Elektrosmog: Was ist wirklich dran?

Überall wo Funkwellen oder Strom fließen, gibt es elektromagnetische Wechselwirkungen - genannt Elektrosmog.
Überall wo Funkwellen oder Strom fließen, gibt es elektromagnetische Wechselwirkungen - genannt Elektrosmog.Bild: pixabay.com/music4life
Wo Strom und Funkwellen fließen, ist der Elektrosmog angeblich nicht weit und er wird für eine Menge Erkrankungen verantwortlich gemacht. Doch: Gibt es die unsichtbare Bedrohung überhaupt?
"Schutz vor Elektrosmog". "Elektrosmog-Messgeräte". "Schützen Sie sich, bevor es zu spät ist". Tippt man in die Google-Suche den Begriff ein, könnte man nach Blick auf die Suchergebnisse fast glauben, dass es sich beim Elektrosmog um die tödlichste Gefahr seit Tschernobyl handelt.

Ob Handy neben dem Bett oder Atommüll-Endlager nebenan, das scheint so manchem von der Gefährlichkeit her aufs Gleiche herauszukommen. Doch was ist eigentlich Elektrosmog? Gibt es ihn überhaupt? Und wenn ja, ist er wirklich gefährlich?

Was ist Elektrosmog?

Das Problem ist, dass Elektrosmog kein definierter Begriff ist. Eine grobe Einteilung lässt sich aber folgendermaßen herleiten: Bei aller Elektrotechnik um uns herum, ob das nun die Deckenlampe oder das WLAN ist, geht es prinzipiell um elektrische, magnetische und elektromagnetische Wellen sowie ferner Mikrowellen.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Vereinfacht ausgedrückt strahlt Elektromagnetismus ebenso aus wie unsere Sonne (die strahlt unter anderem im Infrarot-Bereich) oder eben auch Radioaktivität.

Und so, wie zu viel Sonne ebenso schädlich für den Organismus ist wie radioaktive Strahlen, hegen Verfechter der Elektrosmog-Theorie die nicht ganz von der Hand zu weisende These, dass auch elektromagnetische Strahlung in hohen Dosen nicht unschädlich für den Körper ist.

Dabei teilt sich die elektromagnetische Strahlung auf, oder, wie es im Leitfaden "Wohngesund bauen und renovieren" definiert wird:

~ Hochfrequenzstrahlung (HF), die von sämtlichen Handynetzen (GSM, UMTS, LTE…), WLAN, Bluetooth aber auch Radaranlagen abgegeben wird.

~ Niederfrequenzstrahlung (NF), die im Umfeld von stromführenden Kabeln entsteht. Darunter sowohl Haus- wie Hochspannungsleitungen sowie ferner auch Ladegeräte.

Von all dem hat die Menge in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Fanden sich in früheren Haushalten nur Stromleitungen, Radio und Fernseher, so nutzen mittlerweile 85 Prozent aller Österreicher das Internet, besitzen somit also mindestens einen Computer, ein Tablet oder Smartphone – in den meisten Haushalten ist alles vorhanden, oft mehrfach. Und in Wohngebieten überschneiden sich vielfach gleich mehrere WLAN-Netze.

Das alles führt dazu, dass sich die Menge der elektromagnetischen Strahlung – oder eben auch Elektrosmog – um uns herum stark massiert hat.



Handys arbeiten mit Hochfrequenzstrahlung, bei den dazugehörigen Ladegeräten entsteht Niederfrequenzstrahlung. In Massen ist beides nicht gesund. (Bild: pixabay.com © samuelcarreira

Ist Elektrosmog schädlich?

An diesem Punkt muss man die eingangs erwähnte These "die Menge macht's" wieder aufgreifen. Lange Zeit hatte die etablierte Wissenschaft keine tragfähigen Beweise dafür, dass Elektrosmog tatsächlich Schäden am menschlichen Körper verursacht.

Bis Forscher der Universität Wien einen kausalen Zusammenhang zwischen der Handynutzung und einer reduzierten Hirnleistung nachweisen und damit die Verbindung zur Hochfrequenzstrahlung herstellen konnten.

Ein weiteres Indiz: Erst kürzlich bekam ein Italiener, der fast anderthalb Jahrzehnte lang beruflich täglich mit dem Handy telefonierte, eine Anerkennung als Berufsgeschädigter – in seinem Kopf war ein gutartiger Tumor entstanden.

Aber, das unterstrichen auch die Untersuchungen am Rande des langen Gerichtsprozesses, der zu der Anerkennung führte: Auch hier ist die Übermäßigkeit schuld gewesen.

