Kinostart 11.04.

10. April 2019 04:23; Akt: 10.04.2019 08:11 Print

"After Passion": Teenie-Romanze mit Langweiler

von Marianne Lampl - Halb Twilight, ein bisschen Fifty Shades und viel viel One-Direction-Fanfiction: "After Passion" wärmt schlechte Verfilmungen auf.

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Zu allererst eine Anmerkung zum Titel: Ja, es ist in Mode, Filmen englische Titel zu geben. Aber bei einem Teenie-Film, der sich auch um Sex dreht, hätte man sich überlegen können, ob statt des Wörtchens "After" die deutsche Übersetzung "nach" nicht besser gewesen wäre. Das Wort After gibt es immerhin auch im Deutschen, nur heißt es bei uns was anderes. Der Titel hört sich ungewollt nach einem Porno an.

Über eine Milliarde Klicks für Harry-Styles-Schmusestory
"After Passion" ist die lang ersehnte Verfilmung des Teenager-Bestsellers "After", der als Fan-Fiction auf der Plattform "Wattpad" mehr als eine Milliarde Klicks erzielte, bevor er zur Buchreihe wurde. Autorin Anna Todd schwärmte auf insgesamt 2.500 Seiten über One-Direction-Sänger Harry Styles. In der Buchversion wurde der Bad Boy dann in Hardin Scott umbenannt.

Jungfrau trifft Bad Boy
Die Story ist schnell erzählt: Jungfrau und Langweilerin Tessa Young (Josephine Langford) wird von ihrer Helikoptermama (Selma Blair) auf die Uni gebracht. Dort lernt sie über ihre Zimmergenossin den Bad Boy Hardin Scott (Ralph Fiennes Neffe Hero Fiennes-Tiffin) kennen.

Sie lässt den peinlich tätowierten Englisch-Studenten, der eine starke Ähnlichkeit mit Vorbild Harry Styles hat, genau 2,5 mal abblitzen, bevor sie mit ihm nicht ins Bett, sondern in einen See hüpft und es zum ersten Zungenduell kommt. Dass daheim ihr Freund sitzt, mit dem allerdings noch nie was gelaufen ist, bereitet ihr ein schlechtes Gewissen, sie schafft es jedoch nicht, Hardin, der englische Literatur zitiert, länger zu widerstehen.

Kiffen, Kampfsaufen und "Pflicht oder Wahrheit"
Der Weg zur jugendlichen Untreue führt über Kiffen, Kampfsaufen und "Pflicht oder Wahrheit". Jeder Spruch des Helden ist platt und abgedroschen. Da passt es auch, dass Hardin ein Anarchie-Tattoo hat (geht's uncooler?) und, auch wenn er ganz allein auf der Straße ist, ausschließlich auf der Überholspur fährt. Natürlich hat er auch eine Vergangenheit, die ihn gebrochen und tief verletzt zurückgelassen hat. Es hat mit seinem Elternhaus zu tun, das gleichzeitig entbehrungsreich war und ihm trotzdem eine Villa mit Pool und einen Papa, der Uni-Rektors ist, verschafft hat.

Es kommt wie es kommen muss: Tessa verliert ihre Jungfräulichkeit, ihren alten Freund, die Mama dreht ihr den Geldhahn zu und Hardins ebenfalls eher uncoole Arschlochfreunde intrigieren gegen sie.

Trailer:

Give me a hero ....
"After Passion" hat ein großes Problem: Bad Boy und Superschnuckel Hardin Scott ist eine lahme Ente. Der Sex ist lahmer als bei Fifty Shades, Christian und Hardin könnten sich allerdings gegenseitig Tipps über Psychiater geben. Die Ähnlichkeit zwischen "After Passion" und "Twilight" ist enorm. Einzelne Szenen im Wald oder der erste Blick den Hardin Tessa zuwirft ist Frame für Frame übernommen worden.

Der arme Harry Styles
Als Harry Styles wäre ich allerdings schrecklich verärgert, wenn man mir einen Warmduscher wie Hardin Scott auf den Leib schreiben würde. Die Tattoos sind peinlich, der "Bad Boy" ist beim Baden im See zu feig seine Unterhose auszuziehen und die Sprüche, die er ablässt sind blamable Platitüden, die nur noch durch sein blödes G'schau in den Schatten gestellt werden.

Unschuldslamm kauft Helden den Schneid ab
Ausgerechnet Tessa, die eigentlich die jungfräuliche Langweilerin sein soll ist die einzige, die in all ihren Entscheidungen gesunden Menschenverstand beweist. Witzig wird der Film nur dann, wenn Tessa dem Märchenprinzen den Schneid abkauft. Als er athletisch über eine Absperrung springt, geht sie durchs offene Drehkreuz. Der Blick den sie ihm dabei zuwirft, ist Kino-Gold. Tessa hat mehr Rückgrat als Twilights Bella und Fifty Shades Anastasia gemeinsam.

Das wiegt sie durch schreckliche Modeentscheidungen (der Kostümdesigner gehört in Christian Greys Red Room gesperrt und gezüchtigt) wieder auf.

Unfreiwillig komisch
Wenn ihr euch den Film anschaut, passt auf die Geräusche beim Küssen und beim Sex auf. Es war zwar nicht so beabsichtigt, doch das sind die Stellen, über die man sich amüsieren kann.

Ende mit Schrecken -– Schrecken ohne Ende
Nichts, aber auch gar nichts an dem Film ist so schlimm wie das Ende. Ich will hier nichts spoilern, aber lahmer geht's kaum. Bei so einem Finale kann man nur erschaudern, wenn man daran dankt, dass die (noch nicht bestätigte) Kino-Fortsetzungen noch warten.

"After Passion" lauft ab 11.4.2019 im Kino

Fazit:

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