Nach Rauswurf

04. September 2018 06:00; Akt: 03.09.2018 22:36 Print

Heraf: "Man hat mich mit Adolf Hitler verglichen!"

Andi Herafs Neuseeland-Abenteuer ging brutal zu Ende. Dem Frauen-Teamchef wurde Mobbing vorgeworfen. Jetzt kontert er die Vorwürfe mit scharfer Kritik.

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Von Fan-Transparenten über Pyro-Eklats bis hin zu Platzstürmen. In dieser Diashow sind die größten österreichischen Fan-Skandale des Jahrtausends in Bildern gefasst. 24. Oktober 2017: Beim Amateur-Derby in der Regionalliga Ost stürmen rund 250 vermummte Fans den Platz der Austria-Akademie. Erst ein Eingreifen der Exekutive kann die Situation klären. Das Spiel endet 1:1. 19. August 2017: Ein ekelhaftes Transparent der Rapid-Ultras im Duell mit Sturm Graz. Hier werden Journalisten mit Terroristen verglichen. 13. August 2017: Der Stangenwurf-Eklat von Maria Enzersdorf. Beim Duell zwischen Admira und Rapid flogen Stangen aufs Spielfeld. 6. August 2017: Das 2:2 im ersten Wiener Derby der Saison sorgt für Schlagzeilen. In der Nachspielzeit wird die Partie unterbrochen, Austria-Spieler Raphael Holzhauser wird vom "Wut-Ordner" beschimpft. 9. Mai 2017: Das Amateur-Derby zwischen Rapid und Austria endet in einem Skandal, nachdem Hütteldorfer "Fans" zu antisemitischen Gesängen gegriffen hatten. Endstand: 2:1 zugunsten der Veilchen. 25. Februar 2016: Eine ganz besonders geschmacklose Botschaft der Rapid-Fans an den Europa-League-Gegner FC Valencia. "Hure Valencia" war zu lesen. Dafür gab es 20.000 Euro Strafe durch die UEFA. Valencia gab die sportliche Antwort. Gesamtscore: 0:10! 25. Februar 2016: Im selben Spiel entrollten Rapid-Fans ein Banner, auf dem Funktionäre des Europa-League-Gegners Valencia beschimpft werden. Das war wohl die Reaktion der Ultras auf das Hinspiel im legendären Mestalla. 200 Rapid-Ultras hatten auf den Stadionbesuch verzichtet, weil sie ihre Fan-Utensilien nicht mit in die Arena nehmen durften. 6. April 2014: Nach einem Training der Austria Amateure passen Rapid-Ultras den violetten Nachwuchsspieler Valentin Grubeck ab und schlagen ihn brutal zusammen. Der Stürmer muss im Krankenhaus behandelt werden. Heute ist Grubeck beim LASK tätig. 22. Mai 2011: Unmittelbar nach dem 2:0 der Wiener Austria beim Derby in Hütteldorf stürmen hunderte Fans in der 26. Minute aufs Spielfeld. Die Partie wird abgebrochen und mit 3:0 zugunsten der Veilchen gewertet. 22. Mai 2011: Hier ist das Gesicht des Abbruch-Derbys. Der entblößte Panathinaikos-Hooligan wurde als "Hass-Grieche" bekannt. 4. Dezember 2009: Die Austria-Fans sorgen im Europa-League-Duell mit Athletic Bilbao (0:3) beinahe für einen Abbruch. Nach dem zweiten Gegentor kommt es zu schweren Ausschreitungen. Die Veilchen werden mit zwei Geisterspielen, eines davon auf Bewährung, bestraft. 24. August 2008: Bereits nach sechs Minuten endete im Wiener Derby die Karriere von Georg Koch. Neben dem damaligen Rapid-Keeper explodierte ein Knallkörper. Koch erlitt dabei ein Gehörtrauma und einen Kreislaufzusammenbruch, kehrte nicht mehr auf den grünen Rasen zurück. 22. Oktober 2005: Das 275. Wiener Derby wird zu einem echten Skandal. Nachdem beide Fanlager Feuerwerkskörper aufs Feld schießen, startet die Partie mit einer halbstündigen Verspätung. Rapid tritt nur unter Protest an. 22. Oktober 2005: Die Rapid-Fans reagieren auf ihre ganz eigene Art auf das Horror-Foul von Joey Didulica an Axel Lawaree im Mai 2005 und zünden eine Puppe mit dem Trikot des Austria-Tormanns am Galgen hängend mitten im Fan-Sektor an. 5. Mai 2005: Beim Stand von 3:0 für den GAK stürmen zahlreiche Austria-Fans in der 79. Minute das Spielfeld. Es kommt zu einer 15-minütigen Unterbrechung, ehe die Partie fertiggespielt werden kann. 20. Mai 2004: Beim 2:0-Sieg von Salzburg über Rapid durchbrechen zahlreiche Hütteldorfer Ultras die Absperrungen. Das Spiel wird vorzeitig abgepfiffen und voll gewertet. 29. Mai 2003: Die Austria feiert den Meistertitel. Hier jubeln Ernst Dospel und Ivica Vastic. Doch dem gingen dramatische Szenen voraus. Beim Stand von 2:0 für Schwarz Weiß Bregenz stürmten hunderte violette Anhänger bereits in der 77. Minute aufs Spielfeld, um den Titelgewinn zu feiern. Erst das Zureden der Verantwortlichen kann die Fans beruhigen, die Partie wird nach 25-minütiger Unterbrechung fertiggespielt. 27. Juli 2002: Auch bei Testspielen können die Emotionen überkochen. So wie beim Freundschaftsspiel zwischen Rapid und Arsenal London in Eisenstadt. Es kam dabei zu einer Schlägerei auf den Zuschauerrängen. Rund 200 unbeteiligte Fans, die sich in Sicherheit bringen wollten, stürmten aufs Feld. 5. August 2001: Beim Spiel zwischen Rapid und dem GAK (0:4) starteten rund 50 unzufriedene Fans einen Sitzstreik auf dem Spielfeld, riefen lautstark: "Wir wollen unser Geld zurück." Die Einsatzkräfte konnten den Protest nach wenigen Minuten auflösen.

