9 Jahre nach "Deepwater Horizon" – Folgen fatal

Exakt neun Jahre nach der großen BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko resümiert "Ocean Care" die Spätfolgen für Tiere und Umwelt. Es sieht düster aus.
Am 20.4.2010 explodierte im Golf von Mexiko die Bohrinsel des Ölkonzerns BP "Deepwater Horizon". Der Unfall gilt als die größte Ölkatastrophe in der Geschichte der USA. Elf Arbeiter, hunderttausende Meeresbewohner und Vögel starben an den direkten Folgen. Der Ölteppich ist weg - Meeresboden und Küsten sind jedoch bis heute verseucht, wie Proben zeigen.

Auf den Tag genau neun Jahre nach dem Unfall nimmt die Meeresschutzorganisation Ocean Care die Katastrophe zum Anlass, um über die Spätfolgen der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zu informieren.

Delfin-Massensterben, Öl in Pelikan-Eiern, weniger Nachwuchs



Der gigantische Ölteppich, der sich über tausende Quadratkilometer erstreckte, war sogar aus dem All zu sehen. Das Öl ist heute nicht mehr sichtbar. Untersuchungen von Tieren, Wasser und Boden zeigen jedoch, die Folgen dauern bis heute an und sind akut:

CommentCreated with Sketch.16 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Ölpest löste laut Ocean Care das größte Delfin-Massensterben der Region aus. Bis heute ist die Sterberate bei Delfinen erhöht, die Fortpflanzungsrate sinkt jedoch. Ähnlich düster sieht es bei der vom Aussterben bedrohten Karibischen Bastardschildkröte aus. Über 60.000 Tiere verloren durch die Ölpest ihr Leben. Die Zahl ihrer Nester nimmt bis heute ab.

Bei Wasservögeln sieht es nicht besser aus. Schätzungen zufolge sollen rund 600.000 bis 800.000 Tiere gestorben sein. Am heftigsten hat es dabei die Aztekenmöwe erwischt - ihre Population im nördlichen Golf von Mexiko ist seither um fast 40 Prozent eingebrochen, berichtet Ocean Care.

In der Bildergalerie oben finden Sie ausgewählte Beispiele von Tierarten, die unter den Folgen der Ölkatastrophe bis heute leiden. Klicken Sie sich durch.

Deepwater Horizon – wichtige Fakten



Die Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" bohrte unter dem Meeresboden in einer Tiefe von 1522 Metern nach Öl. Es kam zu einer Explosion, die Plattform sank, Gas und Öl flossen rund drei Monate ungehindert ins Meer – laut Ocean Care insgesamt 700 Millionen Liter davon. Das sind in etwa so viel Liter Öl wie in 280 Olympische Schwimmbecken passen.Der verantwortliche Ölkonzern BP musste wegen grober Fahrlässigkeit bisher über 50 Milliarden US-Dollar Strafe zahlen. Trotz der enormen ökologischen Gefahr werden Tiefseebohrungen weltweit gefördert.

An der Technik habe sich seit der Ölkatastrophe vor neun Jahren jedoch nicht viel verändert, erklärt Nicolas Entrup im Gespräch mit "Heute". Er ist seit 25 Jahren im internationalen Tier-, Arten- und Umweltschutz tätig, Gründer der Agentur Shifting Values und Berater der Meeresschutzorganisation Ocean Care.

„In 1500 Metern Tiefe ist man komplett hilflos, wenn etwas schief geht"
, warnt Entrup. Weitere Ölkatastrophen seien vorprogrammiert. Gebohrt wird dennoch weiterhin. Nicht nur im Golf von Mexiko, vor den Färöer-Inseln oder in australischen Gewässern, sondern auch im europäischen Raum.

Ölkonzerne wollen im Hellenischen Graben bohren (Griechenland)



Im Mittelmeer wird intensiv nach Öl gesucht, berichtet Entrup. Ölkonzerne hätten es aktuell auf den Hellenischen Graben südwestlich von der griechischen Insel Kreta abgesehen. Mit 5000 Metern ist er die tiefste Region im Mittelmeer. Zudem ist er der Lebensraum bedrohter, tieftauchender Walarten wie dem Pottwal oder Schnabelwal. "Mehrere Anträge von Ölfirmen liegen vor, um in dem Gebiet nach Öl zu suchen", informiert Ocean Care. Darum fordern die Meeresschutzorganisation und der WWF die griechische Regierung auf, den Hellenischen Graben unter Naturschutz zu stellen und den marinen Lebensraum vor Ölkonzernen zu schützen. Nicolas Entrup rechnet damit, dass Griechenland noch im Jahr 2019 zu einer Lösung kommen wird. (mp)

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