Wiener (31): "Wurde absichtlich mit HIV angesteckt!"

Daniel P. (31) vertraute einem anderen Mann, dieser steckte ihn absichtlich mit HIV an.
Daniel P. (31) vertraute einem anderen Mann, dieser steckte ihn absichtlich mit HIV an.Sabine Hertel
Daniel P. (31) wurde vor zwölf Jahren von einem anderen Mann absichtlich mit HIV angesteckt. Dieser wurde verurteilt, ist aber wieder frei.

Mit 19 Jahren freute sich Daniel P. (Name von der Redaktion geändert) auf die große, weite Welt in Wien. Doch die neue Freiheit wurde für den gebürtigen Innsbrucker zum Alptraum: "Im November 2009 lernte ich einen Mann kennen. Ich habe ihm vertraut und hatte ungeschützten Geschlechtsverkehr mit ihm", erzählt der heute 31-Jährige im Gespräch mit "Heute"

Was Daniel P. damals nicht wusste: "Er war mit HIV infiziert, wusste davon und hat mich und andere damals absichtlich angesteckt." Zwei Wochen nach dem Date bekam der Tiroler plötzlich 40 Grad Fieber, war nicht mehr ansprechbar: "Es ging mir richtig schlecht. Ich dachte, mich hat eine schwere Grippe erwischt. Ein Freund rief schließlich die Rettung, die mich ins Spital brachte."

"Er hat auch einen 17-Jährigen mit HIV angesteckt, der das erste Mal überhaupt Geschlechtsverkehr hatte" - HIV-Infizierter Daniel P.

Nachdem im Krankenhaus der Verdacht auf Meningitis ausgeschlossen wurde, wurde Daniel P. mehrfach auf HIV getestet: "Als alle drei Tests positiv waren, war klar, dass ich HIV-positiv bin." Es kam zum Prozess, der sich über ein halbes Jahr hinzog: "Er hatte noch einen anderen Burschen angesteckt, der war damals 17 oder 18 Jahre alt, und hatte das erste Mal überhaupt Geschlechtsverkehr mit einem Mann", erinnert sich der gelernte Krankenpfleger. 

Vor Gericht stritt der Beschuldigte – ein damals 35-jähriger ÖBB-Bediensteter – die Vorwürfe ab. Doch Blutproben zeigten, dass der HIV-Stamm nur von ihm stammen kann. Der gebürtige Tiroler wurde wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen und vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten zu drei Jahren Haft verurteilt, Daniel P. bekam zudem 5.700 Euro Schmerzensgeld: "Er kam nach zwei Jahren wegen guter Führung, und weil ihm die U-Haft angerechnet wurde, wieder frei. Er macht munter weiter und steckt andere Männer an. Er ist der Meinung: 'Je mehr Männer mit HIV angesteckt sind, umso besser.' Dann hat er mehr Auswahl beim Sex. Fakt ist: Mein Leben ist durch ihn kaputt", ist Daniel P. wütend.

Medikamente – ein ganzes Leben lang

Zum Glück geht es dem Wahl-Wiener gesundheitlich den Umständen entsprechend gut: "Ich bin medikamentös gut eingestellt und nicht infektiös. Ich muss nur einmal am Tag eine Tablette nehmen, allerdings mein ganzes Leben lang. Ich fühle mich aber auch oft müde und ausgelaugt. Ich merke, dass mein Körper arbeitet", berichtet Daniel P., der derzeit als Corona-Tester arbeitet.

Seit fünf Jahren ist der Tiroler mit einem Mann verheiratet, führt mit ihm eine eingetragene Partnerschaft: "Wir haben uns in Innsbruck kennengelernt – über einen Chat. Es hat sofort eingeschlagen, und jetzt werde ich ihn nicht mehr los", lacht Daniel P. Nicht immer war das Leben des 31-Jährigen so harmonisch wie jetzt: "Ich hatte mein Coming-Out mit 15, 16 Jahren. Mein Vater hat nicht gewusst, wie er darauf reagieren soll, er kannte das nicht. Aber meine Mutter hat sofort gesagt: 'Das habe ich immer schon gewusst!' Auch meine Freunde haben es akzeptiert", erinnert sich Daniel P.

"Ich will zeigen, dass wir HIV-Infizierte auch nur Menschen sind" - Daniel P.

Trotz der leidvollen Erfahrung, die Daniel P. machen musste, will er andere an seinem Schicksal teilhaben lassen und vor allem eines: "Ich will einfach mehr Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen. Viele meinen, wenn man HIV hat, dann hat man gleich auch Aids. Aber das ist ein Irrtum. Ich habe HIV, bin aber nicht ansteckend. Ich will zeigen, dass wir HIV-Infizierte auch nur Menschen sind."

Wem er von seiner Krankheit erzählt, wägt der 31-Jährige vorher genau ab: "Ich sage es nur guten Freunden und Bekannten, denen ich vertrauen kann. Ich habe schon so viel erlebt, wurde oft beschimpft. In einem Homosexuellen-Chat wurde ich etwa als 'Aids- oder HIV-kranke Sau' bezeichnet. Es hat sich schon viel gebessert, aber als HIV-Infizierter wirst du einfach noch immer oft abgestempelt – das muss sich ändern."

Derzeit leben rund 8.000 bis 9.000 Menschen (inkl. Dunkelziffer) in Österreich mit dem HI-Virus. Positiv getestet (Stand: 15. März 2021) wurden bisher 13.963 Menschen. Im Jahr 2020 gab es bundesweit 332 neu entdeckte Infektionen. Hilfe bietet die Aids Hilfe Wien unter aids.at sowie die Aids-Hilfen Österreichs unter aidshilfen.at

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