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Für Andi Heraf war es ein großes Abenteuer. Neuseelands Fußball-Verband lockte den Ex-Rapidler mit dem Posten des Technischen Direktors, auch das Frauen-Nationalteam wurde vom Ex-ÖFB-Coach übernommen. Doch dann das bittere Ende: Mobbing-Vorwürfe und eine beinahe fluchtartige Rückkehr nach Österreich. Aber was genau wird Heraf vorgeworfen, und wie sieht er die Angelegenheit? Auf "Sky" äußerte er sich erstmals zum Geschehen am anderen Ende der Welt.

Mobbing-Vorwürfe

"Ich musste interimsmäßig beim Frauen-Nationalteam einspringen, die Spielerinnen wollten dann, dass ich bleibe. Ich habe es gerne gemacht. Wir hatten große Ziele, wollten zur WM und zu den Olympischen Spielen nach Tokio", fasst Heraf seinen Weg zum Teamchef-Posten bei dem Damen zusammen. Doch dann wurde es brutal: "Es gab zwölf Briefe von Spielerinnen, bei denen mir einiges vorgeworfen wurde." Zum Beispiel Mobbing.

Keine Gespräche

Ist da etwas dran? "Ich habe den Brief zu Gesicht bekommen. Ich frage mich, was man unter Mobbing versteht. Ich habe ein reines Herz, ein reines Gewissen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst." Besonders bitter: "Es hat niemand mit mir gesprochen. Ich hatte keine Möglichkeit, meine Meinung zu äußern."

Keine Leistung

Für Heraf war es jedenfalls das Ende seiner Tätigkeit beim Verband: "Ich wurde auf bezahlten Urlaub geschickt." Vielleicht kam seine Art nicht gut bei den Spielerinnen an. "Die Leistung im Fußball ist in Neuseeland einfach nicht vorhanden. Man hat noch kein einziges Spiel bei einer WM gewonnen", analysiert Heraf. Dennoch: "Es ist dort gang und gäbe, dass die Sportler Mitspracherecht haben. Das wurde auch bei Taktik, Kader und Training verlangt."

Spaßgesellschaft

Da prallten wohl Welten aufeinander: "Meine Art ist direkt, ehrlich, geradlinig. Das ist bei den Spielerinnen gut angekommen. Sie wollten mich nach den ersten Spielen behalten. Aber die Spielerinnen betrachten sich als Spaß- und Familiengesellschaft, die in erster Linie lustige Videos für Social Media drehen."

Hitler-Vergleich

Auch außerhalb des Verbandes gab es Probleme, die am Ende zum Bruch führten: "Man hat im ganzen Land vom Anfang an Widerstand gespürt, vor allem gegen Ausländer. Die Zeitungen sind massiv gegen mich vorgegangen, haben mich mit Adolf Hitler verglichen. Das ist nicht mehr lustig. Ich wurde über Monate auf das Übelste beschimpft und durch den Dreck gezogen." Jetzt hofft Heraf auf eine bessere Zukunft in Österreich: "Ich bin wieder in hier und hoffe, so bald wie möglich wieder an der Linie zu stehen, wenn sich etwas ergibt."


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(heute.at)

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