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11. Februar 2019 19:24; Akt: 11.02.2019 19:35 Print

Raich kann Jammerei über Kombi nicht mehr hören

Benjamin Raich ist für den ORF bei der Ski-WM in Aare im Einsatz. In der Diskussion über die Zukunft der Kombination hat er eine klare Meinung.

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Ski-Nation Österreich! 95 Goldene, 99 Silber- und 92 Bronze-Medaillen haben ÖSV-Läufer in der WM-Geschichte geholt (Stand vor Aare 2019). "Heute" zeigt die erfolgreichsten rot-weiß-roten Athleten. Rudi Nierlich wedelte 1989 in Vail zu WM-Gold im Slalom und im Riesentorlauf. Zwei Jahre später verteidigte er in Saalbach seinen RTL-Titel. Bei der Heim-WM 1991 gelang dem damals 21-Jährigen der große Durchbruch: Gold im Super-G, Gold in der Kombination. Erst zehn Jahre später reichte es für die nächste Medaille - Silber im Super-G von St. Anton. 2003 krönte sich Eberharter in St. Moritz noch einmal zum Super-G-Weltmeister. Zwischen der ersten und der letzten WM-Medaille von Matt liegen zwölf Jahre. Bei der WM in St. Anton (2011) eroberte der Tiroler Gold im Slalom und Silber in der Kombi. 2007 in Aare holte Matt erneut Gold im Slalom und holte auch im Teambewerb den Titel. In Schladming 2013 legte er Slalom-Bronze nach. Ende der 1940er ging ihr Stern auf. Bei der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz (gleichzeitig Olympische Spiele) gab es Kombi-Gold und Abfahrts-Silber. Zwei Jahre später eroberte sie in Aspen in der "Königsdisziplin" Gold sowie RTL-Silber. In Oslo schnappte sich Jochum-Beiser 1952 ein weiteres Mal Abfahrts-Gold. Sämtliche WM-Medaillen fuhr Veith noch vor ihrer Hochzeit, also unter dem Namen Fenninger ein. In Garmisch eroberte sie 2011 Gold in der Super-Kombi und Team-Silber. Bei der Heim-WM 2013 in Schladming reichte es "nur" zu RTL-Bronze. Dafür wurde die WM 2015 in Vail/Beaver Creek ein voller Erfolg: Gold im Super-G und im Riesentorlauf, Silber in der Abfahrt. Pech und Drama bei Olympischen Spielen, große Erfolge bei Weltmeisterschaften! Karl Schranz krönte sich 1962 in Chamonix zum Doppel-Weltmeister (Abfahrt, Kombi). Zum "Drüberstreuen" holte er Silber im Riesentorlauf. 1964 in Innsbruck schwang er erneut als RTL-Vize-Weltmeister ab. 1966 in Portillo holte Schranz RTL-Bronze, ehe er 1970 in Gröden noch mal Weltmeister in der technischen Disziplin wurde. Der "Herminator" holte 1999 in Vail/Beaver Creek das Speed-Double. Zwei Jahre später gab es Abfahrts-Silber und Super-G-Bronze. Wenige Monate später warf Maier ein Motorradunfall zurück. Nach seinem furiosen Comeback holte er 2003 in St. Moritz Super-G-Silber und setzte sich 2005 in Bormio endlich auch die WM-Krone im Riesentorlauf auf. Die Salzburgerin hat ebenfalls drei WM-Goldene erobert. Schönheitsfehler: alle mit der Mannschaft, nämlich 2007 in Aare, 2013 in Schladming sowie 2015 in Vail. In Garmisch reichte es mit dem Team "nur" zu Silber. Aber auch ohne ihre Kollegen eroberte Kirchgasser Medaillen. 2013 in Schladming Slalom-Silber sowie Kombi-Bronze 2015 (Vail) und 2017 (St. Moritz). Auch Hosp liegt im Medaillen-Ranking dank ÖSV-Team im Spitzenfeld. 2013 (Schladming) und 2015 (Vail/Beaver Creek) gab es Gold, 2005 (Bormio) Silber. Dazu kommen sechs Einzelmedaillen. Einzel-Gold gab es 2007 im RTL von Aare. Silber 2003 (St. Moritz) und 2015 in der Kombi, Bronze 2003 im Slalom, 2007 in der Abfahrt und 2013 in der Super-Kombi. Die "Speed-Queen" legte 1997 mit Kombi-Gold los. Zwei Jahre später jubelte sie in Vail über den Abfahrts-Titel. Es folgten vier Vize-WM-Titel: 1999 im Super-G und der Kombi, 2001 (St. Anton) in der Abfahrt, 2005 (Santa Caterina) mit dem Team. Im selben Jahr gab es in der Abfahrt Bronze. 2007 in Aare krönte sich Götschl noch mal zur Team-Weltmeisterin und holte Bronze im Super-G. In zehn Jahren holte Raich zehn WM-Medaillen. 2001 in St. Anton "eröffnete" er mit Slalom-Silber. In Bormio 2005 trumpfte er auf und holte in fünf (!) Disziplinen eine Medaille: Gold im Slalom und in der Kombi, Silber im RTL und mit dem Team, Bronze im Super-G. In Aare eroberte der Tiroler 2007 Gold mit der Mannschaft und Silber in der Super-Kombi. In Val d'Isere wedelte Raich 2009 zu RTL-Silber, zum Abschluss gab es 2011 in Garmisch Silber im Team. Beim Rennen verletzte sich Raich allerdings schwer am Knie. Lang lang ist es her, aber Toni Seelos war vierfacher Weltmeister. Der 1911 in Seefeld geborene Ski-Pionier gewann 1933 in Innsbruck und 1935 in Mürren Gold im Slalom und in der Kombi. 1931 holte er - ebenfalls in Mürren - Silber im Slalom. Sie gilt als beste ÖSV-Läuferin aller Zeiten. Ein Blick auf ihre WM-Medaillen-Sammlung dient als Beweis. Fünf Mal eroberte die Allrounderin Gold. 1972 (Sapporo) und 1978 (Garmisch) in der Kombi, 1974 (St. Moritz), 1978 und 1980 (Lake Placid) in der Abfahrt. Weiteres Edelmetall: Abfahrts-Bronze 1970, RTL- und Abfahrts-Silber 1972 sowie RTL-Bronze 1978. Für den wohl besten Ski-Fahrer aller Zeiten reicht es im Ranking vor den Titelkämpfen in Aare noch nicht für Rang eins. Hirscher eroberte 2013 bei der Heim-WM Gold im Slalom und mit dem Team. Im RTL reichte es zum Vize-WM-Titel. Zwei Jahre später in Vail/Beaver Creek schlug der Superstar erneut zu: Gold in der Kombi und mit dem Team, wieder Silber im "Riesen". In St. Moritz schlug er erneut doppelt zu. Hirscher gewann das Technik-Double, also Gold im Slalom und im RTL. In der Kombi fehlte eine (!) Hundertstel auf die Bestzeit - Rang zwei. Der Größte bei Weltmeisterschaften ist somit Toni Sailer mit insgesamt sieben Einzel-Titeln. 1956 räumte er in Cortina groß ab, gewann Abfahrt, Slalom, Kombi und Riesentorlauf. 1958 in Bad Gastein fuhr er in der Abfahrt, im RTL und in der Kombi allen davon. Im Slalom reichte es immerhin zu Silber.

