Fünf Männer nach Eingriff impotent, Arzt vor Gericht

Ralf Herwig in der ZiB
Ralf Herwig in der ZiBScreenshot ORF
5 Männer sollen durch seinen Eingriff die Manneskraft verloren haben, dafür muss Operateur Ralf Herwig nun vor Gericht. Es gibt auch andere Vorwürfe.

Medizinischer Tausendsassa oder bloß Aufschneider? Auf Youtube und im Internet findet man über Mediziner Ralf Herwig (56) zahlreiche wissenschaftliche Leistungen, moderne Operations-Methoden, Adressen in Wien, Baden und sogar Dubai. Nach dem Medizinstudium hatte der jetzt 56-Jährige in Innsbruck, dann im Wiener AKH und vor rund zehn Jahren schließlich als assoziierter Professor an der andrologischen Ambulanz ("Männerarzt") gearbeitet.

Drei Patienten brachten sich um

Der Urologe soll Männern mit Potenzstörungen mit einem 20-Minuten-Eingriff Heilung und sogar als Onkologe Frauen, darunter einer deutschen Star-Moderatorin (†41), Linderung bei Krebs versprochen haben. Die Journalistin und Moderatorin erlag schließlich 2016 ihrem Krebsleiden (Anm.: ist nicht Gegenstand der kommenden Verhandlung).

Eine häufige Verdachtsdiagnose des Mediziners: venöses Leck. Bei fünf Männern, darunter ein Uni-Lektor (56), soll beim Eingriff so ziemlich alles schief gegangen sein. Drei Patienten begingen nach den Behandlungen Suizid. Ein Opfer dokumentierte sein Leiden per Tagebuch, äußerte darin seine Wut auf den Operateur. Ein 36-Jähriger aus Niederösterreich mit leichten Errektionsstörungen bezahlte für den schnellen Eingriff über 3.000 Euro und ist jetzt impotent.

Millionendeal bei Coronatests

Der Eingriff des Arztes heisst Sklerosierung: Am Glied wird ein Schnitt vorgenommen und ein Venenverödungsmittel gespritzt. Auch bei einem "Agent provokateur", der als Patient mit angeblichen Erektionsstörungen beim Arzt vorstellig geworden war, diagnostizierte der Mediziner laut Staatsanwaltschaft fälschlicherweise ein venöses Leck. 

Unabhängig davon soll der vierfache Vater aus Westfalen illegale Arzneimittel verkauft haben, die AGES ermittelte, Herwig bekam 3.000 € Strafe (nicht rechtskräftig). Das Landesverwaltungsgericht muss jetzt entscheiden.

Prozess diese Woche

Zuletzt war der Urologe als Chef einer Testfirma in die Schlagzeilen geraten. Er hatte - ohne Ausschreibung - vom Land Tirol einen Millionenauftrag bekommen. Er war, kurz gesagt, Chef der fahrenden Labore in Tirol. Auch hier könnte es Ungereimtheiten geben. Das Land Tirol wusste angeblich von den ganzen Vorwürfen nichts.

Die Ärztekammer soll von den obigen Fällen gewusst haben, hätte den Aktionsradius den Mediziners deutlich einschränken können. Diese Woche muss der Mediziner wegen schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen und Betruges in Wien vor Gericht. Der „Wunderdoktor“ selbst spricht von einer Hexenjagd. Es gilt die Unschuldsvermutung

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