Am Grünen Tisch

10. Januar 2019 12:10; Akt: 10.01.2019 12:18 Print

FIS disqualifiziert Luitz, Hirscher erbt 65. Sieg

Marcel Hirscher muss nicht auf der Piste stehen, um zu gewinnen. Weil Stefan Luitz nachträglich disqualifiziert wurde, hält der ÖSV-Star nun bei 65 Siegen.

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Siege, Spektakel, Stürze, Kampf um WM-Startplätze - die Ski-Saison 2018/19 hat einiges zu bieten. Mit der "Heute"-Fotoshow sind Sie stets im Bilde und behalten Rennen für Rennen den Überblick. Die Saison begann wenig erbaulich, nämlich mit einer Absage. Der Riesentorlauf von Sölden fiel Ende Oktober dem Neuschnee und heftigen Windböen zum Opfer. Der Weltcup-Auftakt wurde somit in den hohen Norden verschoben. Nämlich nach Levi. Am 18. November 2018 erfuhren die Slalom-Herren, ob sie über den Sommer fleißig trainiert haben und wo sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Es kam, wie es kommen musste: Superstar Marcel Hirscher gewann vor Dauerrivale Henrik Kristoffersen. Für den Jungpapa, der sieben Mal in Serie die große Kristallkugel geholt hat, war es der 59. Weltcup-Sieg. Zur Belohnung gab es wie in Finnland üblich ein Rentier. 2. Henrik Kristoffersen (Nor) 3. Andre Myhrer (Swe) Weniger erbaulich begann Aksel Lund Svindal den Ski-Winter. Der "Superelch" zog sich im Training einen Bänderriss im Daumen zu. Am einer Renn-Teilnahme hinderte ihn das freilich nicht. Der Ski-Tross übersiedelte nach Nordamerika. Nun waren die Speed-Asse am Zug. Das rot-weiß-rote Team erwischte einen Traumstart. Max Franz gewann die Abfahrt vor dem Südtiroler Christof Innerhofer. 2. Christof Innerhofer (It) 3. Dominik Paris (It) Am nächsten Tag raste Vincent Kriechmayr im Super-G auf Rang zwei. Nur Kjetil Jansrud war um 14 Hundertstel schneller. 1. Kjetil Jansrud (Nor) 3. Mauro Caviezel (Sz) Für eine Überraschung sorgte Erik Guay. Der Kanadier erklärte spontan seinen Rücktritt, weil am Vortag sein Landsmann Manuel Osborne-Paradis schwer stürzte. Mit Guay, der vier Töchter hat, verließ der amtierende Super-G-Weltmeister die Ski-Bühne. Beat Feuz fuhr bei schwierigen Bedingungen auf der stark verkürzten "Birds of Prey" in Beaver Creek zum Sieg. Bester Österreicher wurde Vincent Kriechmayr auf Platz fünf. 1. Beat Feuz (Sz) 2. Mauro Caviezel (Sz) 3. Aksel Lund Svindal (Nor) Überschattet wurde die Abfahrt von Beaver Creek vom schweren Sturz von Thomas Dreßen (D). Der Kitzbühel-Sieger riss sich das Kreuzband. Die Saison ist für ihn beendet. Am nächsten Tag behielt Max Franz im Super-G den Durchblick, ließ sich auch durch eine einstündige Verschiebung nicht aus der Bahn bringen und fuhr seinen dritten Weltcupsieg ein. Kurios: Gleich drei Fahrer teilten sich Rang drei. 2. M. Caviezel (Sz) 3. A. Svindal (Nor) . A. Kilde (Nor) . D. Paris (It) Am 2. Dezember konnte endlich der erste Riesentorlauf der Saison gefahren werden. Bitter: Manuel Feller flog extra für dieses Rennen rund 8.500 Kilometer nach Amerika, schied aber nach sieben Fahrsekunden aus. Besser machte es Marcel Hirscher, der Zweiter wurde und zum 16. Mal in Folge am RTL-Stockerl stand. Der Sieger hieß aber etwas überraschend Stefan Luitz. Der Deutsche gewann zum ersten Mal überhaupt. 