Warum Wolfs ZiB-Schmäh Mitterlehner ins Herz traf

Die ZIB-Anmoderation von Armin Wolf am Dienstag sei "das letzte Mosaiksteinchen" gewesen, so Mitterlehner. Bereits im Jänner hatte er im Interview vom Krebstod seiner Tochter erzählt.
Reinhold Mitterlehner ist als ÖVP-Chef und Vizekanzler zurückgetreten. Wie er bei seiner Rücktrittsrede vor Journalisten am Mittwoch sagte, sei die Anmoderation von ZIB-Sprecher Armin Wolf am Vorabend das "letzte Mosaiksteinchen" für seinen Entschluss gewesen.

In Anspielung auf Mitterlehners Verbindungsname "Django", mit dem dieser selbst gern kokettierte, hatte Armin Wolf gewitzelt: "...dieser Tage erinnert er sich von den vielen Django-Filmen vielleicht am ehesten an diesen..." und dazu das Titelbild des Italowesterns "Django - Die Totengräber warten schon" eingeblendet.



Der Schmäh war auf Mitterlehners zerstrittene Partei bezogen, den nunmehrigen Ex-Parteichef traf es allerdings wohl auf persönlicher Ebene. Denn erst im vergangenen November war Mitterlehners älteste Tochter Martina im Alter von nur 38 Jahren an Krebs gestorben.

CommentCreated with Sketch.33 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Schicksalschlag im Jänner publik gemacht

Der Vizekanzler selbst hatte Anfang Jänner im Ö3-Interview mit Claudia Stöckl erstmals über den schweren Schicksalsschlag gesprochen. Es sei im Sinne seiner Tochter gewesen, "es nicht öffentlich an die große Glocke zu hängen und damit vielleicht sogar Mitleid zu erwecken", sagte Mitterlehner damals. Da der Schicksalsschlag aber in der Zwischenzeit bekannt geworden war, habe er sich entschlossen, darüber zu reden.

Seine politische Agenda versuchte Mitterlehner zu jedem Zeitpunkt - auch im November rund um den Tod seiner Tochter - zu entsprechen, selbst die ORF-Pressestunde sagte er nicht ab: "Ich habe in dem Zusammenhang mit einer geistlichen Schwester gesprochen, sie hat mir die Empfehlung gegeben beides wahrzunehmen." – "Ich habe mich der Trauerarbeit gestellt", sagte Mitterlehner weiter. Für ihn sei es sehr schwierig gewesen, beides zu verkraften – "die politischen Herausforderungen und das Private".

"Ständig die gleiche Platte vom Abschießen"

Die ständige Obmann-Debatte ärgerte ihn schon damals: "Es kränkt mich, wenn ständig die gleiche Platte vom 'Abschießen' kommt, und man irgendwo den Eindruck bekommt, man wird eigentlich unter dem Wert geschlagen."

Er habe sich aber eine dicke Haut zugelegt, sagte er damals. Auch die reichte nun – vier Monate später – nicht mehr aus. "Es ist genug", sagte er am Mittwoch und trat zurück.

Gerade in Hinblick auf den Schicksalsschlag Mitterlehners wurde der Schmäh in der "Zeit im Bild" auf sozialen Medien mehrfach kritisiert.





ORF-Chefredakteur entschuldigte sich

ORF-Chefredakteur Fritz Dittelbacher hat sich am Mittwoch bei Reinhold Mitterlehner für die persönliche Kränkung durch den Witz entschuldigt. Er betonte, dass die Redaktion sich auf das politische Klima in der Partei sowie das Django-Image Mitterlehners bezogen habe.

Auch ZIB-Moderator Armin Wolf postete die Entschuldigung auf Twitter und schrieb dazu "Es tut mir leid".



(hos)

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