"Liste Pilz"-Chef Kolba: Cannabis dank Oberhauser

"Liste Pilz"-Obmann Peter Kolba verdankt Ex-Ministerin Sabine Oberhauser seine Cannabis-Medizin.
"Liste Pilz"-Obmann Peter Kolba verdankt Ex-Ministerin Sabine Oberhauser seine Cannabis-Medizin.Bild: Helmut Graf
Peter Kolba leidet an einer chronischen Schmerzerkrankung. Die Kasse lehnte Cannabis-Medizin ab – bis Ex-Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser auf den Plan trat.
Rund eine Million Österreicher leiden an Polyneuropathie. Peter Kolba, intermistischer Klubobmann der "Liste Pilz", ist einer von ihnen: "Es hat 2012 begonnen – mit einem bamstigem Gefühl und Brennen in den Zehen", erzählt er. Schnell war klar: Es handelt sich um eine chronische Schmerzerkrankung. "Als Therapie erhielt ich ein Anti-Epileptikum und ein Anti-Depressivum", so der 59-Jährige.

In einem Roman las der Jurist und Politiker von einer alternativen Methode: Cannabis-Medizin: "Die Tropfen hätten mich 600 bis 800 Euro im Monat gekostet. Ich suchte bei der Kasse um Kostenübernahme an, dreimal wurde dies abgelehnt." Schließlich kam Hilfe von unerwarteter Seite: "Nach einer Pressestunde mit Sabine Oberhauser zum Thema Cannabis im Jahr 2015 schrieb ich sie auf Facebook an und erzählte ihr meine Geschichte. Sie setzte sich daraufhin bei der Kasse für mich ein", meint Kolba.

Den Briefwechsel zwischen WGKK und Oberhauser hat er heute noch: "Alle zehn Tage, wenn ich ein neues Rezept bewilligen lassen muss, schickt ihn mein Hausarzt mit. Zur Sicherheit. Man weiß ja nie, welcher Chefarzt gerade Dienst hat."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Bandscheiben-OP als Auslöser

Auch Schmerz-Patient Harald Z. hat eine lange Odyssee hinter sich: "An meinem 35. Geburtstag konnte ich plötzlich nicht mehr aufstehen", erinnert sich der Niederösterreicher. Ein kapitaler Bandscheibenvorfall brachte dem Service-Techniker 2008 eine OP ein, bei der nicht alles glatt lief: "Drei Jahre später wurde ich noch einmal operiert, dabei wurde ein Nerv irreversibel geschädigt", erzählt der 45-Jährige. Danach litt er an Taubheitsgefühlen und heftigen Schmerzen im Lendenbereich, die sich bis in den rechten Fuß zogen.

Schmerz-Patient Harald Z. (45)
Schmerz-Patient Harald Z. (45)


Als Therapie setzten die Ärzte Opiate ein – mit Nebenwirkungen: "Ich litt unter Übelkeit und Schwindel, war untypisch aggressiv", so Harald Z. Die Lösung: Täglich eine Cannabis-Kapsel. Doch die Kasse lehnte die Kostenübernahme (360 Euro für 56 Stück) immer wieder ab. Erst der Auftritt in einer TV-Sendung im vergangenen Jahr brachte den gewünschten Erfolg: "Zwei Monate später hatte ich die Bewilligung." Trotzdem ist der Schmerz nie ganz weg, aber: "Er wird aushaltbarer", meint der 45-Jährige.



US-Studie bestätigt Wirksamkeit von Cannabis

Dass Cannabis bei Multipler Sklerose, bei Übelkeit und Appetitverlust bei Chemotherapien und vor allem bei neuropathischen Schmerzen hilft, geht laut Kolba aus einer Studie der amerikanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2017 klar hervor.

Doch Betroffene erhalten nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenübernahme für Cannabis-Medizin: "Präparate mit dem Wirkstoff THC (psychoaktiv, nur mit "Suchtgift"-Rezept erhältlich) werden bei therapieresistentem Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie, bei therapieresistenten, spastischen Beschwerden bei Multipler Sklerose oder als ultima ratio in der Schmerztherapie bewilligt. Die Kosten für ein Medikament mit CBD (macht nicht abhängig) werden im Einzelfall übernommen, wenn Therapie-Alternativen nicht möglich sind oder nicht zum Erfolg geführt haben", heißt es seitens der Wiener Gebietskrankenkasse auf Nachfrage.

Kolba für Einsatz von Cannabis-Blüten

Bewilligt die Kasse die Kostenübernahme nicht, können die Präparate für Betroffene sehr teuer werden: "Daher brauchen wir eine rasche Liberalisierung des Einsatzes von Blüten. Auf ärztliches Rezept und über Apotheken abgegeben", fordert Kolba.

Der "Liste Pilz"-Obmann will die Regierungsparteien auf einer Enquete im Juni 2018 von einer raschen Reform überzeugen. Ebenfalls im Juni berät die WHO darüber, ob Cannabis nicht besonders geregelt werden könnte. Denn in der UN-Drogenkonvention aus dem Jahr 1961 wird Cannabis als genauso gefährlich wie Heroin oder Kokain eingestuft.

Info für Schmerz-Patienten: Betroffene, denen die Kostenübernahme für Cannabis-Medizin abgelehnt wurde, können sich bei Peter Kolba unter buergerrechte.online melden.

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