Koksparty bei Promi-Wirt Ho – das Kripo-Verhör

Ein Insider-Tipp führte zur Drogen-Razzia im Nobel-Lokal "Dots" in Wien-Döbling. Im Fokus der Ermittler: ein Kaufhaus-Erbe. "Heute" hat das Polizeiprotokoll und weiß, was Martin Ho sagt.
Freitagabend in Wien-Döbling. Die Sonne geht über Nussdorf gerade unter, als ein millionenschwerer Kaufhaus-Erbe und Immo-Experte sein Stammlokal in der Kahlenberger Straße betritt. Zwei Köche sind dort zugegen, um asiatische Speisen für diverse Lieferdienste zuzubereiten. Kellner sind ebenso wenig da wie der Hausherr Martin Ho. Dessen Eltern wohnen über dem Restaurant in der Nobelgegend und bekommen nicht mit, dass sich der wegen der Corona-Maßnahmen derzeit geschlossene Gastronomiebetrieb zusehends füllt, mit mehr als 20 Personen.

Der Insider Tipp



Die illustre Gästeschar – fast durchwegs aus der besseren Wiener Gesellschaft – hat kaum Platz genommen, das Sushi steht noch nicht einmal auf dem Tisch, da verschaffen sich ungebetene Gäste forsch Zutritt zum "Wohnzimmer", wie der abgetrennte Bereich genannt wird, in dem sonst Martin Ho diniert. Wega-Beamte springen über den Zaun; über den Haupteingang stürmen Polizisten der Bereitschaftseinheit samt Hundestaffel das "Dots". Ein Leopoldstädter Wachzimmer hat zuvor einen Insidertipp entgegengenommen. Ein Drogendealer, der sonst in einer City-Diskothek kriminell Kasse machen soll, schmeiße Freitagabend eine Coronaparty mit Suchtgift – im "Dots" – wurde ihnen diktiert. Die Neugier der Beamten, die die letzten Wochen vorrangig damit zugebracht haben, im Streifendienst Präsenz auf der Straße zu zeigen, war geweckt. Sie bieten also eine ganze Armada auf und rasen nach Döbling.

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21 Gäste, aber keine Polit-Prominenz



Politgrößen treffen sie dort ebenso wenig an wie den Hausherren, ein gewisser Martin Ho. Der Besitzer von "VIE i PEE", "Club X", "Pratersauna" sowie der "Dots"-Gruppe habe, so sein Anwalt Nikolaus Rast, zu der vorgerückten Stunde (Freitag, 20.00 Uhr) bereits geschlafen. Während der Society-Liebling selig daheim schlummert, stellt die Polizei Kokain, MDMA und Cannabis sicher und zählt 21 Gäste sowie zwei Kellner bei der illegalen Sause.



Ein Herr muss die Beamten begleiten. Es handelt sich um das Geburtstagskind, einen Kaufhaus-Erben und Immo-Experten. Der soeben 37 Gewordene gesteht im Kripoverhör auch sofort: "Ich konsumiere seit circa vier Jahren Cannabis und Kokain – circa alle 14 Tage." Gleichzeitig beteuert er aber: "Ich fühle mich nicht süchtig." Woher er den "Stoff" denn beziehe, wollen die Drogenfahnder wissen. Antwort: "Ich kaufe das Suchtgift von verschiedenen Leuten in der Straßenszene. Ich verkaufe keine Suchtmittel."

"Ich verdiene genug Geld …"



Ob er der gesuchte Drogendealer sei, der in der noblen City-Diskothek Unterhaltungschemie unter das Partyvolk bringe, bleibt an diesem Freitagabend offen. "Ich bin öfter Gast dort", gibt der Verdächtige zwar zu Protokoll, schränkt aber ein: "Ich habe noch nie Suchtmittel verkauft. Ich verdiene genug Geld, um mir den Konsum leisten zu können und habe das nicht notwendig."

Bleibt noch zu klären, warum er sich mit 20 Freunden und einer Menge Drogen ("nur für den Eigengebrauch") Samstagabend im "Dots" traf – und wer ihm hierfür die Erlaubnis erteilte. Der Millionen-Erbe: "Ich habe heute Geburtstag. Aus diesem Grund wollte ich für meine Freunde eine kleine Party schmeißen. Geplant waren zehn Personen, weil ich weiß, dass ab heute zehn Personen zusammen kommen können. Weil einige Leute noch jemanden mitgenommen haben, wurden es dann 20 Personen. Ich wollte nicht unhöflich sein und Leute wieder heimschicken."



Promi-Verteidiger Nikolaus Rast: "Ho wusste nichts"

Ob Essen vom Lokal serviert worden wäre, "möchte ich nicht sagen", so der Promi-Spross. Nachsatz: "Genauso möchte ich nun nichts dazu sagen, mit welchen Vertretern des Lokals ich die Feier vereinbart habe." Besitzer Martin Ho sei es auf jeden Fall nicht gewesen, stellt Ho-Anwalt Nikolaus Rast gegenüber "Heute" klar: "Mein Klient wusste davon rein gar nichts. Die Sache wird interne Konsequenzen nach sich ziehen, das ist ja logisch." Für alle genannten Personen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Clemens Oistric





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