Integration: Experten sehen positive Ansätze

Am Mittwoch wurde der Integrationsbericht 2019 präsentiert. Vertreter des Expertenrats für Integration kamen dabei zu Wort.
Am Mittwoch präsentierten VertreterInnen des Expertenrats für Integration den Integrationsbericht für das Jahr 2019, in dem Daten aus dem Jahr 2018 verwertet wurden. Auf dem Podium nahmen neben der Leiterin des Expertenrats Dr. Katharina Pabel auch Dr. Gudrun Biffl, Emina Saric (beide Mitgliederinnen des Expertenrats) und Dr. Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria Platz.

Begrüßt wurden die anwesenden Journalisten von Integrationsminister Alexander Schallenberg. Er bezeichnete es als "große Freude", diesen Termin wahrzunehmen und verwies auf den Rückgang der Asylanträge. Auch wenn die Zahl stark gesunken sei, bleibe die Herausforderung gr0ß. Im Anschluss an seine Grußworte verabschiedete sich der Minister zum zeitgleich stattfindenden Ministerrat.



CommentCreated with Sketch.7 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Leiterin des Expertenrats, Dr. Katharina Pabel, stellte dann den neunten Integrationsbericht in groben Zügen vor. Dieser bestehe aus zwei Teilen. Zum einen aus dem Integrationsmonitoring, wo relevante Zahlen und Fakten gesammelt und ausgewertet wurden. Der zweite Teil beziehe sich auf vom Expertenrat selbst gesetzte Schwerpunkte.

Zahlen und Fakten



Pabel strich einige positive Entwicklungen in der Integration hervor. So habe es einen Anstieg von Personen mit Migrationshintergrund in Beschäftigungsverhältnissen gegeben. Davon seien auch Personen betroffen, die im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 und auch später nach Österreich gekommen waren.

Die gute wirtschaftliche Lage habe auch dazu geführt, dass es insgesamt zu einem Rückgang der Anzahl von Beziehern der Mindestsicherung von sechs Prozent gekommen ist. Bei Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft habe es einen Rückgang um ganze zehn Prozent gegeben, wohingegen es bei Personen mit Migrationshintergrund zu einer Zunahme von einem Prozent gab.

Die größte ausländische Gruppe von Beziehern der Mindestsicherung seien Syrer, gefolgt von Afghanen.

Dr. Stephan Marik-Lebeck von der Statistik Austria verwies auf den Anstieg von Personen mit Migrationshintergrund. Seit 2013 gab es hier eine Zunahme von rund 400.000 Personen, das entspricht rund 23 Prozent der gesamten Bevölkerung. Gudrun Biffl sagte, dass es 2018 zu 13.746 Asylanträgen gekommen sei. Damit befinde man sich ungefähr auf dem Niveau von 2011. Zur Einordung: 2015 wurden in Österreich mehr als 88.000 Asylanträge gestellt.

Problematisches Frauenbild



Auch Biffl bezog sich auf die gute Wirtschaftslage in Österreich, wo im Vorjahr die Arbeitslosigkeit deutlich gesunken ist. Dass die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund entgegen des österreichweiten Trends nicht so stark gesunken ist, erklärt die Expertin durch den "signifikanten Anstieg" von arbeitsfähigen Migranten.

Die Arbeitslosigkeit bei Personen mit Fluchthintergrund bewegt sich in unterschiedlichen Gruppen zwischen 30 und 40 Prozent. Auch wenn diese Zahlen extrem hoch erscheinen, so spricht Biffl hier von einem "massiven Rückgang".

Professorin Emina Saric schließlich sprach über das Frauenbild und die Problematik, die mit unterschiedlichen Wertvorstellungen einhergehe. So würden viele Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund im privaten Umfeld in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Das betrifft sowohl den Zugang zu Bildung, als auch den Zugang zum Arbeitsmarkt. Aber auch in der Wahl des eigenen Partners sind viele Frauen nicht frei. In diesem Zusammenhang sprach Saric vom "problematischen" Konzept der Ehre. Die Aufrechterhaltung dieser würde von den Frauen erwartet. Auf Nachfrage sagte Saric, dass der Staat hier schon viel tue. Wichtig sei vor allem die Sensibilisierung und die Weitergabe von Informationen an die Akteure, welche Regeln es in der Aufnahmegesellschaft zu beachten gebe.

Es bleibt viel zu tun



Als Conclusio wies Pabel erneut daraufhin, dass zwar einerseits die Anzahl von Asylanträgen rückläufig sei. Weil aber andererseits Integration ein langjähriges Projekt sei, sei die Gruppe der zu Integrierenden in den letzten Jahren gewachsen. Ihr Appell richte sich an die Medien und die Gesellschaft, in dieser Debatte sachlich und evidenzbasiert zu agieren.

(mr)

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