"Habe zwei Persönlichkeiten"

09. Januar 2019 19:23; Akt: 09.01.2019 19:50 Print

Mit 19 besser als Thiem! Jurij aus dem Weinviertel

von Martin Huber - Tennis-Rohdiamant! Jurij Rodionov gewann sein Debüt bei den Australian Open. Mit 19 Jahren ist er besser als Dominic Thiem.

 (Bild: GEPA-pictures.com)

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"Rafael Nadal stand vor mir in der Schlange. Er kaufte eine Avocado. Ich schaute ihn mit offenem Mund gefühlt eine Minute an. Bis mich die Kassierin ermahnte: Nächster bitte, der Nächste bitte!", erzählt Jurij Rodionov im "Heute"-Gespräch und muss über sich selbst schmunzeln.

Er ist bei den Australian Open neu in der großen Tennis-Welt – und ertappt sich selbst immer wieder in der Zuseherrolle. Dabei lud ihn der besagte Rafael Nadal schon zur Saison-Vorbereitung in seine Akademie nach Mallorca ein. "Wir haben nicht gemeinsam trainiert, weil er noch verletzt war. Er ist mit seinem Trainer Carlos Moya wieder ins Training eingestiegen. Das war beeindruckend zu sehen."

Eingefädelt hat den Besuch beim 17-fachen Grand-Slam-Sieger Octagon. Die Sportvermarktungsfirma hatte schon große Namen wie Gustavo Kuerten, Michael Chang oder Anna Kournikova unter Vertrag. Aktuell betreut sie auch David Goffin, Rodionov unterschrieb im November für die Agentur.

"Am besten bin ich im Kopf"

Rodionov gilt als Rohdiamant. Gut ausgebildet, Linkshänder, unangenehme Spielanlage, sehr gute Rückhand – ein Kämpfer. "Am besten bin ich im Kopf", sagt er. "Ich weiß, was ich zu tun habe, wenn es eng wird. Ich bin nicht schizophren, habe aber zwei Persönlichkeiten."

Für weltweit Aufsehen in der Tennis-Szene sorgte er im November mit einem ausgefallenen Jubel beim Challenger in Bratislava. Nach dem verwandelten Matchball gegen Uladzimir Ignatik (BLR) wollte er zunächst sein Shirt zerreißen, scheiterte aber daran und jubelte dann protzig wie Cristiano Ronaldo an einem besonders guten Tag. "Am Platz bin ich giftig, privat ziemlich relaxt“, sagt er. Und dass er und Ignatik sich lange kennen, aber nie Freunde waren.

Besser als Thiem mit 19 Jahren

Jurij wurde in Nürnberg geboren, mit zwei Jahren kam er nach Matzen im Weinviertel. Seine Eltern stammen aus Weißrussland. "Ich habe mich nie als Ausländer gesehen“, sagt er und fiebert immer schon mit dem rot-weiß-roten Fußball-Nationalteam.

2018 verbesserte er sich – auch durch einen Challenger-Sieg im Juni in Almaty – in der Weltrangliste um fast 300 Plätze, aktuell kratzt er als 207. an den Top 200.

Zum Vergleich: Dominic Thiem war mit 19 Jahren nicht Top 250. Schaut er auf das? „Ja. Es bestätigt mich in meinen Weg. Es ist aber nicht wichtig. Ich weiß, dass Dominic zu dieser Zeit auch mit mit Krankheiten kämpfte. Er ist ein Idol für mich.“ Sein erstes großes Idol war Marat Safin. "Dann schaute ich mir von vielen Spielern das ab, was sie besonders gut können."

Grand-Slam-Debüt gemeistert

Das Debüt bei einem Grand Slam hat er gemeistert. In der Quali in Melbourne schlug er Alexander Bublik (KAS) nach 2:5-Rückstand in Satz eins mit 7:6, 3:6, 6:3. "Eine echte Nervenschlacht!" Nächste Hürde morgen Donnerstag ist der Brite Daniel Evans – ein ehemaliger Top-50-Spieler, der wegen Kokainkonsums für ein Jahr gesperrt war.

„Ergebnisse sind nicht so wichtig", sagt er aber selbst. "Ich schnuppere hier die Luft der Großen. Ich beobachte, wie sie trainieren, wie oft sie Fitness machen. Diese Bühne ist die beste Chance, um zu lernen und mich zu beweisen.“ Rodionov weiß, dass noch mehr große Turniere für ihn folgen. Und auch noch mehr Avocado-Anekdoten mit Nadal.

Nach den Australian Open wird er zwei Challenger-Turniere in Frankreich spielen. Dann ist ein Antreten beim ATP-Turnier in Montpellier geplant und im März die US-Tournee mit den Qualis in Indian Wells und Miami. "Ich werde heuer zu 50 Prozent Challenger-Turniere spielen und mich zu 50 Prozent auf ATP-Events versuchen."

Es ist der Schritt in die große Tennis-Welt.


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