Mafia-Netzwerk am Bau: Millionen-Betrug entdeckt

24 Hausdurchsuchungen fanden in Wien, NÖ und Oberösterreich statt (Symbolbild).
24 Hausdurchsuchungen fanden in Wien, NÖ und Oberösterreich statt (Symbolbild).Bild: picturedesk.com
Das Firmengeflecht diente nur dazu, Steuern und Abgaben zu hinterziehen und Gläubiger zu betrügen. Der Schaden beträgt über 55 Millionen Euro.
Drei Jahre lang heftete sich die Kripo an die Fersen eines professionellen Betrugs-Netzwerks am Bau. Mafiöse Firmen sollen in betrügerischer Absicht Steuern und Abgaben hinterzogen, sowie Gläubiger geschädigt haben. Die Verdächtigen stammen vorwiegend aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Die Kriminellen beschäftigten mehr als 755 Arbeitnehmer in einem internationalen Netzwerk aus mehr als 30 Scheinfirmen. Durch illegale Preisabsprachen, Steuerhinterziehung sowie Hinterziehung von Sozialabgaben beläuft sich die vorläufige Schadenshöhe laut Polizei auf mehr als 55 Millionen Euro.

Geld über Scheinfirmen verschoben

Arbeiter aus Billiglohnländern wie Bulgarien, Rumänien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei wurden bei inländischen Scheinfirmen gemeldet. Die An-bzw. Ummeldung der Beschäftigten, sowie die Auftragsvergabe und die Rechnungsabwicklung erfolgte über Mittelsmänner in Österreich. Die Rechnungsgelder wurden auf ausländische Konten überwiesen, dort allerdings von den Betrügern abgehoben und teils wieder in Form von Bargeld nach Österreich rückübermittelt ("Kickback-Zahlungen"). Die Ermittlungen ergaben zudem, dass die Arbeiter in den Entsendestaaten nicht sozialversichert waren bzw. gefälschte Dokumente vorlegten.

CommentCreated with Sketch.14 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Beschäftigte mussten auf Baustellen schlafen

Die Arbeiter im Alter zwischen 20 und 60 Jahren lebten zum Großteil ganzjährig in Wien. Gegen sehr geringen Lohn arbeiteten die Männer auf diversen Baustellen und wohnten unter menschenunwürdigen Umständen in Massenquartieren oder direkt auf den Baustellen.

19 Hausdurchsuchungen allein in Wien

Am 26. September erfolgten nun insgesamt 24 Hausdurchsuchungen, 19 davon in Wien, der Rest in Nieder- und Oberösterreich. Sechs Verdächtige wurden festgenommen, zahlreiche Geschäftsunterlagen, Datenträger und Bargeld wurden sichergestellt.

Rund 100 Beamte des Landeskriminalamtes Wien und zahlreiche Mitarbeiter der Finanzpolizei waren im Einsatz. Weitere Einvernahmen sowie die Sichtung der Daten und Unterlagen erfolgen in den nächsten Wochen. (pet)

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