass er ein Problem mit dir hat und eure Partnerschaft für dich seither einem Spiessrutenlauf gleicht, wurstelt ihr einfach weiter. Er in der Hoffnung, dass ein Zeitpunkt kommt, in dem die Verzichtskosten minimal sind, und du mit der Idee, es könnte sich möglicherweise doch alles auf wundersame Weise noch zum Guten wenden.

Dass dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geschehen wird, ist dem Teil von dir, der mit Wut und Selbsthass reagiert, schon längst bewusst. Jedoch scheinst du noch nicht bereit oder in der Lage zu sein, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Solange du das aber nicht tust, wirst du auch nicht die in dieser Wut enthaltene Energie nutzen können, um die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu ziehen.

Um Bewegung in die Sache zu bringen und diese für euch beide belastende Beziehung nachhaltig zu verändern, ist es unbedingt notwendig, dass ihr eure individuelle Lebensgeschichte aufarbeitet und euch bewusst macht, was zur Entstehung der aktuellen Situation beigetragen hat. Die Wahl eines Partners oder einer Partnerin ist nämlich oft und gerade wenn man noch jung ist, immer noch sehr stark geprägt von der Erziehung.

Ein solcher Prozess des Bewusstwerdens hat seine Tücken und ich empfehle euch deshalb, ihn mit der Unterstützung einer Fachperson für Beziehungen anzugehen. Sie wird euch dabei unterstützen können, die eigenen blinden Flecken zu erkennen und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um eure Partnerschaft anders zu gestalten. Idealerweise beginnt ihr mit der Beratung noch vor dem Aufbruch zu eurer Reise. Viel Erfolg!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

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