Krisper: "Damen müssen 'Arsch' sagen können"

Stephanie Krisper hat sich für ihren "Oasch"-Sager entschuldigt.
Stephanie Krisper hat sich für ihren "Oasch"-Sager entschuldigt.picturedesk.com
Nach ihrem Sager im Ibiza-U-Ausschuss spricht die Neos-Abgeordnete in "Heute" über Korruption, Aktenberge und die Fage, ob sie Kurz für korrupt hält.
von
Gerhard Plott

"Heute": Ilse Huber, die Verfahrensrichterin im U-Ausschuss, trat jetzt zurück, weil sie Ihren "Oasch"-Sager auf sich bezogen hat. Was sagen Sie dazu?

Stephanie Krisper: Das ist ihre persönliche Entscheidung. Ich bedaure sehr, dass sie meine Unmutsäußerung – die im Plural gehalten war – auf sich bezieht. Das war aber überhaupt nicht der Fall, das liegt mir fern. Ich hab’ mich nur unfassbar über die zermürbenden Diskussionen und die ständigen Ausflüchte und "Erinnerungslücken" im Untersuchungsausschuss geärgert. Wir wurden und werden dadurch daran gehindert, Korruption, Postenschacher und Machtmissbrauch zu untersuchen.

Wie würden sie als Juristin einen "Oasch" im U-Ausschuss sanktionieren?

Ich bedaure, dass die Äußerung an die Öffentlichkeit kam, weil ich sie an mich gerichtet habe.

Also Freispruch?

Freispruch. Ich erinnere an ein Wort der Opernball-Lady Lotte Tobisch: "Eine Dame, die nicht Arsch sagen kann, ist keine Dame." Ich habe dieses Wort als Privatperson verwendet, keine Person damit gemeint und daher auch niemanden persönlich beleidigt.

Kanzler Kurz und Minister Blümel sind nicht so ahnungslos, wie sie tun.

Welcher Verdacht hat sich im U-Ausschuss in der letzten Woche erhärtet?

Dass Kanzler Kurz und Minister Blümel nicht so ahnungslos sind, wie sie tun. Es ist keine dauerhaft tragbare Strategie, sich einfach nicht erinnern zu können. DAS ist für mich die wahre Missachtung des Parlaments und der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die diesen U-Ausschuss finanzieren.

Halten Sie Kurz für korrupt?

Das konnten wir bisher nicht nachweisen. Korruption im engeren Sinn ist außerdem eine Frage für die Justiz. Aber er trägt eine politische Verantwortung für viele Missstände, die in diesem Ausschuss zutage treten. Dass ihm "kein besseres Modell" als Postenschacher einfällt, hat er bereits zugegeben. Und weiteren Missständen werden wir im Ausschuss nachgehen – damit sie ein für allemal abgeschafft werden können.

Wie hoch ist der Aktenberg, den Sie für den Ausschuss durcharbeiten mussten?

Riesig. Aus Unmengen von Akten müssen wir rausfiltern, was wichtig für den Ausschuss ist. Der U-Ausschuss nimmt im Moment rund 90 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch.

Ich will nicht, dass meine Kinder zu kurz kommen.

Sie sind Mutter von drei Kindern. Leidet das Familienleben unter ihrem Arbeitsaufwand?

Es ist auf jeden Fall eine Belastung, aber die schlägt sich, wenn, dann auf meine Lebensqualität. Denn ich will nicht, dass meine Kinder zu kurz kommen.

Sind ihre Kinder schon auf den "Oasch" draufgekommen?

(Lacht): Ich hab’s ihnen gleich erzählt, weil es mir selber unangenehm war, dass mir so etwas bei offenem Mikro rausrutscht und ich mit so einem Sager Schlagzeilen mache und nicht mit meiner harten und sachlichen Arbeit. Sie waren sehr überrascht, weil sie solche "verbotenen Worte" von mir nicht gewohnt sind.

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