1. Stefan Luitz (D) 3. Thomas Tumler (Sz) Weiter ging es mit dem Riesentorlauf-Klassiker in Val d'Isere. Auf dem Hang in den französischen Alpen holte Hirscher 2009 seinen ersten Weltcup-Sieg. Neun Jahre später ließ er den 60. folgen. 2. Henrik Kristoffersen (Nor) 3. Matts Olsson (Swe) Am nächsten Tag war ein Slalom angesetzt. Der fiel jedoch dem schlechten Wetter zum Opfer. Für freudige Nachrichten sorgte Hannes Reichelt. Österreichs Speed-Ass verriet auf Facebook, dass er erstmals Vater wird. Der Weltcup-Zirkus übersiedelte nach Italien. Den Auftakt machte der Super-G in Gröden. Sieger? Natürlich Aksel Lund Svindal, der auf der Saslong seinen siebenten Pokal holte. Für die ÖSV-Herren setzte es eine Niederlage. 1. Aksel Lund Svindal (Nor) 2. Christof Innerhofer (It) 3. Kjetil Jansrud (Nor) Auch in der Abfahrt schlugen die "Elche" zu. Allerdings nicht Svindal oder Jansrud, sondern Aleksander Aamodt Kilde. Rang zwei schnappte sich Max Franz vor Beat Feuz. 1. Aleksander Aamodt Kilde (Nor) 3. Beat Feuz (Sz) Das Rennen wurde von einem schweren Sturz überschattet. Der Schweizer Marc Gisin verschnitt bei der Anfahrt auf die Kamelbuckel und prallte hart auf der Saslong auf. Er erlitt mehrere Rippenbrüche, Verletzungen der Lunge, eine eingedrückte Hüftpfanne und Frakturen an der Wirbelsäule. Die gute Nachricht: Im Kopf-Bereich wurden keine schweren Blessuren festgestellt. Gisin musste jedoch operiert werden und wurde eine Zeit lang künstlich beatmet. Nun waren wieder die Techniker dran. In Alta Badia zeigte Hirscher einmal mehr seine einsame Klasse. Der Branchenprimus gewann am 16. Dezember den Riesentorlauf. Besser gesagt: Er vernichtete die Konkurrenz. Hirscher siegte mit einem Vorsprung von 2,52 (!!!) Sekunden. Für ihn war es der 30. Weltcup-Erfolg in dieser Disziplin. 2. Thomas Fanara (Fr) 3. Alexis Pinturault (Fr) Hirscher carvte weiter auf der Erfolgswelle und legte einen Tag später seinen 62. Weltcupsieg nach. Es war der erste in einem Parallel-Riesentorlauf, der bisweilen als "Schwäche" des 29-Jährigen galt. 2. Thibaut Favrot (Fr) 3. Alexis Pinturault (Fr) Die nächsten beiden Rennen fanden in Saalbach statt. Zunächst wurde der in Sölden abgesagte Auftakt-Riesentorlauf nachgeholt. Den Sieg eroberte sensationell der Slowene Zan Kranjec. Auch der Rest des Podiums war nicht alltäglich. Nicht minder überraschend: Marcel Hirscher musste sich nach fehlerhafter Fahrt mit Rang sechs begnügen. Manuel Feller, zur Halbzeit in Führung, schied im Finale aus. 1. Zan Kranjec (Slo) 2. Loic Meillard (Sz) 3. Mathieu Faivre (Fr) 24 Stunden später strahlte Hirscher wieder über das ganze Gesicht. Aus gutem Grund: Bei schwierigen Bedingungen carvte er im Slalom auf Rang eins und holte seinen 63. Weltcup-Sieg. Er überholte damit Annemarie Moser-Pröll in der Bestenliste. 