Run auf legales Cannabis in Wien-Neubau

Weil das Produkt nicht psychoaktiv wirkt, darf ein Shop in Wien legal Cannabisblüten verkaufen - und ist oft ausverkauft. Die Politik will die Gesetze nun verschärfen.
In der Stiftgasse in Wien-Neubau bringen Sofie, Juri und Sebastian seit 1. März Cannabis aus Wiener Produktion an Mann und Frau. Dass das die Kollegen von der Polizeiinspektion direkt gegenüber nicht stört, liegt am THC-Gehalt der Blüten. Der Anteil der psychoaktiven Wirkstoffe liegt unter 0,3 Prozent. "Es ist unmöglich, unser Cannabis als Suchtmittel zu missbrauchen", sagt Juri. Kunden, die sich anderes erhofften, müssten mit einer Enttäuschung rechnen.

Der Student der Neurowissenschaft hat vor vier Jahren begonnen, sich mit den Effekten von Cannabidiol (CBD) auseinanderzusetzen. Der Stoff aus der Hanfpflanze liegt derzeit im Trend und wird etwa bei Depressionen, chronischen Schmerzen oder Schlafstörungen eingesetzt. "Die Preise für CBD-Produkte sind aber oft sehr überhöht", kritisiert Juri.

Gemeinsam mit Sebastian und Sofie eröffnete er deshalb "Magu CBD", wo die kleinste Menge an Blüten ab 20 Euro erhältlich ist. Neben unverarbeiteten Cannabisblüten - zur Auswahl stehen die Sorten "Sissi" und "Heidi" - werden im Shop auch CBD-Tropfen, Vape-Liquids und Kristalle vertrieben.

CommentCreated with Sketch.10 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Man hört auch viele traurige Geschichten"

Seither kämpft das Trio mit Nachschubschwierigkeiten und musste seine Pforten zwischenzeitlich mit dem Hinweis "Leider ausverkauft" schließen. Das Problem: Der Andrang ist groß, die Lieferkapazität begrenzt. "Unsere Kunden stammen aus allen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten", erklärt Sofie. Unter den Konsumenten finden sich auch schwer kranke Personen, die Linderung für ihre Beschwerden suchen. "Man hört auch viele traurige Geschichten."

Mit "Krautfunding" zum eigenen Kraut

Ein "Krautfunding" soll jetzt die Lösung bringen. Mindestens 75.000 Euro brauchen die Drei, um ihre eigene Cannabis-Produktion zu starten. "So können wir die Nachfrage decken, höchste Qualitätsstandards gewährleisten und transparent anbauen."



Unklar ist, ob der Shop seine Blüten und andere CBD-Produkte auch langfristig frei vertreiben kann. Das Gesundheitsministerium prüft derzeit eine Novelle der Suchtmittelverordnung. Produkte wie CBD-Öl könnten dann nicht mehr aus Industriehanf hergestellt werden. "Die alte Formulierung hat offenbar zu viel Interpretationsspielraum belassen, das formulieren wir nun klarer", heißt es aus dem Ressort. Damit wäre der Verkauf von CBD als Heilmittel den Apotheken vorbehalten. "CBD als Reinsubstanz war vorher legal und bleibt es weiterhin." (pic)

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