Risse sind tief

03. April 2019 07:31; Akt: 03.04.2019 08:30 Print

Was hinter "Ehe-Krise" bei Thiem und Bresnik steckt

von M. Huber - Zwischen Tennis-Star Dominic Thiem und Erfolgscoach Günter Bresnik kriselt es. Das steckt wirklich dahinter.

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Wir blicken in unserer großen Diashow auf die Karriere von Dominic Thiem - Klicken Sie sich durch! Dominic Thiem wurde am 3. September 1993 in Wiener Neustadt geboren. Bild: 2006 beim Generali Bambini Cup Er wuchs in Lichtenwörth auf, einer kleinen Gemeinde 50 Kilometer südlich von Wien. Bild: 2010 Austrian Open in Kitzbühel. Im Alter von sechs Jahren begann Thiem mit dem Tennisspielen. Schon in der Volksschule trainierte er täglich mehrere Stunden. Seine späteren Erfolge sind kein Zufallsprodukt. Bild: 2010 Australian Open Junioren Eine hartnäckige Darmerkrankung hätte Thiem fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. Später brach er die Schule ab, um sich ganz auf den Sport konzentrieren zu können. Bild: 2010 Bank Austria Tennis Trophy 2011 gelang ihm der Finaleinzug beim Juniorenwettbewerb der French Open. Das Endspiel verlor er gegen den US-Amerikaner Björn Fratangelo. 2011 schlug der 18-jährige Thiem in Wien Tennis-Legende Thomas Muster in dessen Abschiedsmatch. In der zweiten Runde unterlag er dem Belgier Steve Darcis. In seinem ersten Profijahr 2012 gewann Thiem ITF-Future-Turniere in Tschechien und Marokko. Autogrammjäger hatten Thiem damals schon auf dem Radar. Thiem ist nicht nur im Tennis begabt. An ihm ist ein Fußball-Talent verloren gegangen. Thiem hat auch einen Lieblingsklub. Sein Herz schlägt für den FC Chelsea. Auf diesem Bild ist er 2013 im Pulli mit dem Chelsea-Logo zu sehen. Probleme mit den Weisheitszähnen vermiesten Thiem den Start ins Jahr 2013. Er verpasste das Davis-Cup-Match gegen Kasachstan. Erst im März feierte er sein Comeback und siegte beim Future-Turnier in Kroatien. Thiem besiegte in Kitzbühel Jürgen Melzer und erreichte das Viertelfinale. Dort war gegen Albert Montañés Endstation. Anschließend feierte er seinen ITF-Turniersieg in Este und den Finaleinzug beim Challenger-Turnier in Como. Erstmals gelang ihm der Sprung unter die Top 200 der Welt. Sein Trainer Günter Bresnik war dabei immer an der Seite des Youngsters. 2014 gelang der Durchbruch. Als Qualifikant erreichte Thiem bei den Australian Open die zweite Runde, landete kurz danach in den Top 100. Anschließend folgte in Kitz das erste Finale bei einem ATP-Turnier und bei den US Open das Achtelfinale. In Nizza gewann Thiem 2015 seinen ersten Titel auf der Tour. In Umag ließ er im Juli gleich den zweiten folgen. Ein neuer Look musste her. Der blonde Thiem kletterte die ATP-Weltrangliste empor. 2016 besiegte er in Buenos Aires Rafael Nadal, stieg in die Top 15 der Welt auf. Gegen den Deutschen Alexander Zverev verteidigte er 2016 in Nizza seinen Titel. Ein Duell, das Thiem wohl noch lange begleiten wird. Die beiden gelten als die größten Talente ihrer Generation. Die blonden Haare waren da schon wieder Geschichte. Im Zebra-Outfit stürmte Thiem 2016 ins Halbfinale der French Open, verpasste gegen Novak Djokovic den Finaleinzug. Thiem stieg zur Nummer 7 der Welt auf. Gleich danach besiegte er im Stuttgart-Halbfinale Tennis-Legende Roger Federer, schlug im Finale Philipp Kohlschreiber und gewann als erster Österreicher einen Titel auf Rasen. 2016 erreichte Thiem zum ersten Mal die World Tour Finals. Er schlug Monfils, verlor gegen Djokovic und Raonic. 2017 sicherte sich Thiem in Rio de Janeiro seinen achten Titel. In Paris und Rom erreichte er jeweils das Halbfinale, in Madrid und Barcelona das Finale - beide Male schlug ihn ein Nadal in Überform. Trotz eines Durchhängers gegen Saisonende rückte Thiem auf Rang vier der ATP-Weltrangliste vor und qualifizierte sich souverän für das ATP-Saisonfinale. Im November kam heraus, dass Thiem mit Tennis-Kollegin Kristina Mladenovic zusammen ist. Beflügelt von der Liebe startete Thiem stark ins Jahr 2018. In Buenos Aires holte er im Februar den ersten Turniersieg. Auch in Lyon schnappte sich Thiem den Titel. Beide Male triumphierte er auf seinem Lieblingsbelag Sand. In Madrid scheiterte Thiem erst im Finale an Alex Zverev. Dann die French Open. Thiem kämpfte sich bis ins Finale des Grand-Slam-Turniers durch. Da war aber Endstation gegen Rafael Nadal. Bei den US Open stand Thiem als erster Österreicher im Viertelfinale. Dann wieder das Aus gegen Nadal, aber der Österreicher gab sich erst nach einem spannenden Fünfsatz-Krimi über 4:49 Stunden geschlagen. "Mein erstes episches Match", meinte er nach der Partie. Am 23. September erreichte Thiem einen weiteren Meilenstein. In St. Petersburg gewann der Niederösterreicher seinen ersten Titel in der Halle. Bei den Masters-1000 in Paris-Bercy stieß Thiem ins Halbfinale vor, dort musste er sich Karen Khachanov geschlagen geben. Das reichte aber für die Qualifikation für die ATP-Finals 2018 in London. Auch 2019 gab es für Thiem Turniersiege zu bejubeln. Nämlich in Indian Wells ... ... und in Barcelona. Bei den French Open gelang ihm erneut der FInaleinzug - und wieder setzte es eine Niederlage gegen Rafael Nadal. Thiem stellte in diesem Jahr auch sein Trainerteam um. Die langjährige Zusammenarbeit mit Günter Bresnik wurde beendet. Neuer Coach an der Seite von Thiem: Nicolas Massu. In Wimbledon lief es nicht nach Wunsch, Thiem scheiterte in der ersten Runde an Sam Querrey.

