Mörbisch-Krimi: Parfüm-Fetischist spricht von Mafiamord

Toter Staatsbuchhalter: Niklas S.
Toter Staatsbuchhalter: Niklas S.Thomas Lenger, privat (Montage: "Heute")
Der Tod eines hochverschuldeten Buchhalters wird immer mysteriöser. Ein Parfüm-Fetischist in U-Haft bestreitet die Tat und bringt die Mafia ins Spiel.

Das riecht nach längeren Ermittlungen! Wie berichtet, verhaftete die Kripo nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Staatsbuchhalters in der Vorwoche einen dringend tatverdächtigen Niederösterreicher. "Heute" erfuhr nun, dass der 28-jährige Kevin A. das Opfer über eine Onlineplattform kennengelernt hat – weil beide die Leidenschaft für Parfüms teilten und Flakons getauscht haben. "Ich habe Niklas nichts getan", wird Kevin A. in den Verhören nicht müde, seine Unschulds-Duftmarke zu setzen.

Buchhalter notorisch pleite

Fakt ist indes: Der in einem Abwasserkanal in Mörbisch (Bgld.) ermordete Niklas S. war hochverschuldet. Neben seinem Job bei der Bundesbuchhaltungsagentur in Wien war er in der Immobilienfirma seiner Familie tätig; er besaß selbst zwei Häuser, die er vermietete. Darüber hinaus plante er, mit einem Polizisten einen Kfz-Waschplatz in Parndorf zu eröffnen. 

Opfer schichtete Schulden um

Mit seinen Projekten soll sich der blonde Sunnyboy, der eifrig in Fitnessclubs in Wien und Bratislava trainiert hat, finanziell gehörig übernommen haben. Mehrere Zeugen berichteten der Polizei von hohen Geldsummen, die er sich geliehen hat. Zuletzt drehte sich die Abwärtsspirale immer schneller: Niklas S. begann seine Schulden bei diversen Leuten "umzuschichten". Heißt: Um etwa 45.000 Euro bei jenem Polizisten zurückzahlen zu können, mit dem er geschäftlich tätig werden wollte, soll er sich bei Albanern aus seinem Heimatort 60.000 Euro Privatkredit aufgenommen haben; um diesen bedienen zu können soll er wiederum bei einer türkischen Familie Schulden gemacht haben. Einen Teil des Geldes soll er laut dem Polizisten dem nun verdächtigen Kevin A. geborgt haben, der sich als Autofolierer selbstständig machen wollte. Kevin A. bestreitet das.

"Kontakte zur Unterwelt"

Was aber einräumt: Dass er von den Schwierigkeiten von Niklas S. mit den Geldverleihern wusste: "Wir haben uns über eine türkische Familie unterhalten, welche angeblich Kontakte zur Mafia haben soll. Er sollte bis zu einem bestimmten Datum zahlen, sonst würde jemand verschwinden oder vorbeischauen", erinnert sich der 28-Jährige. Selbst der Bruder des Opfers wusste von Kontakten zur Unterwelt. 

Niklas S. liebte schöne Autos. Er starb wenige Tage vor seinem 22. Geburtstag.
Niklas S. liebte schöne Autos. Er starb wenige Tage vor seinem 22. Geburtstag.privat

Begleitschutz bei Aussprache

Am 9.8. schließlich – so die Darstellung des Beschuldigten – stand eine Aussprache mit Albanern bei der Kläranlage in Mörbisch an. Kevin A.: "Er hat mich ersucht, ihn zu dem Treffen zu begleiten. Dort soll es zu einer lautstarken Auseinandersetzung gekommen sein: "Es wurde geschimpft und es wurde immer lauter. Es war nur noch eine Schreierei." Irgendwann will er in Panik geflüchtet sein. Aus Angst, dass es ihm dann genauso wie Niklas S. gehe, habe er nicht die Polizei verständigt. Gut ging es ihm laut seiner Aussage danach aber nicht: "Die Nacht war ein Chaos. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Freund im Stich gelassen habe."

Tod durch fremde Hand

Niklas S., dies kam bei der Obduktion ans Tageslicht, starb wenige Tage vor seinem 22. Geburtstag nach stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf, das Gesicht, das linke Auge und den Unterbauch. Er wurde nach der körperlichen Misshandlung im Abwasserkanal ertränkt. Zwei Handys, der Schlüssel des unweit vom Tatort geparkten GLA-Mercedes seiner Mama, ein Roberto-Cavalli-Shirt, das er trug, eine 8.000-Euro-Rolex sowie einige tausend Euro Bargeld sind verschwunden.

"Es wurde geschimpft und es wurde immer lauter. Es war nur noch eine Schreierei."

Zufall oder nicht: Die Kripo stellte 7.400 Euro ("von meiner Mutter") im Handschuhfach des Verdächtigen Kevin A. sicher. Warum die Scheine nass waren? "Das Geld war auf einem Parkplatz neben meiner Wohnung eingegraben." Aus welchem Grund? "Weil es dort am sichersten ist." Warum er es dann ausgegraben habe? "Ursprünglich hat es geheißen, dass es so viel regnen soll", so der 28-Jährige, für den die Unschuldsvermutung gilt. Nachdem er sich in den Einvernahmen in Widersprüche verstrickt hatte, seine Lebensgefährtin, mit der er ein Kind hat, sein Alibi nicht bestätigen konnte und der Amtsarzt Verletzungen, die von einer Rauferei stammen könnten, diagnostiziert hatte, wurde Untersuchungshaft verhängt.

Star-Anwältin Astrid Wagner: "Das Opfer hatte hohe Schulden bei einer Vielzahl an Menschen. Der Kreis der Verdächtigen ist somit sehr lang."
Astrid Wagner besuchte Kevin A. bereits zwei Mal in der Justizanstalt Eisenstadt.
Astrid Wagner besuchte Kevin A. bereits zwei Mal in der Justizanstalt Eisenstadt.justiz.gv.at, Sabine Hertel (Montage)

Der Niederösterreicher hat mittlerweile die Wiener Promi-Verteidigerin Astrid Wagner engagiert. Sie hat ihren Klienten bereits zwei Mal in der Justizanstalt Eisenstadt besucht. Auf "Heute"-Anfrage sagt Wagner: "Das Opfer hatte hohe Schulden bei einer Vielzahl an Menschen. Der Kreis der Verdächtigen ist somit sehr lang." Da die Ermittlungen erst ganz am Anfang stünden, könne sie über die Aktenlage öffentlich noch nicht sprechen. "Nur so viel: Mein Mandant beteuert in unseren Gesprächen seine Unschuld. Er sagt mir, er könne auch nichts zugeben, was er nicht begangen hat. Ich gehe davon aus, dass die weiteren Ermittlungen – insbesondere im dubiosen Umfeld des Toten – meinen Klienten entlasten werden. Ich halte die Suppe der Kripo für sehr dünn."

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