Ähnliche Indizien gibt es auch seit Jahrzehnten immer wieder bei Menschen zu beobachten, die in der Nähe großer Hochspannungsmasten leben oder daran arbeiten.

In Österreich gibt es keine gesetzlichen Mindestabstände, die Wohnhäuser zu solchen Freileitungen halten müssten. So urteilte der oberste Gerichtshof:

"Die Hochspannungsleitung sei in einer Entfernung von 20 m zum Grundstück des Klägers geführt. In einer solchen Entfernung bestünden keine Einflüsse […] mehr auf den menschlichen Organismus. Die Ermittlung der elektrischen Feldstärke dieser Hochspannungsfreileitung […] ergebe, daß diese […] beim Hause des Klägers, also ca. 30 m entfernt von der Mittelachse der Leitung, bei 220 kV 0,5 bis 0,7 kV/m und bei 380 kV 0,7 bis 1,0 kV/m betrügen. Untersuchungen der WHO hätten ergeben, daß elektrische Felder bis 20 kV/m keine Gefahren für die menschliche Gesundheit brächten".

Tatsache ist jedoch: In anderen Ländern gibt es sehr wohl Abstandsvorschriften und zudem eine anerkannte Rechenformel "Pro kV Leistung der Freileitung ein Meter Abstand".

Zwar gibt es nach wie vor noch keine endgültige wissenschaftliche Aussage, jedoch deuten sämtliche Indizien daraufhin, dass auch diese Strom-bedingte Niederfrequenzstrahlung durchaus schädliche Auswirkungen bei langfristiger Exposition haben kann.

Aber:Alarm-Meldungen über "hunderte Krebsfälle" in dichtbesiedelten Gebieten sind ins Reich der Legenden einzustufen.

Die Internationale Organisation für Krebsforschung stuft NF- und HF-Strahlung auf ihrer Skala nur als 2b – möglicherweise krebserregend ein. Das ist die zweitniedrigste Bewertungsstufe vor wahrscheinlich nicht krebserregend und dazu gehört beispielsweise auch Bitumen (Bestandteil von Asphalt) oder Nickel, das in vielen Schmuckstücken steckt.



WLAN- und Mobilfunkgeräte sollte man schon deshalb aus dem Schlafzimmer verbannen, weil ihr Elektrosmog den Schlaf verschlechtert. (Bild: pixabay.com/KristopherK)

Alles nur Panikmache?

Definitives NEIN! Denn ein gewisses Restrisiko für Krebs ist durch Elektrosmog eben erwiesenermaßen vorhanden. Und: je mehr, desto höher. Da sollte einem eigentlich keine Vermeidungsstrategie zu aufwändig sein.

Zudem ist es ebenso erwiesen, dass Elektrosmog auch "harmlosere" Auswirkungen hat:

~ Hormonstörungen

~ Schlafprobleme

~ Unspezifische Schmerzen

~ Schwindel

~ Chronische Müdigkeit

Um nur einige zu nennen. Vollkommen abtun sollte man das Thema also keinesfalls, sondern aktiv dagegen vorgehen.

Was tun gegen Elektrosmog?

Was tut man, wenn einem die Sonne zu stark auf den Kopf scheint? Man geht in den Schatten. Und ganz genauso verhält es sich auch beim Schutz gegen Elektrosmog. Nur dass der Schatten in diesem Fall aus "abschalten" besteht.

~ Bei häufigem Telefonieren die Freisprecheinrichtung benutzen

~ Nicht benutzten Elektrogeräten den Stecker ziehen

~ Sendeleistung des WLAN-Routers drosseln

~ Keine Geräte, die im Mobilfunknetz hängen, beim Schlafen direkt neben dem Kopf lagern

~ Installation von Netzabkopplern im Sicherungskreis des Schlafzimmers, die den Wechsel- in (unbedenklicheren) Gleichstrom umwandeln, sobald dort keine Geräte laufen

~ Einsatz von abgeschirmten Kabeln

~ Verwendung von Bluetooth und Co. nur wenn sie benötigt werden

In der Summe sorgen diese Maßnahmen schon für stark reduzierten Elektrosmog. Doch wer mehr will, sollte erst einmal einen Fachmann beauftragen, der die Werte zuhause ermittelt und basierend darauf weitere Handlungsempfehlungen gibt.

Fazit

Auch wenn Elektrosmog keine Radioaktivität ist und Panik unangebracht wäre, ist es doch unstrittig, dass er schädlich ist. Vermeiden sollte man ihn auf jeden Fall. Denn auch hier gilt: Jedes Bisschen weniger ist schon hilfreich.

(ib)
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