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Fehler gesehen?

Es ist das Bild zur Krise. Tennis-Ass Dominic Thiem trainiert mit seinem Vater Wolfgang in der Südstadt, draußen auf Sand in der Sonne. Sein Mentor Günter Bresnik übt zeitgleich mit Ernests Gulbis einige Meter weiter, drinnen in der Halle.

Die Risse sind tief, aber nicht unkittbar

„Das ist wie in einer Ehe. Da gibt es auch gute und schlechte Zeiten. Wir haben in 15, 16 Jahren mehr Zeit miteinander verbracht als mit unseren jeweiligen Familien“, sagt Thiem offen zur Krise. Derzeit sind es schlechte Zeiten. Die Risse sind nach „Heute“-Infos nicht unkittbar, aber tief.

Worum geht es? Nein. Nicht wie Thiem meinte, um das Anfeuern bei Matches, das der neue Touring-Coach Nicolas Massu besser könne als der 57-jährige Bresnik. Thiem und Bresnik haben unterschiedliche Ansichten. Im autoritären System Bresnik zählte lange nur eine Meinung. Thiem ist Mann geworden, hat sich emanzipiert, geht jetzt seinen Weg. Das kann gut sein, bringt aber auch Risiken mit sich. Klar ist: Ab jetzt ist nichts mehr, wie es war.

Die Krise ist nicht neu, sie gibt es seit Jänner

Bresnik bezeichnet Thiem als „Meisterstück“. 17 Jahre feilte er an ihm. Mit Erfolg! Einem Volksschüler, der nicht still stehen konnte, gab er Waffen, mit denen er als 25-Jähriger Roger Federer auf drei verschiedenen Belägen geschlagen hat. Alles gut? Nein. Thiem ist die Nummer fünf der Welt, hat aber auch offensichtliche Schwächen wie die Konstanz.

Die Krise ist nicht neu, sie gibt es seit Jänner. Thiem ortete Fehler in der Saisonvorbereitung. Drei Mal war er krank, zu rasch sei wieder trainiert worden. Bresnik spricht von normalen „Abnützungserscheinungen“, ist froh darüber, dass Thiem selbständig ist: „Er kann jetzt alleine laufen.“

Das Geld spielt in Ehen auch eine Rolle

Wie es bei Ehen so ist, spielt auch das Geld eine Rolle. Bresnik machte als Manager seinen Schützling zur Cash-Cow: Rolex, Red Bull, Bank Austria, Saturn, Adidas, Babolat, Kia – der Rubel rollt, auch für Bresnik. Dessen Rolle bleibt vorerst unklar. Fix ist: Thiem will, dass Massu 2019 in der Box sitzt.

Und Bresnik? Sieht die French Open im Fernsehen? Schwer vorstellbar. Es gibt viele offene Fragen. Thiem ist an einer wichtigen Kreuzung in seiner Karriere.


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  • @.caro am 04.04.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dominik

    Dominik muss neue Perspektiven nutzen!! Es ist das einzig richtige, wenn er weiter kommen will. Jeder neue Trainer bringt neue Impulse.Alle grossen Spieler hatten mehrere Trainer und Berater in ihrer Karriere .Das hat nichts mit Dankbarkeit gegenüber Bresnik zu tun. Bin ein grosser Fan.!!!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • @.caro am 04.04.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dominik

    Dominik muss neue Perspektiven nutzen!! Es ist das einzig richtige, wenn er weiter kommen will. Jeder neue Trainer bringt neue Impulse.Alle grossen Spieler hatten mehrere Trainer und Berater in ihrer Karriere .Das hat nichts mit Dankbarkeit gegenüber Bresnik zu tun. Bin ein grosser Fan.!!!