"Sie haben nur Fotos gemacht"

05. Oktober 2018 08:08; Akt: 05.10.2018 08:08 Print

Erblindeter Golf-Fan: "Niemand hat geholfen!"

Die durch einen Golfball halb erblindete Zuschauerin des Ryder-Cup Corine Remande hat erstmals über ihre Todesängste nach dem Unfall berichtet.

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Corine Remande sagte der Nachrichtenagentur AFP, vor ihrem Abtransport in ein Pariser Krankenhaus habe Chaos im Zuschauerbereich geherrscht, wo sie verletzt am Boden lag: "Ich hatte Angst, niedergetrampelt zu werden, weil Tiger Woods kam und die Menge um uns herum immer dichter wurde."

Niemand habe ihr geholfen, nachdem sie der Golfball des US-Spielers Brooks Koepka ins rechte Auge getroffen habe, sagte die 49-Jährige weiter, die bei dem Interview einen dicken Verband am Auge trug. "Was mich schockiert hat, ist, dass die Zuschauer Fotos von mir gemacht haben, aber niemand die Rettungskräfte gerufen hat." Erst später sei ein Arzt gekommen, mit dem sie dann fast eine Stunde auf die Ambulanz habe warten müssen. Im Krankenhaus erfuhr sie dann, dass ihr rechter Augapfel explodiert sei und sie für immer blind sein würde.

Klage gegen Veranstalter

Die Amateur-Golferin Remande will die Veranstalter des Ryder-Cup verklagen, weil sie das Publikum nicht vor dem Querschläger Koepkas warnte. "Das sind Bälle, die mit 240 Stundenkilometern angeflogen kommen", sagte sie. "Die Zuschauer konnten die Spieler nicht sehen und sich deshalb nicht schützen", kritisiert sie. "Deshalb bin ich wütend." Zudem habe sie von den Veranstaltern nach dem Unfall vom Freitag drei Tage lang nichts gehört.

Remande will noch einige Wochen zur medizinischen Beobachtung bei ihren Eltern im französischen Lyon bleiben. Erst dann könne sie ein Flugzeug Richtung Kairo besteigen, wo sie mit ihrem Mann wohnt. Ob sie jemals wieder Golf spielen wird, weiß sie noch nicht: "Ich muss sehen, wie ich mit dem neuen Handicap klarkomme", sagte sie.

Der US-Golfprofi Koepka hatte sich zuvor erstmals zu dem Unfall geäußerst. Es "ist wahrscheinlich der schlimmste Tag meines Lebens gewesen", sagte er in London. Auf Twitter erklärte er, der Vorfall habe sein "Herz gebrochen".



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(Heute Sport)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wissentlich am 05.10.2018 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    verpeilt

    ja, die Gaffer gibts überall, ist ja auch teilweise tragisch, ABER: wo bleibt die Eigenverantwortung? Sie spielt selbst Golf und muss daher wissen, was für eine Wucht so ein Ball beim Aufschlag hat. Dann wissentlich in einer Zone zu stehen, wo man den Abschläger nicht sieht, der Ball jederzeit von überall herkommen kann.. gehts ironischer?

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  • wissentlich am 05.10.2018 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    verpeilt

    ja, die Gaffer gibts überall, ist ja auch teilweise tragisch, ABER: wo bleibt die Eigenverantwortung? Sie spielt selbst Golf und muss daher wissen, was für eine Wucht so ein Ball beim Aufschlag hat. Dann wissentlich in einer Zone zu stehen, wo man den Abschläger nicht sieht, der Ball jederzeit von überall herkommen kann.. gehts ironischer?