Telefonverbot – hier winkt Mordverdächtiger der Familie

Nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Staatsbuchhalters fand am Freitag ein Lokalaugenschein statt. Der Verdächtige grüßte seine Familie.

Der verworrene Krimi um einen hochverschuldeten jungen Buchhalter, der in einem Entwässerungskanal in Mörbisch (Bgld.) ertränkt wurde, bleibt auch über einen Monat nach dem Tod des jungen Mannes mysteriös. Ein Parfüm-Fetischist sitzt – wie berichtet – seit Mitte August in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Tat jedoch vehement.

Am Freitag wurde Kevin A. – in Begleitung seiner Anwältin Astrid Wagner, der Kripo und Staatsanwältin – zu seinem ehemaligen Zuhause in Niederösterreich gebracht. Die Rückkehr wurde hochemotional: Obwohl ihm die Polizei Handfesseln angelegt hatte, grüßte er seine Liebsten, die auf dem Balkon des Mehrparteienhauses warteten.

Telefonate verboten

Verteidigerin Astrid Wagner sagt gegenüber "Heute": "Mein Klient bleibt dabei: Er ist unschuldig. Es geht ihm in der Haft psychisch mittlerweile sehr schlecht. Die Familie geht ihm wahnsinnig ab – bisher durfte er mit seinen Anverwandten nicht einmal telefonieren. Da die Ermittlungen nach wie vor auf Hochtouren laufen, bewilligte die Staatsanwaltschaft bis dato kein Telefonat aus dem Häf'n."

Toter Staatsbuchhalter: Niklas S.
Toter Staatsbuchhalter: Niklas S.privat

Tausende Euro weg

Niklas S., dies ergab die Obduktion, starb nur wenige Tage vor seinem 22. Geburtstag am 6.8. nach stumpfer Gewalteinwirkung gegen den Kopf, das Gesicht, das linke Auge und den Unterbauch. Er wurde nach der körperlichen Misshandlung im Abwasserkanal ertränkt. Zwei Handys, der Schlüssel des unweit vom Tatort geparkten GLA-Mercedes seiner Mama, ein Roberto-Cavalli-Shirt, das er trug, eine 8.000-Euro-Rolex sowie einige tausend Euro Bargeld sind verschwunden.

Dass die Kripo ausgerechnet beim Tatverdächtigen 7.400 Euro in nassen Banknoten fand, wertete die Polizei als Indiz für seine Schuld. Doch der Verdächtige hatte bei einem Lokalaugenschein in Mannersdorf (NÖ) am Freitag eine abenteuerliche Erklärung. Da es zuletzt viele Einbrüche in Kellerabteile in seinem Ort gab und ihm selbst schon die Reifen seines Autos gestohlen worden waren, wollte er auf Nummer sicher gehen: Sein Erspartes will er im Dickicht vergraben haben. 

Im Internet kennengelernt

Woher er Niklas S. (er war bei der Bundesbuchhaltungsagentur tätig) kannte? "Wir haben uns über eine Onlineplattform kennengelernt, da wir die Leidenschaft für Parfüms teilen und Flakons getauscht haben." Der Tote soll hochverschuldet gewesen sein und laut seinem Bruder Kontakte zur Unterwelt gehabt haben. Ob Kevin A. – im Falle einer Anklageerhebung droht ihm bei Mord lebenslange Haft – mit dieser Version bei den Geschworenen punkten kann, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Für den 28-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung.

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