Corinna Kamper Interview

29. März 2012 10:57; Akt: 02.04.2012 12:20 Print

Steirerin (17) will in die Formel 1

Eine Steirerin erobert die Macho-Welt des Motorsports. Heute.at sprach mit Österreichs Motorsport-Nachwuchshoffnung Corinna Kamper über ihre Zukunftspläne, Mädchenfreundschaften und ihr großes Idol Sebastian Vettel.

 (Bild: privat)

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Eine Steirerin erobert die Macho-Welt des Motorsports. Heute.at sprach mit Österreichs Motorsport-Nachwuchshoffnung Corinna Kamper über ihre Zukunftspläne, Mädchenfreundschaften und ihr großes Idol Sebastian Vettel.

Sie ist erst 17 Jahre alt, doch am Wochenende zieht sie nicht mit ihren Freunden um die Häuser. Corinna Kamper steigt lieber in ihren über 200 PS starken Boliden und jagt mit weit über 200 km/h auf Europas Rennpisten Bestzeiten und Siege. Zwischen den Trainings und Rennen bleibt für die fesche Steirerin aus Bruck an der Mur keine Zeit zum Entspannen. Kamper büffelt für die Matura.

Wie viele junge Rennfahrer begann auch die motorsportliche Karriere der Steirerin im Kart. Im vergangenen Jahr sorgte die Steirerin mit einem Sieg in der Formel BMW auf der legendären Hochgeschwindigkeitsstrecke von Monza für Aufsehen. In dieser Saison wagt Kamper den nächsten Schritt und will sich in der Formel Renault etablieren. Für Heute.at fand die 17-Jährige aber trotz Maturastress Zeit.

In weniger als einem Monat startet die Saison in der Formel Renault in Hockenheim. Welche Ziele hast du dir gesetzt?

"Ich wäre schon zufrieden, wenn ich die Saison im oberen Drittel der Tabelle beende. Viele Piloten fahren schon ihre zweite Saison und kennen daher das Auto und die Strecken besser."

Du hast bereits erste Testfahrten im neuen Boliden absolviert. Was sind deine Eindrücke?

"Unter anderem bin ich in Valencia und Hockenheim gefahren. Es ist einfach voll geil. Ein bisschen habe ich es auch übertrieben und bin ausgeritten, aber das gehört am Anfang dazu. Das neue Auto verzeiht weniger. Die Zeiten waren nicht schlecht, ich lag im Mittelfeld. Da schon einige Piloten seit zwei Jahren in dieser Serie fahren, bin ich damit zufrieden. Ich muss mich teilweise noch ein bisschen überwinden, ans Limit zu gehen."

Ist Danica Patrick (berühmte US-Rennfahrerin, Anm.) ein Vorbild für andere Frauen oder nur gut für die Publicity?

"Schon eher ein Vorbild. Keiner macht Motorsport nur zum Spaß. Da steckt viel Geld und Druck dahinter. Am Anfang müssen die Eltern die Karriere finanzieren. Ich möchte auch, dass einmal andere Mädchen mich als Vorbild haben, zu mir aufschauen und sich denken: 'Was die Corinna Kamper geschafft hat, schaffe ich auch!' Dass ich es je in die Formel 1 schaffe, ist ein unrealistisches Ziel, aber ein Ziel. Ein realistischeres Ziel ist es, vom Motorsport leben zu können. Schon allein wenn ich das schaffe, bin ich schon ein Vorbild für andere Mädchen."

Hast du ein richtiges Idol im Motorsport?

