"Kein Baby, dann ließ mich Frau verhaften"

Wahid S. mit Verteidiger Philipp Winkler
Wahid S. mit Verteidiger Philipp WinklerBild: Denise Auer
Wahid S. (27) stand am Dienstag vor Gericht, er soll seine Frau geschlagen haben. Das leugnet er und behauptet, sie habe das erfunden, um sich von ihm scheiden lassen zu können.
Dass ausbleibender Erfolg bei der Kinderzeugung ein Haftgrund sein kann, mag überraschen. Keine Sorge: Es findet sich auch kein entsprechender Paragraf im Strafgesetzbuch – und dennoch behauptete ein Afghane am Dienstag vehement, genau aus diesem Grund im Mai hinter Gitter gewandert zu sein.

"Ich konnte meiner Frau kein Baby schenken, da erfand sie diese fürchterlichen Prügelgeschichten", sagte Wahid S. (27) in Gesprächen mit seinem Verteidiger Philipp Winkler. "In unserer Kultur kann sich eine Frau nicht einfach so von ihrem Mann scheiden lassen. Meine Gattin brauchte daher einen Grund …"

Am Dienstag vor Gericht in Wien bekannte er sich nicht schuldig. "Ich glaube auch, dass in Wahrheit der Trennungswunsch dahintersteckt", sagte Jurist Winkler. Seinem Klienten drohten wegen fortgesetzter Gewaltausübung bis zu 15 Jahre Haft. Laut Anklage soll er seine Frau über Monate regelmäßig geschlagen und mit dem Umbringen bedroht haben. "Ihre Verletzungen müssen ihr beim Umzug passiert sein", rechtfertigte Wahid S. die blauen Flecken der Angetrauten.

CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die erschien zu ihrer Zeugenaussage gleich mit den Scheidungspapieren. Von der ursprünglichen Anklage blieb dank beherzter Verteidigung aber nicht viel über. Urteil: zehn Monate auf Bewährung. Wahid S. wurde sofort enthaftet. Lehrstelle und Wohnung sind dennoch weg.

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(coi)

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