Cannabispflanze: Was kann sie, wann schadet sie?

Viel Zoff sowie eine mächtig undurchsichtige Rechtslage rankt sich um die umstrittene Cannabis-Pflanze. Darüber hinaus könnte vieles davon, was aktuell per Gesetz erlaubt oder verboten ist, sich in der nahen Zukunft wieder ändern, denn Anfang Januar hat sich eine neue Koalition formiert.
Viel Zoff sowie eine mächtig undurchsichtige Rechtslage rankt sich um die umstrittene Cannabis-Pflanze. Darüber hinaus könnte vieles davon, was aktuell per Gesetz erlaubt oder verboten ist, sich in der nahen Zukunft wieder ändern, denn Anfang Januar hat sich eine neue Koalition formiert.Bild: pixabay.com © rexmedlen (CC0 Public Domain)
Österreichweit betreiben 300 Firmen legales Cannabis-Gewerbe und sichern bis zu 1.500 Arbeitsplätze. Doch wo verläuft die Linie zwischen einem legalen Gewerbe und der Suchtmittelgewinnung?
Cannabis. Umstritten, vieldiskutiert und erneut kurz vor dem Umbruch?

Der Wirtschaftsverband Cannabis Austria versteht sich als Sprachrohr einer ganzen Branche, die – mit Blick auf diese Zahlen – gar nicht so unscheinbar zu sein scheint. 300 Betriebe sind in Österreich registriert und haben damit ein ganz legales Cannabis-Gewerbe.

Etwa 1.500 Arbeitsplätze gibt es dort bereits heute, Tendenz steigend. Und auch der Jahresumsatz ist mit 250 Millionen Euro beträchtlich. Grund genug das Thema Cannabis in Österreich einmal von allen Seiten zu beleuchten und die wichtigsten Fragen zum Thema zu beantworten.

Exkurs: So ist die aktuelle, politische Lage im Land

Aktuell von großer Brisanz ist das Thema Cannabis-Legalisierung nun mehr denn je, denn die jüngste, politische Vergangenheit in Österreich war von Irrungen und Wirrungen geprägt. Brigitte Bierlein wurde nach der Amtsentbindung von Kanzler Sebastian Kurz zur provisorischen Kanzlerin. Allerdings sitzt Sebastian Kurz bereits wieder im Sattel. Der ÖVP-Chef wird erneut Kanzler, der Grünen-Parteichef Werner Kogler wird Vizekanzler. Entschieden hat sich die Koalition von Grünen und ÖVP direkt Anfang Januar.

Der Blick in die neue Koalitionszukunft kann durchaus spannend werden. Denn mitunter haben die Ideen, Meinungen und Bestrebungen der amtierenden Politiker auch Auswirkungen auf das, was an der Cannabis-Front passieren wird.

Besitz, Konsum und Anbau. Wie ist es hier um die Rechtslage bestellt?

Zugegeben, die Gesetzeslage in Österreich ist bezüglich Cannabis nicht zwingend leicht zu durchschauen, deswegen soll an dieser Stelle für Transparenz gesorgt werden: Der Konsum von Cannabis gilt bereits seit vier Jahren nicht mehr als Straftat. Wer als Patient ein Rezept auf Nabilone, Sativex oder Dronabinol, erhält damit Cannabis im Zuge einer Therapie.

Verschrieben wird es häufig Menschen, die an den Folgen von Nervenerkrankungen, MS, Krebs oder Aids leiden. Die Hürden, die für Patienten zu nehmen sind, um Cannabis auf Rezept zu erhalten, sind in der Praxis jedoch noch sehr hoch.

Der private Besitz jedoch kann strafbar sein, wenn die Grenzwerte missachtet werden. Dann drohen Bewährungs- und Freiheitsstrafen sowie verordnete Suchtbehandlungen. Der Verkauf ist im Land auf jeden Fall strafbar. Der Anbau ist nur dann erlaubt, wenn ganz gezielt Wirkstoffe hergestellt werden, die für cannabishaltige Arzneimittel benötigt werden. Laut Gesetz ist es allerdings nur legal, unter der Kontrolle des Gesundheitsministeriums Cannabis anzubauen, die für Forschungszwecke oder Arzneimittel verwendet werden.

Im Privatbereich ist der Anbau nur dann erlaubt, bis der THC-Gehalt der Pflanzen den Grenzwert von 0,3 Prozent übersteigt. Derselbe Richtwert gilt auch für den Anbau von Industriehanf. In der Praxis bedeutet das, dass Cannabispflanzen als Zierpflanzen oder natürliche Lufterfrischer durchaus legal sind; der Kauf und der Versand von Cannabissamen ist aktuell erlaubt.



Der Versand von Samen ist nicht strafbar. Angepflanzt darf Cannabis nur werden, wenn der Grenzwert von 0,3 Gramm THC nicht überschritten wird. Wird nach der Blütezeit geerntet, könnte aber genau das passieren. Foto: pixabay.com © rexmedlen (CC0 Public Domain)

Allerdings ist der Zeitpunkt der Ernte entscheidend, denn vor der Blütezeit liegt der THC-Gehalt in der Regel unter dem Grenzwert von 0,3 Prozent, was bedeutet, dass erst beim Ernten der Blüten der Tatbestand der Suchtmittelgewinnung im Raum stehen kann. Seit 2018 gilt allerdings wieder das Verbot, CBD in Kosmetikartikeln oder gar Lebensmitteln zu vertreiben.

Wirtschaftsfaktor Hanf. In Niederösterreich liegt die Katastralgemeinde Hanfthal

Kommunalpolitisch gehört die Gemeinde zur Staat Laa an der Thaya. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass bereits bei der ersten Erwähnung im Jahr 1149 der Hanfanbau in Verbindung mit der Gemeinde genannt wurde. Mittlerweile hat sich der Hanf zum Leitbild der kleinen Gemeinde entwickelt, zumindest in touristischer Hinsicht. Ein Hanferlebnispfad lädt zur Erkundung ein, der Hanfwirt serviert schmackhafte Hanf-Spezialitäten und sogar eine kleine Hanf-Erlebnistour gibt es im Ort. Die Dorfgemeinschaft selbst tickt hanflos normal – so wie viele österreichische Gemeinden eben auch.

Gegen Nutzhanf spricht im Übrigen aktuell noch nichts. Wäre dies der Fall, müsste sich die niederösterreichische Gemeinde Hanfthal auch ein neues Selbstverständnis zulegen. Bereits im Jahr 1149 wurde der Hanfanbau in Zusammenhang mit diesem Ort erwähnt.Foto: pixabay.com © Niksy (CC0 Public Domain)

Acker und Auen, Gastronomie und Dorferneuerung sowie Vereine und Dorfgemeinschaft stehen hier eigentlich im Fokus, obgleich die Touristen natürlich nicht aufgrund der Normalität nach Niederösterreich pilgern, sondern wegen der außergewöhnlichen Hanf-Lastigkeit des Ortes. Im Fokus steht allerdings ausschließlich Industriehanf, also die Form von Cannabis, die unter 0,3 Prozent THC enthält und damit auch legal im Land angebaut werden darf. Produziert wird der Nutzhanf hier für Ölsaaten, Baustoffe, Textilien und, um die Hanftechnologie voranzutreiben.

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