"Für mich sind die Männer in der Formel 1 die Vorbilder. Ich bin ein riesengroßer Fan von Sebastian Vettel, den ich auch persönlich kenne. Ich habe mit ihm gemeinsam in Spanien trainiert und ihn dann wieder bei der Eröffnung des Red Bull Rings getroffen. Er ist ein wirklich netter Junge, der trotz seiner Erfolge bodenständig geblieben ist und das bewundere ich. Am Anfang war ich sehr nervös, aber wir haben dann so viel rumgeblödelt. Kurz dachte ich mir: 'So kannst du doch nicht mit einem Weltmeister reden.' Aber er ist einfach so, er tut nicht so, als wäre er jemand Besonderer. Und wahrscheinlich war es ihm auch recht, mal nicht über den Rennsport zu reden."

Wie beurteilst du seinen doch eher durchwachsenen Saisonstart?

"Ich bin zwar Vettel-Fan, aber es ist nicht so unspannend, dass auch mal andere gewinnen. Ich kann verstehen, dass er derzeit nicht gut aufgelegt ist. Er ist zweifacher Weltmeister und versucht alles, um wieder zu gewinnen. Wenn es dann nicht läuft, ist man natürlich angefressen und dann sagt man in der Emotion vielleicht Dinge, die einem nachher leid tun - so wie sein Sager über Karthikeyan. Und wenn man so in den Medien steht, wird alles gleich auf die Waagschale gelegt."

Wie fühlst du dich als Frau in der Männerdomäne Motorsport?

"Ich bin schon immer mit Jungs besser zurechtgekommen als mit Mädchen, weil ich viel einfacher gestrickt bin. Burschen sind viel unkomplizierter, deswegen verstehe ich mich besser mit ihnen. Allerdings ist es schwieriger mit ihnen eine Freundschaft aufzubauen. Natürlich gibt's ein paar, die dich schief anschauen, aber mit vielen Jungs klappt's eigentlich ganz gut. Mädchenfreundschaften im Motorsport sind generell schwierig, weil wir Ausnahmeerscheinungen sind, und diesen Status will jede für sich alleine beanspruchen. Wenn sich zwei Burschen streiten, fällt das niemandem auf, bei Mädchen schon."

Gibt es auch so richtige Machos, die Frauen lieber nicht im Rennwagen sehen wollen?

"Ich habe schon viele Burschen kennengelernt, die gemeint haben 'du bist so süß und so nett'. Nach den Rennen denken sich das manche nicht mehr. Einmal bei einem Rennen in England lag ich in den Trainings recht weit zurück. Dann habe ich mich in den Simulator gesetzt und geübt, anschließend ging es wesentlich besser und ich konnte einige hinter mir lassen. Danach haben ein paar von diesen Machos kein Wort mehr mit mir geredet. Das trifft natürlich nicht auf alle zu. Für die meisten spielt das Geschlecht keine Rolle mehr, sobald wir die Helme aufhaben."

Motorsport ist bekanntlich ein teures Unterfangen. Wer unterstützt dich?

"Leider ist der Motorsport in Österreich nur eine Randsportart, was die Sponsorensuche für Nachwuchsfahrer nicht einfach macht. Dabei haben wir bei manchen Rennen bis zu 70.000 Zuschauer. Im Moment werde ich noch von meinem Papa unterstützt. Wir haben jetzt aber einen Förderpool eingerichtet - ab 80 Euro ist man dabei und bekommt natürlich einen Sticker am Auto und am Anzug platziert, außerdem darf man uns bei den Rennwochenenden in der Box besuchen."

Hast du einen Ausgleich zum Motorsport?

"Im Moment heißt es lernen, lernen, lernen. Im April habe ich schriftliche Matura, im Juni folgt dann die mündliche. Sonst mache ich Simulatortraining, gehe ins Fitnessstudio oder Laufen. Anscheinend habe ich da einen guten Mittelweg gefunden, denn ich bin glücklich mit dem, was ich mache. Andere in meinem Alter meinen, sie müssen sich am Wochenende betrinken, oder irgendein Hobby haben. Ich bin sicher schon seit Monaten nicht mehr am Wochenende fort gewesen. Das fällt mir nicht so schwer, weil Rennfahren das ist, was ich will!"

Markus Miksch


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