8,8 Millionen Schulden

19. Januar 2018 16:59; Akt: 19.01.2018 17:46 Print

Der Sonnenkönig ist pleite, Hannes Kartnigs tiefer Fall

von S. Klein - Hannes Kartnig musste Insolvenz anmelden. Vom dekadenten Fußball-Macher bei Sturm Graz zum Pleitegeier - eine Chronologie.

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Zigarre im Mund, "Schneckerl" im Nacken, ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen – so kannte Fußball-Österreich seinen schillerndsten Klub-Boss kurz vor der Jahrtausendwende. Hannes Kartnig führte ein Leben in Saus und Braus. Ob mit dem Rolls-Royce-Cabrio oder beim Casino-Besuch im goldenen Anzug: Der Präsident des SK Sturm Graz machte immer gute Figur.

Der Anfang

Kartnig ließ sich mit den mächtigsten Personen des Landes ablichten, genoss den Ruhm und das Geld. Seine Lieblingsfarbe wählte er nicht zufällig: Der Geschäftsmann und Klub-Boss absolvierte nach seinem Hauptschulabschluss eine Lehre zum Goldschmied. Schon 1971 gründete er seine erste Firma "Kartnig-Werbung" – der Konkurs ließ nicht lange auf sich warten. Der inzwischen 66-Jährige gab seinen Traum einer erfolgreichen Unternehmer-Karriere nicht auf, gründete "Kartnigs Perspektiven Ankündigungs GmbH".

Landesweite Bekanntheit erlangte er aber erst durch seine Tätigkeiten als Sportfunktionär. 1989 übernahm er den Eishockey-Klub EC Graz, nach dem Konkurs des Klubs formierten sich 1999 die heute in der Erste Bank Eishockey Liga aktiven Graz 99ers.

Der Erfolg

1992 wagte Kartnig den Einstieg in den Fußball. Er wurde Präsident des SK Sturm Graz. Er sollte den Klub in eine erfolgreiche Ära führen, in der die Blackys zwei Meistertitel und drei Cupsiege feierten und in die Champions League einzogen – 2000 gewann Sturm seine CL-Gruppe gegen Galatasaray Istanbul, Glasgow Rangers und AS Monaco.

Auf den sportlichen Erfolg folgte die finanzielle Schieflage. Der Klub geriet ins Straucheln. 2006 zog Kartnig die Reißleine, trat zurück. Eine Investorengruppe übernahm den Klub. Der ehemalige Boss musste alle Ämter niederlegen. Seine 14-jährige Amtszeit sollte ihn aber noch lange begleiten und später zu seiner Verurteilung führen.

Die Haft

Aus dem Bilderbuch-Leben wurde für Kartnig ein Justiz-Marathon, ein Kampf gegen die Haft. Den verlor der Gleisdorfer. Gefälschte Bilanzen, Millionen-Verluste im Casino: Die Medien stürzten sich nach der Festnahme 2007 auf den Geschäftsmann. 2012 folgte die Verurteilung. Wegen schweren Betrugs, grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und Steuerhinterziehung wurde er zu fünf Jahren Haft und einer Strafzahlung von 6,637 Millionen Euro verdonnert.

2014 wurde das Urteil auf 15 Monate und 5,5 Millionen reduziert. Kartnig durfte die Strafe mit einer Fußfessel und Hausarrest absitzen. Dabei sorgte er für große Aufregung, indem er gegen die Auflagen verstieß. Ein unerlaubter Opern-Besuch und eine Geburtstagsfeier im Restaurant erzürnten die Strafvollzugsbehörde – Kartnig musste ins Gefängnis, teilte sich dort eine Zelle mit Kicker Sanel Kuljic.

Die Pleite

Seit Ende September des vergangenen Jahres ist Kartnig wieder ein freier Mann. Seine Probleme ist er deshalb aber noch nicht los. Am Freitag wurde publik, dass der ehemalige Fußball-Zampano einen Antrag auf Insolvenz stellen musste.

Hannes Kartnig ist zahlungsunfähig. Schon vor der Eröffnung des Schuldenregulierungsverfahrens wurde klar: Kartnigs Verbindlichkeiten betragen 8,818 Millionen Euro.

Dem stehen ein Liegenschaftsvermögen im Wert von vermutlich rund 2,07 Mio. und eine offene Forderung in Höhe von 94.000 Euro gegenüber.

Als Grund für die Pleite gelten für die Kreditschützer fast ausschließlich "die Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit seiner Funktion als Präsident des Fußballklubs SK Sturm Graz".


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Josef am 19.01.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverfroren

    Es wird vielen Personen viel zu leicht gemacht! Man sollte sich mal überlegen wie es ehrlichen u. fleissigen Menschen geht die wegen solcher Personen um ihr Geld umfallen u. evt. ihre Existenz verlieren, während die Verursacher in Saus u. Braus residieren.

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  • Hannes am 19.01.2018 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Typen die keiner braucht

    Aus lauter Gier die ganze Kohle ausgegeben.Typen wie der sind Schuld das die Welt den Bach runter geht.

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  • Dirk am 19.01.2018 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    SSKM... Er konnte es sich aussuchen..

    Zuerst der Hohe Flug, dann die Gier und dann der tiefe Fall und für das restliche Leben auf Existenz Minimum gepfändet.. Tja einmal falsch abgebogen....

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Wastl am 20.01.2018 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und

    sollen wir jetzt einen Spendenaufruf machen ,selber Schuld kein Mitleid wer denKragen nicht voll kriegt und glaubt Er ist Gott dem gebührt es so, aber solche Leute fallen leider immer wieder auf die Füße

  • Manfred am 20.01.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist die Welt nun doch gerecht ?

    "Hochmut kommt vor dem Fall" Stand ja schon im Testament

  • Franz am 20.01.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Insolvenzrecht

    Bravo Hannes, ich hätte ihnen 0,1% geboten. Da dürften einige das neue Insolvenzrecht nicht kennen, herrlich!

  • Patriot5611 am 20.01.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Hannes Kartnig trifft es zu:

    Hochmut kommt vor dem Fall!!!

  • Christian am 20.01.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nulldiät für den Ex Kriminellen

    Hoffentlich setzen die Gläubiger Detektive ein, um sein vermutlich verstecktes Vermögen aufzudecken. Der Ex Kriminelle gehört Langfristig auf Nulldät gesetzt! Bis jetzt wurde er ja durch Freunderln in Politik und Justiz vor harten Strafen geschützt.