Wer Böller schießt, sollte sich dieses Video ansehen

Böller und Raketen mögen für viele Tradition zu Silvester sein. Gerade in Ortsgebieten ist das aber verboten und eine Qual auch für die Haustiere.
Tierschützer versuchen, mit einem traurigen Video viele Böller- und Feuerwerkschießer ihre Knallerei überdenken zu lassen. Der Clip zeigt, wie Hund "Charlie" Höllenqualen wegen eines Feuerwerks leidet. Die Ersteller schreiben dazu: "Das zeigt, welche Wirkung Feuerwerke und Böller auf Tiere haben. Und das ist nur ein Hund. Wie vielen es wohl noch so geht?"

"Für Haus- und Wildtiere bedeutet das laute Krachen an Silvester Angst und Stress pur und kann schwerwiegende Folgen haben. Für Wildtiere kann ein Feuerwerk im Bereich von Waldgebieten rund um die Silvesternacht sogar lebensgefährlich sein", appelliert Umweltstadträtin Ulli Sima an die Bevölkerung. Auch der Wiener Forstbetrieb (MA 49) bittet um Rücksichtnahme und fordert dazu auf, Wildtiere und die Natur in der ohnedies beschwerlichen Winterzeit zu schonen und ihnen das Feuerwerk zu ersparen.

"Kann sogar tödlich enden"

Tiere haben ein sehr empfindliches Gehör und nehmen Geräusche noch viel intensiver wahr als Menschen. Ein gutes Gehör ist für die Tiere überlebenswichtig, werden sie doch so rechtzeitig vor Gefahren gewarnt und können fliehen: "Feuerwerkskörper versetzen die Tiere in Panik. Die dadurch verursachte Flucht kann für Wildtiere mit schweren Verletzungen oder sogar tödlich enden", so Forstdirektor Andreas Januskovecz.

Selbst Tiere, die diese Knallerei scheinbar unbeschadet überstehen, brauchen oft Tage und Wochen bis sie wieder in ihr gewohntes Verhalten zurückfinden. Neben dem dringenden Appell der Stadt Wien freiwillig auf Silvesterkracher zu verzichten, weist die Landespolizeidirektion Wien zudem auch heuer wieder ausdrücklich darauf hin, dass die Verwendung von Knallkörpern, Feuerwerksraketen und anderer pyrotechnischer Sätze (ab Kategorie F2) im gesamten Ortsgebiet ausdrücklich verboten ist und auch entsprechend geahndet wird.

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Rückzugsorte schaffen

Wo auch immer man gemeinsam mit seinem Tier Silvester verbringt: Eine Rückzugsmöglichkeit ist wichtig. Hunde versuchen oft, bei ihrem Besitzer Schutz zu suchen, manche Hunde verkriechen sich aber auch beispielsweise unter einem Tisch oder dem Bett. Eine eigene "Sicherheitszone" in Wohnung oder Haus, die dem vierbeinigen Freund vertraut ist und in der er sich ausgiebig mit Kauartikeln und Futterspielzeug beschäftigt, kann sehr beruhigend wirken.

Außerdem empfiehlt es sich laut "Vier Pfoten", die Fenster zu verdunkeln, damit die Lichteffekte nicht in die Räume dringen können. Beruhigende Musik in angepasster Lautstärke dämpft zusätzlich die Geräuschkulisse des Feuerwerks und wirkt den Anspannungen des Vierbeiners entgegen. Auch viele Katzen möchten sich im letzten Winkel verstecken. Daher sollten ihnen auch alle Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung stehen, auch in Räumen, zu denen sie sonst keinen Zutritt haben. Hierzu kann das Schlafzimmer gehören, das einen Zufluchtsort im geöffneten Kleiderschrank bietet.

Normalität vermitteln

Freigänger-Katzen sollten an diesem Tag keinesfalls nach draußen gelassen werden. Zu groß ist die Gefahr, dass sie – aufgeschreckt von dem Lärm – in Panik weit weg laufen. Als vorbeugende Maßnahme rät "Vier Pfoten" Katzenhaltern, ihr Tier auf jeden Fall chippen und registrieren zu lassen. Gelingt es der Katze trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, nach draußen zu entwischen und wegzulaufen, besteht dennoch die Chance auf eine Wiedervereinigung.

Fürchten sich die Tiere dennoch in der Silvesternacht, so ist es das Wichtigste, voll und ganz für sie da zu sein. Aber es gilt hier, das richtige Maß zu finden. Denn auch wenn Tierhalter es nur gut meinen, ist eine übertrieben emotionale Aufmerksamkeit nicht dienlich. "Das Tier weiß sonst, dass es tatsächlich einen Grund hat, Angst zu haben", sagt Martina Pluda, Kampagnenleiterin bei "Vier Pfoten". "Gut ist es, so viel Normalität wie möglich zu schaffen. Das kann zum Beispiel bedeuten, die gewohnte Geräuschkulisse in Wohnung oder Haus herzustellen, also z.B. Radio oder den Fernseher einzuschalten."

Auch Kleintiere sind stressanfällig

Auch Meerschweinchen, Kaninchen und Co. sind sehr stressanfällig. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, die Tiere während des Feuerwerks in einem ruhigen Raum zu halten. Geräuschdämmung bieten Decken über den Käfigen. Geschlossene Vorhänge tragen zudem dazu bei, dass die Kleinsäuger die beängstigenden Lichtbilder nicht sehen können. Eine zusätzliche Schicht Einstreu gibt ihnen zusätzlich die Möglichkeit, sich noch besser zu verstecken.

Auch für den Menschen ist die Lärmbelastung massiv, vor allem bei Kindern und älteren Menschen kann er großen Stress auslösen. Denn Feuerwerkskörper entwickeln mitunter einen Schallpegel von bis zu 170 Dezibel. Zum Vergleich: Das Düsentriebwerk eines Flugzeugs erreicht in einer Entfernung von 25 Metern rund 140 Dezibel. Überdies verletzen sich Jahr für Jahr rund 1.000 Österreicher beim pyrotechnischen Silvesterspaß – teilweise auch schwer: Die häufigsten Verletzungen betreffen Augen, Ohren und Hände. (red)

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