2. Loic Meillard (Sz) 3. Henrik Kristoffersen (Nor) Das letzte Rennen vor Weihnachten stieg in Madonna. Der Schweizer Daniel Yule gewann das erste Weltcup-Rennen seiner Karriere. Flankiert wurde er amPodest von zwei Österreichern - Marco Schwarz und Michael Matt. Hirscher, der als Führender in den zweiten Durchgang ging, fädelte ein. Wie auch Dauerrivale Henrik Kristoffersen (Nor). 1. Daniel Yule (Sz) 2. Marco Schwarz 3. Michael Matt Zwischen Weihnachten und Neujahr stieg der Abfahrts-Klassiker in Bormio. Einmal mehr zeigte das "Biest" Stelvio seine Zähne, warf den Slowenen Klemen Kosi brutal ab. Die Italiener feierten bei ihrem Heimspiel einen Doppelsieg. Dominik Paris gewann vor Christof Innerhofer. Österreichs Speed-Asse waren geschlagen. 1. Dominik Paris (It) 2. Christof Innerhofer (It) 3. Beat Feuz (Sz) Der Super-G auf der Stelvio wurde zum Hundertstel-Krimi. Lediglich eine Hundertstelsekunde fehlte Matthias Mayer zur Bestzeit. Dominik Paris feierte in seiner italienischen Heimat den zweiten Sieg in nur 24 Stunden. Vincent Kriechmayr und Max Franz komplettieren ein starkes ÖSV-Ergebnis. 1. Dominik Paris (It) 3. Aleksander Aamodt Kilde (Nor) 4. Vincent Kriechmayr 5. Max Franz Das neue Jahr startete mit einem Sensationssieg für den ÖSV. Beim City Event von Oslo war Marco Schwarz nicht zu schlagen. Im Finallauf setzte sich der Kärntner gegen den Briten Dave Ryding durch. Es war der erste Weltcupsieg für den Technik-Spezialist. 2. Dave Ryding (GB) 3. Ramon Zenhäusern (Sz) 5. Marcel Hirscher 5. Michael Matt Am Dreikönigstag stellte Hirscher aber klar, wer der Chef im Ring ist. Der Superstar triumphierte zum fünften Mal in Zagreb, profitierte aber vom Einfädler von Kollege Marco Schwarz, der zur Halbzeit in Front lag. 2. Alexis Pinturault (Fr) Am "grünen Tisch" wurde Hirscher ein weiterer Weltcup-Erfolg zuerkannt, nämlich jener von Beaver Creek. Zur Erinnerung: Stefan Luitz (l.) nahm zwischen den Durchgängen über eine Maske Sauerstoff zu sich. Es ist kein Dopingfall, aber ein Verstoß gegen die Regeln. Die Hirscher-Festspiele nahmen kein Ende. Der Salzburger triumphierte auch in Adelboden. Auf dem Chuenisbärgli schnappte er Halbzeitleader Henrik Kristoffersen den Riesentorlauf-Sieg weg. 2. Henrik Kristoffersen (Nor) 3. Thomas Fanara (Fr) Dem nicht genug, holte Hirscher gleich das "Double". Sprich: Er gewann auch den Slalom von Adelboden. Erneut war zur Halbzeit ein anderer schneller, nämlich Marco Schwarz. Doch der fädelte wie eine Woche zuvor in der Entscheidung ein. Für Hirscher war es der neunte Sieg sowie der 16. Podestplatz im Schweizer Skiort - Rekord! 2. Clement Noel (Fr) 3. Henrik Kristoffersen (Nor)

