Arzt ließ Sportler gratis "Schnupper-Dopen"

Die Aufarbeitung der "Operation Aderlass" ist voll im Gange. Chefermittler Dieter Csefan zieht Vergleiche zur Mafia – und präsentiert neue Details.
Vor zwei Wochen platzte die Doping-Bombe. Bei einer Razzia in Seefeld und Erfurt (D) sprengten Ermittler ein weltweit aktives Doping-Netzwerk. Kopf der kriminellen Bande soll der deutsche Mediziner Mark Schmidt sein, der in München in Untersuchungshaft sitzt.

Dieter Csefan, der die "Operation Aderlass" genannte Polizei-Aktion leitete, gab am Montag neue Einblicke. Der Chefermittler verglich die Machenschaften des Arztes mit jenen der Mafia. "Es gibt Parallelen. Man ist arbeitsteilig vorgegangen, jeder in der Organisation hatte seine Aufgabe: die Blutbeutel von A nach B bringen, die Transfusionen setzen und so weiter. Ziel war es, sich illegal zu bereichern."



CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Spannend: Die noch laufenden Ermittlungen deuten darauf hin, dass Schmidt und seine Komplizen nicht nur bei der nordischen WM in Seefeld, sondern seit mehreren Jahren "weltweit bei internationalen Wettbewerben und Großveranstaltungen" anwesend waren.

Es sei daher naheliegend, dass in absehbarer Zeit neue Doping-Fälle an die Öffentlichkeit kommen. Schmidt werde in den kommenden Tagen in Deutschland verhört – im Beisein von Csefan.



Besonders dreist sei vor allem das Anwerben neuer "Patienten" gewesen. "Die Athleten sind von ihm (Schmidt, Anm.) und seinen Komplizen zu Doping-Anwendungen, die zu Beginn kostenlos waren, aufgefordert worden. So wurden sie gelockt und als Kunden lukriert", berichtet Csefan. Zudem wurde mit Sportlern geworben, die nach dem Blutdopen neue Profi-Verträge erhielten.

Fünf heimische und drei internationale Sportler flogen im Rahmen der "Operation Aderlass" bereits auf. Geht es nach NADA-Geschäftsführer Michael Cepic, wird die Liste demnächst länger. "Ich gehe davon aus, dass weitere Verfehlungen ans Tageslicht kommen." Schließlich sei nicht davon auszugehen, dass derlei "krimineller Professionalismus für eine Handvoll österreichischer Athleten" betrieben worden sei.

Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, werden Details wie Sportarten und Nationalitäten, die im Visier der Kriminalisten sind, nicht genannt.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (ee)

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WienNewsSportHeinz-Christian Strache

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