In Tulln erwachte "das Böse" aus der Winterruhe

Das ist Schildkröterich "Michi". Er wird in ganz Nitzing (Nähe Tulln, NÖ) gleichermaßen geliebt wie gefürchtet.
Das ist Schildkröterich "Michi". Er wird in ganz Nitzing (Nähe Tulln, NÖ) gleichermaßen geliebt wie gefürchtet.©privat
Als sich Lisa Biegler bei einem Hauskauf auf einen besonderen Deal einließ, wusste sie nicht, dass im kommenden Frühjahr "das Grauen" erwachen würde.

Die junge Niederösterreicherin Lisa Biegler war bei der Hausbesichtigung zunächst Feuer und Flamme für den eingewinterten "Michi" im Keller. Die angeblich 1921 geschlüpfte Schildkröte war der ganze Stolz, der verstorbenen Hausbesitzerin und sollte unbedingt auf "seinem" Grundstück im 12-Seelen-Dorf Nitzing bei Tulln (NÖ) bleiben dürfen. Die tierliebe Hundetrainerin überlegte natürlich nicht lange und beschloss den ortsbekannten "Michi" samt Haus zu übernehmen. Doch als im Frühjahr der Schildkröterrich aus seinem Winterschlaf erwachte, zeigte er sein wahres Gesicht.

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"Er ist das pure Böse"

Liebevoll wurde "Michis" Garten auf Vordermann gebracht und auch sein Schlafplatz zu seiner Zufriedenheit gestaltet. Die Landschildkröte genießt Narrenfreiheit und streunt untertags im 800 Quadratmeter Garten umher. Wenn sich Regen ankündigt oder es zu dämmern beginnt, kann "Michi" selbst entscheiden ob er sich in seine isolierte Hütte zurückzieht. Man sollte also meinen, dass die über 100-jährige Schildkröte ein Ausbund an Freude wäre, nicht wahr? Denkste.

Zunächst überlieferten ältere Nachbarn, dass "Michi" auch einmal eine Freundin hatte, die er - nun ja - unter die Erde bringen wollte, weshalb er nach wie vor Einzelgänger ist. Auch sonst sollte man sich dem lauernden Reptil besser nicht nähern, denn er zeigt sich ziemlich bissig. Respekt hat er weder vor dem Rasenmäher, wo er mit großer Vorliebe die Gummireifen verfolgt, noch vor dem 40-Kilogramm schweren Malinois, der sogar seinen geliebten Knochen in der Wiese liegen lässt, um den Platzhirsch nicht zu verärgern. Auch ist er ein wahrer Ausbruchskünstler, der immer wieder einmal in einem Einkaufskorb oder mit Gartenhandschuhen von den ängstlichen Nachbarn zu den Bieglers zurückgebracht werden muss. "Er ist das pure Böse", schmunzelt Biegler über das charakterstarkte Reptil.

Schlapfenliebe

"Meine Crocs sind seine große Liebe", erzählt Biegler und schildert, wie das betagte Reptil die Plastikschlapfen bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter vollstem Körpereinsatz (siehe Video) begattet. "Bestechen kann man ihn auch nur bedingt", meint die Hundetrainerin, die lange Zeit versuchte sich mit Erdbeeren und Melonen in das Herz der Schildkröte zu schmeicheln. "Er frisst sie schon gerne, aber manchmal schnappt er auch absichtlich daneben, um den Finger zu erwischen, das G'frast", lacht Biegler. Auch sollte man niemals barfuß in der Wiese liegen, denn schmerzhafte Bissverletzungen an den Zehen stehen in Nitzing an der Tagesordnung.

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