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Entscheidung (vorerst) gefallen! Marcel Hirscher hält nun bei 65 Weltcup-Siegen. Für den aktuellen Triumph in seiner Erfolgsliste musste er nicht der Schnellste sein. Ihm wurde der Sieg im Riesentorlauf in Beaver Creek am Grünen Tisch zugesprochen.

Warum? Eigentlich war Stefan Luitz in Übersee der Sieger, Hirscher landete auf Platz zwei. Doch der DSV-Athlet atmete zwischen den Durchgängen Sauerstoff mit einer Maske. Kein illegales Doping-Mittel, aber vom Ski-Weltverband FIS verboten. Nun steht fest: Der Deutsche wird nachträglich disqualifiziert.

Ganz ist die Affäre aber nicht ausgestanden. Denn Luitz will gegen die Entscheidung vorgehen und eine einstweilige Aussetzung der Disqualifikation erreichen. Ob er damit Erfolg hat, bleibt abzuwarten.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EH1955 am 10.01.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    BASTA

    Es gibt ein Regelwerk. Wer diesem nicht nachkommt, muss die Disqualifikation hinnehmen.

  • Isabell am 10.01.2019 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gegen

    Herrn luitz aber es gibt ein Regelwerk an das man sich zu halten hat und wenn man es nicht tut muß man eben mit Konsequenzen rechnen traurig ist nur das ihm sein Trainer nicht darauf aufmerksam gemacht hat.

  • Fred von Jupiter am 10.01.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einer oder alle

    Die Frage ist, ob nur Luitz alleine, oder das gesamte deutsche Ski Team O2 geschnüffelt hat, weil ja sonst auch ALLE deutschen Athleten disqualifiziert werden müssten. Gleichzeitig müsste dann auch gegen den gesamten deutschen Betreuerstab vorgegangen werden. Ich erinnere nur an den Blutdopingskandal bei Österreichs Nordischen in Turin

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Grantscherben am 10.01.2019 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig!

    Unser Marcel ist zwar nicht drauf angewiesen, dennoch ist die Entscheidung richtig. Warum ist das denn der einzige Sieg von Luitz? Der Reisetipp sonst nie was. kaum schnüffelt er vor dem Start, ist er erster.

  • Isabell am 10.01.2019 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gegen

    Herrn luitz aber es gibt ein Regelwerk an das man sich zu halten hat und wenn man es nicht tut muß man eben mit Konsequenzen rechnen traurig ist nur das ihm sein Trainer nicht darauf aufmerksam gemacht hat.

  • Fred von Jupiter am 10.01.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einer oder alle

    Die Frage ist, ob nur Luitz alleine, oder das gesamte deutsche Ski Team O2 geschnüffelt hat, weil ja sonst auch ALLE deutschen Athleten disqualifiziert werden müssten. Gleichzeitig müsste dann auch gegen den gesamten deutschen Betreuerstab vorgegangen werden. Ich erinnere nur an den Blutdopingskandal bei Österreichs Nordischen in Turin

    • Pavel am 10.01.2019 16:09 Report Diesen Beitrag melden

      Sinnlos

      Geh bitte wenn kein anderer in den Punkterängen war, braucht man die auch nicht disqualifizieren

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  • Mimi am 10.01.2019 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Wie lange dauert die Sache noch? Hätte der Deutsche nicht Sauerstoff geschnüffelt, wäre er nicht disqualifiziert worden.

    • Sarah am 10.01.2019 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      Seh ich nicht so

      Ich seh das nicht so, als Sportler/Athlet/Wettkämpfer (nennen Sie es wie Sie wollen) verlässt man sich auf die Worte seines Trainerstabs... Muss man als Sportler auch noch das 2 Mio. Seiten lange Regelwerk kennen kann man sich nicht auf die eigentliche Übung des Sports konzentrieren.... Oder sehen Sie irgendjemanden mit einem Buch statt einem Stock in der Hand ein Tor passieren?

    • Gerlinde M am 10.01.2019 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mimi

      Eindeutig richtig! Wenn man mehr Luft, ist man leistungsfähiger!

    • TrR am 10.01.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Sara

      Wär ja noch schöner. Dann hat man dem/den Falschen vertraut. Dann könnte man ja auch dopen und sich auf den Trainer ausreden. Und in der Formel 1 auf die Konstrukteure ... und und und ... Letztendlich ist es ein Regelbruch, der zur Disqualifikation führen müsste.

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  • EH1955 am 10.01.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    BASTA

    Es gibt ein Regelwerk. Wer diesem nicht nachkommt, muss die Disqualifikation hinnehmen.