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Wie sieht die Zukunft der Kombination aus? Wird sie abgeschafft? Soll es zusätzliche Bewerbe geben? Fest steht: Der Bewerb wird von der FIS stiefmütterlich behandelt. Vor der WM gab es nur einen Weltcup-Bewerb, die Zeichen stehen auf ein Ende des Formats. Benjamin Raich, für den ORF als TV-Experte bei der Ski-WM in Aare im Einsatz, ist verärgert.

"Jetzt kennt sich keiner aus, was es für Formate gibt", meint Raich in der "Kleinen Zeitung" im Hinblick auf die frühere Super-Kombination, die jetzt Alpine Kombination heißt, sowie City-, Parallel- und Team-Events. Die Kombination wird zu Gunsten der kurzweiligeren Events zusehends aus dem Kalender verdrängt, aber auch die Gesamtzahl der Wettkämpfe nahm in den letzten Jahren ab.

Raich meint dazu: "Geben sollte es sie nur, wenn sie richtig ernst genommen werden. Wenn du etwa sieben Rennen pro Saison hast, wird wieder g'scheit trainiert, es gibt auch wieder g'scheite Interviews." Mitverantwortlich für die Situation sind laut Raich auch die Athleten: "Wenn alle kommen und sagen: 'Ich hab nie Slalom trainiert und ich hab nie Abfahrt trainiert', das kann ich nicht mehr hören. Die Athleten sind zum Teil selbst schuld, weil ihnen nicht bewusst ist, was es heißt, wenn sie so was sagen."

Laut Raich haben viele Athleten Angst, in ihren starken Disziplinen schwächer zu werden, wenn sie andere Disziplinen ins Training aufnehmen. Laut dem Kombi-Weltmeister von 2005 ein Irrglaube: "Mir haben ja auch viele gesagt, als ich Abfahrt und Super-G dazugenommen habe: Du wirst im Slalom und Riesentorlauf abstürzen. Und was war? Das Gegenteil ist passiert. Ich bin besser geworden." Sein Lösungsvorschlag: Keine Kombination um jeden Preis, aber mehrere Rennen, damit die Relevanz automatisch steigt.


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(heute.at)

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