Brisante Aussagen

29. April 2019 17:15; Akt: 30.04.2019 16:00 Print

Doping-Prozess: Dürr belastet seinen Trainer

Ex-Langläufer Johannes Dürr muss sich vor Gericht rechtfertigen. Er belastet den ÖSV und spricht von schweren Missständen im Skiverband.

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Österreichs Wintersport kommt nicht zur Ruhe. Im Rahmen der nordischen Ski-WM in Seefeld kam es zu einem Doping-Skandal. Nicht der erste in der jüngeren ÖSV-Geschichte. Ein Überblick in Bildern. Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City werden in einem ÖSV-Langlauf-Quartier Geräte für Bluttransfusionen gefunden. Sportdirektor Walter Mayer wird bis 2010 von Olympia ausgeschlossen. führen, im Zuge der Olympischen Winterspiele in Turin, italienische Carabinieri in den Quartieren der Biathleten und Langläufer Doping-Razzien durch. Pikant: Der eigentlich gesperrte Walter Mayer ist vor Ort. Wolfgang Rottmann (l.), Wolfgang Perner, Martin Tauber, Jürgen Pinter und Johannes Eder werden in der Folge lebenslänglich für Olympia gesperrt. wird Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann wegen Anwendung einer verbotenen Methode für zwei Jahre gesperrt. Er beendet daraufhin seine Karriere. Später wurde ihm die Beteiligung am Besitz und Betrieb einer Blutzentrifuge vorgeworfen. wird bei Langläufer Johannes Dürr, bei einer Trainingskontrolle in Österreich vor dem olympischen 50-km-Rennen, EPO nachgewiesen. Er ist geständig und wird nicht nur aus dem ÖOC-Team, sondern auch aus dem ÖSV ausgeschlossen. ÖSV-Langläufer Harald Wurm wird für vier Jahre gesperrt. Der Tiroler habe gegen diverse Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen, so habe er unter anderem auch die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verbotene Substanz Kobalt besessen und verwendet. Weiters habe er "intravenöse Infusionen und/oder Injektionen von mehr als 50 ml innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden" angewandt. Bei einer Doping-Razzia während der Nordischen Ski-WM in Seefeld gab es insgesamt neun Festnahmen. Unter den des Dopings verdächtigten Sportlern sind auch die ÖSV-Langläufer Dominik Baldauf und Max Hauke. Die Ermittlungen laufen.

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Johannes Dürr muss sich vor Gericht verantworten. Der frühere Langläufer ist in einen Blutdoping-Skandal verwickelt und behauptete, dass verbotene Praktiken im ÖSV stillschweigend toleriert werden. Vor dem Richter packt er nun aus – und belastet sein früheres Umfeld schwer.

So meint Dürr etwa, dass sein früherer Trainer Gerald Heigl ihn mit Dopingmittel versorgt hätte. "Was wir bestätigen können, ist, dass unser Mandant in den polizeilichen Einvernahmen ausgesagt hat, dass er in den Wettkampfsaisonen unmittelbar vor Sotschi 2014 Dopingpräparate von Herrn Gerald Heigl erhalten hat, wobei es sich insbesondere um Epo-Präparate gehandelt hat", erklärt sein Rechtsanwalt Max Rammerstorfer im ARD-Morgenmagazin.

Außerdem soll der Coach auch von den Blutdoping-Behandlungen gewusst und das auch in den Trainingsplänen berücksichtigt haben.

Auf der Gegenseite sieht man das natürlich anders. Heigls Anwalt Christian Horwath meint: "Mein Mandant war nie in irgendwelche Dopingmachenschaften von Herrn Dürr verstrickt. Wenn er etwas gewusst hätte, hätte er das sofort unterbunden. Die ganzen Vorwürfe seitens des Herrn Dürr sind völlig haltlos, und mein Mandant wird dagegen auch rechtliche Schritte einleiten."

Dürr, der bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi des Dopings überführt worden war, hat nicht nur einen Prozess am Hals. Einerseits klagte ihn der ÖSV auf Unterlassung und Widerruf der Aussage, Doping würde beim Ski-Verband geduldet werden. Andererseits ist Dürr Kronzeuge und Beschuldigter in den Ermittlungen um das Netzwerk des Erfurter Arztes Mark S.

Bei der Unterlassungs-Klage des ÖSV ist eine vorläufige Entscheidung schon gefallen. Dürr zieht seine Aussage nicht zurück. "Es ist die Wahrheit, was ich gesagt habe, so habe ich es erlebt und empfunden", stellt er klar, betont aber, dass er sich dabei auf die Zeit vor 2014 bezieht. Das Urteil in diesem Prozess wird schriftlich ergehen.


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(red)

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