Kritik an Online-Coachings von TV-Millionär Temmer

Walter Temmer (43, l.) soll bei seinen Online-Coachings fragwürdige Methoden angewandt haben.
Walter Temmer (43, l.) soll bei seinen Online-Coachings fragwürdige Methoden angewandt haben.iStock (Symbolbild), www.danielnagler.com
Bei seinen "Masterclass"-Coachings soll Millionär Walter Temmer (43) laut Konsumentenschützern fragwürdige Methoden angewandt haben.

Walter Temmer (43) protzt nicht nur in der ATV-Sendung "Die Temmers – reich wie Scheich" gerne mit teuren Autos und Luxus-Urlauben in Dubai. Der selbst ernannte "Domain-König" aus der Steiermark machte Millionen, u.a. mit dem Verkauf von Internet-Adressen und wirbt auf seiner Website damit, es vom "schlechtesten Schüler der Klasse zum Multimillionär" geschafft zu haben. Sein Wissen gibt er gerne in Online-Coachings wie der "Masterclass" (wurde im Dezember 2021 eingestellt, Anm.) weiter – allerdings mit sehr fragwürdigen Methoden.

"Beim Abschluss des Vertrages wurden die Kunden überrumpelt und massiv unter Druck gesetzt, über das Rücktrittsrecht wurde nicht richtig informiert, der Erfolg blieb bei vielen aus", erklärt Reinhold Schranz, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Österreich (EVZ). Laut Schranz liegen derzeit rund 60 Beschwerden aus ganz Österreich beim EVZ auf: "Jede Woche erhalten wir vier bis fünf neue Fälle. Die Betroffenen wollten sich etwas dazu verdienen, von Müttern in Karenz über Grundwehrdiener und Studenten bis zur Mindestpensionistin ist alles dabei."

"Beim Verkaufsgespräch wurde die Rarität des Kurses betont und auf eine schnelle Entscheidung gedrängt, ohne Bedenkzeit. Nach dem Motto: 'Jetzt oder nie'" - Reinhold Schranz, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Österreich

Das Vorgehen war dabei immer gleich: Bei einem sogenannten "Bewerbungsgespräch" wurde die aktuelle Lebens- und Arbeitssituation abgefragt: "Damit sollte gezeigt werden: Nicht jeder wird aufgenommen. Hatten die Betroffenen das Gespräch bestanden, wurde ihnen damit ein Erfolgserlebnis suggeriert. De facto wurden dann aber alle Kunden aufgenommen", meint Schranz.

In einem nächsten Schritt wurde dann per Zoom-Link zu einem Verkaufsgespräch geladen: "Hier wurde die Rarität des Kurses betont und auf eine schnelle Entscheidung gedrängt, ohne Bedenkzeit. Nach dem Motto: 'Jetzt oder nie'. Zudem wurde über das Rücktrittsrecht nicht aufgeklärt. Es wurde einfach nur erwähnt, dass auf das Widerrufsrecht verzichtet wird, und das wurde dann live vom Coach im Online-Formular angekreuzt", erklärt Schranz.

Online-Coaching um 3.500 Euro

Da über das Rücktrittsrecht nicht aufgeklärt wurde, sind laut Schranz die Verträge – sie wurden über deutsche Firmen abgeschlossen – ungültig: "Die Betroffenen können das Geld zurückfordern, allerdings nur die Kosten für den Kurs in Höhe von 3.500 Euro. Bisher wurde allen Kunden diese Kosten rückerstattet." Doch bei den Kurskosten blieb es nicht. Denn die Kunden konnten anschließend aus einer "geheimen Liste" Domains kaufen: "Die 'guten' Domains haben so zwischen 15 und 90 Euro gekostet", erzählt Peter V. (Name geändert), der wie viele andere auf schnelles Geld hoffte. 

Anschließend sollten die Domains gewinnbringend veräußert werden – mögliche Kunden wurden per Brief (Kosten: 1,20 Euro/Stück) über das Angebot informiert. "Diese Briefe hat der Kunde aber nicht selbst geschrieben, sondern nur dabei zugesehen, wie sie über eine Maske ausgefüllt wurden", meint Schranz.

"Das Ganze war ein Schuss ins Knie – außer Spesen nichts gewesen" - Betroffener Peter V. (36)

Doch das Vorgehen zeigte bei den Betroffenen keinen Erfolg: "Ich habe rund 500 Euro für Domains und Briefe ausgegeben, aber nur eine einzige Domain verkauft. Und vom Verkaufspreis musste ich Temmer noch eine Provision zahlen. Das Ganze war ein Schuss ins Knie – außer Spesen nichts gewesen", meint Peter V. (36). Sein Verlust: rund 250 Euro. Kritik, dass er sich nicht genug bemüht hätte, lässt der Steirer nicht gelten: "Ich habe wirklich versucht, die Domains an den Mann zu bringen. Aber es hat einfach niemanden interessiert. Es ist nicht so einfach, wie Herr Temmer das Ganze darstellt."

Dass der Verkauf der Domains äußerst schwierig war, bestätigt auch Alexander M. (Name geändert): "Ich habe 500 Euro für Domains und Briefe ausgegeben. In den sechs Monaten, in denen ich dabei war, habe ich keine einzige Domain verkauft", meint der 31-jährige Steirer. Auch Markus G. (Name geändert) ließ sich von Temmers Image blenden: "Die Bilder mit den schnellen Autos und den schönen Hotels in Dubai haben mich beeindruckt. Ich habe unzählige Werbungen für das Online-Coaching bekommen und dachte, ich probiere es." Doch der Erfolg blieb aus: "Ich habe rund 300 Euro für Domains und Briefe ausgegeben, aber keine einzige Domain verkauft. Also habe ich nach zwei Monaten die Ratenzahlung einfach eingestellt", so der 22-jährige Burgenländer. 

"Ich kann ausschließen, dass irgendeine Art von Druck ausgeübt wurde" - Walter Temmer (43)

"Heute" fragte bei Walter Temmer nach – er bestreitet die Vorwürfe: "Ich verstehe die Kritik, lasse sie aber nicht gelten. Nur ein Mini-Teil der Kunden hatte keinen Erfolg. Es gibt hunderte Kunden, die eine oder mehrere Domains verkauft haben. Zudem wird jeder Call aufgenommen. Ich kann daher ausschließen, dass irgendeine Art von Druck ausgeübt wurde", so Temmer. Zudem hätten fast alle Kunden den Verzicht auf das Widerrufsrecht selbstständig angekreuzt. Den hohen Kurspreis rechtfertigt Temmer mit hohen Kosten für das Projekt und, dass "rund 1.000 Stunden Online-Coaching innerhalb von drei Jahren" inkludiert seien. Die Anzahl der bisherigen "Masterclass"-Teilnehmer wollte Temmer nicht bekanntgeben.

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