Prozess: Brüder ließen eigenes Lokal anzünden

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Zwei Brüder wollten sich eine eigene Existenz aufbauen und scheiterten. Mit einem vorgetäuschten Brandanschlag wollten sie mit der Versicherungssumme aus den Schulden raus und scheiterten erneut. Die Urteile: zwei bis drei Jahre Haft.
Für das Brüderpaar liefen die Geschäfte schlecht. Zunächst sollte aus den gepachteten Räumlichkeiten an der Hütteldorfer Straße eine schicke Cocktail-Bar werden. Doch kaum jemand besuchte das Lokal. Danach ging es der 33-jährige Hauptpächter konservativer an und funktionierte die Bar zu einem Kebab-Restaurant um. Das Risiko war groß, 80.000 Euro mussten neu investiert werden. Als die Gäste erneut ausblieben, wuchsen die Schulden. Für Stromrechnungen reichte das Geld nicht mehr aus, die Beträge für die Feuer-Versicherung wurden jedoch weiterhin regelmäßig eingezahlt.

Mit der Versicherungssumme aus den Schulden raus

Das hatte einen guten Grund, denn die Brüder wollten sich durch einen Versicherungsbetrug aus dem Schuldensumpf befreien. Dies zu beweisen, erforderte keiner akribischen Ermittlungsarbeit der Polizei. Der Suchverlauf im Internetbrowser ergab mitunter folgendes: "Brand durch Fritteuse", "Brand durch Zigarette, zahlt Versicherung?" oder "Wie entsteht eine Feuersbrunst?"

Die schlussendlich angewandte Methode war aber simpel: Ein Brandanschlag sollte simuliert werden. Dafür wurde ein Freund (30) der Familie engagiert, der bei den Brüdern zuvor geringfügig beschäftigt war. Der vorgetäuschte Brandanschlag am 21. August scheiterte als der 30-Jährige beinahe im Feuer selbst ums Leben kam.

CommentCreated with Sketch.1 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Es hätte viel schlimmer ausgehen können wie ein Sachverständiger erläuterte: Wären die Fensterscheiben zu Bruch gegangen, hätte die Frischluft den Brand beschleunigt, womit sich das Feuer rasch auf das gesamte Haus übertragen hätte.

Scham und Geständnisse

Die Beweislast war zu erdrückend: „Ich schäme mich einfach nur, dass ich vor Ihnen stehe", so der ehemalige Lokal-Betreiber reuevoll zum Richter. Der jüngere Bruder fügte hinzu, er hätte in seinem Leben zuvor "alles perfekt gemacht". So auch der Brandstifter, dessen Narben immer noch gut erkennbar sind, er nannte seine Tat einen "Lebensfehler"; auch er schämt sich.

Die Urteile: Drei Jahre für den Lokal-Betreiber, davon zwölf Monate unbedingt. Der jüngere Bruder erhielt 30 Monate – zehn unbedingt. Der Brandstifter erhielt zwei Jahre – acht Monate unbedingt. Alle drei Urteile sind rechtskräftig.

(bai)

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